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Die Belebung seiner Gewässer mit vortrefflichem Schiffsmaterial
wußte der Monarch um so wirkungsvoller zu gestalten, als er seine
zahlreichen Jachten mit Geschützen armierte, die bei festlichen An-
lässen ihren Donnergruß erschallen ließen. So lesen wir von den
Festlichkeiten bei der Bermählung der Prinzessin Luise Dorothee
Sophie mit dem Erbprinzen Friedrich von Hessen-Kassel im Jahre
1700 in v. Bessers Aufzeichnungen?) : „Sobald Se. Churfl. Durch-
laucht (Friedrich 111.) außerhalb der Stadt (Berlin) die fremde
Herrschafft in die Kutschen aufgenommen, und sich denen Truppen
genähert, jo ward aus den 12 Stücken, die in der Linie stunden,
zu feuren angefangen, und darauf aus den hundert halben und ganten
Carthaunen, die man deßwegen zu Walle gebracht, rings um die
Stadt herum geantwortet; wie imgleichen auch aus den Stüken
der Chur-Fürstlichen ganß vergüldeten Jagt und Galeere, die damahls
eben zu nechst der neu-erbauten steinern Spree-Brücken (der Langen
Brüde), über welche der Zug gehen sollen, vor Anker lagen, und mit
ihren ausgelassenen schönen Wimpeln und Flaggen sich über den
ganzen Fluß ausbreiteten.“
Bon der Feier des Geburtstages der Königin am 6. Mai 1711
heißt es in v. Bessers Hofjournal: „Des Morgens um 10 Uhr, als
Seine Majestät der König die Königin besuchte, wurden alle die
StüFe auf denen im Charlottenburgischen Bassin (Schloßteich)
liegenden Galeeren und Jachten gelöset, der ganze Hof war in
Gala. . “
Daß unsere s<hmu&en Fahrzeuge dem damaligen Stadtbilde
als reizvolle Folie dienten, ersehen wir aus der Steigerung seines
Schiffsverkehrs, zu der die Anlegung des „Neuen Grabens“ oder
Friedrich-Wilhelm-Kanals durch de la Chieze und Michael Matthias
Smids wesentlich beitrug; diese Wasserverbindung ermöglichte es,
einen großen Teil des Oderverkehrs von dem damals noch s<wedischen
Stettin abzuleiten und dem Stromgebiet der Spree zuzuführen.
„Berlin als Seestadt“, keine geeignetere Bezeichnung könnten wir
für eine Ansicht von Spree-Athen finden, die uns Peter Schenk
unter Benutzung eines Madderstegschen Bildes von Berlin in seinem
Werk „Hekatompolis“ gibt (Abb. 1). Im Hintergrund die Stadt
mit ihren ragenden Türmen und dem Schloß, das den von Schlüter
geplanten, aber nicht zur Ausführung gekommenen Aufbau zeigt.
1) vy, Besser, Schriften („Des Herrn v. B, Schriften“). Leipzig 1711, S. 352.