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Volume [Band 2] No. 27, 4. Juli 1835

Full text: Berlin (Public Domain) Ausgabe 1835 (Public Domain)

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Preisfrage. 
Die gelehrten Academleen des Zn- und Auslandes werden zur Beant 
wortung folgender Preisfrage aufgefordert. „Hat Italien seinen guten Ruf 
durch eine» Autor der neueren Zeit verloren, oder dieser seinen schlechten 
dort bekommen?" 
Gehorsamste Sitte. 
Es Ist wahrhaftig schon bescheiden, wenn man für sich selbst nur »in 
freies Athme» bittet. Mehrere Theaterfreunde treiben aber die Bescheidenheit so 
weit, daß sic dies sogar nur für.andere erbitten. Nämlich für Herrn G... 
und Madame W denen gewiß das Athemholcn verboten ist, weshalb 
sie Beide da« Verbot umgehen, und Hr. G..., der Pfiffikus, inimcrschnarcht 
mn heimlich dabei etwas Luft zu schnappen, Mad. W dagegen de» 
Diebstahl durch Schluchze» maskirt. Wir legen daher eine dringende Bitte 
bei der bochloblichc» Tbcaterbehörde ein, den beiden Genannten (oder vielmehr 
nicht Genannten) wieder freies Athemholcn zu erlauben, da Alhcmschnarchcii 
und Athcmschluchzen doch eine zu harte Strafe ist. Oder wäre sie auf Zeit 
lebens ditlirt? — Vielleicht könnte indessen päbstliche Gnade oder kaiserliches 
Machtwort selbst iu diesem Falle davon freisprechen, und alsdann wendeten sich 
Hr. E... und Mad. W wohl am besten an den Kaiser Friedrich I. lind 
Pabst Alerander III. 
Einige Theaterfreunde. 
Raritäten von Berlin. 
Berlin (nicht meines) bat eine Doppelmcrkwürdigkeit: Einen bis zur Un 
sichtbarkeit kleinen Kritiker und einen dito Dramatiker. Aber beide thun fast 
täglich Wunder, indem sic beweisen, daß es noch etwas kleineres giebt 
als ihre Körper. — Sie sollte» doch einander hciralhcn, was für sie 
noch de» besondern Bortheil hätte, daß sie ihre Wäsche nicht umzeichnen 
zu lassen brauchten, weil man sie Beide im gelehrten Berlin «nlcr einem 
Buchstaben findet. — Berlin bat aber noch eine Doppelmcrkwürdigkeit: Ei 
nen bis zur Unumgänglichkeit (d. h. der weder zu umgehen noch m i l dem um 
zugehen ist) dicken Selbstbüchcrmachcr und einen dito Recensenten solcher, die 
andere gemacht haben. Auch sie beweisen beide täglich, daß es noch etwas 
Ungeschickteres giebt als sie selbst, nämlich ihre Federn. Die zwei Kerle fan 
gen nicht nur mit einem Buchstaben an, sondern stecken in demselben Futteral 
oder Körper, welches den Bortheil gewährt, daß man Beide zugleich mit einem 
Stricke aufhängen kann, was sie vielleicht längst verdient hätten. Das 
Aufhängen bringt mich auf die Idee den Anfangsbuchstabe» dieser Doppel- 
merkwürdigkeiten für de», der sic noch nicht gerathen hat, in ein Buchstabe»- 
Räthsel zu bringen, das ich folgendermaßen säuberlich metrisch fasse und reime: 
Dvrwärls, ein Doge! filegts zur Sonn' hinan 
Rückwärts, deß Seemanns Ruh' der nicht ersaufen kan». 
Schade, daß es keine Räthselfibel giebt; für diese würde ich die schönen Verse 
einsenden. 
Herrn Stümers Bildniß ist bei Herrn Gropius erschienen. Uns 
taucht, er hätte sich entweder früher lilhographircn lassen oder länger sin 
gen sollen. 
Buchdrucker«!: F. F. Starcke.
	        
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