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Band H. 1-3

Volltext: Zeitschrift für Bauwesen (Public Domain) Ausgabe 69.1919 (Public Domain)

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Franz Schwab!, Die vorkarolingisch© Basilika St. Emmeram in Begensburg 
später ara mehrfach erwähnten Bauplan von St. Gallen ziem* 
lieh weit entwickelt vorfindea und die wir in der Folgezeit 
immer mehr zu strenger Gesetzmäßigkeit heranreifen sehen, 
zum sogenannten „gebundenen System“. 
Di© Bauzeit ist ziemlich genau begrenzt. Zur Zeit der 
Übertragung der Reliquien des hl. Emmeram durch Bischof 
Gaubald aus der Georgkapelle in das, wie ausdrücklich be 
richtet wird, „neu bereitete Grab“, d. h. in die 1894 wieder 
entdeckte Confessio, müssen wir einen ersten Teil der Kirche 
schon fertig annehmen; höchstwahrscheinlich nur die Krypta. 
So läßt sich wohl auch am besten erklären, daß von einer 
neuen „Kirche“ zu jener Zeit noch nicht berichtet wird. 
Gaubald war nun aber der erste Bischof mit dauerndem 
Wohnsitz in Regensburg, den der hl. Bonifatius bei der von 
ihm vorgenomraenen -Einteilung der Bistümer im Jahre 739 
dort eingesetzt batte. Die Übertragung der Eromeramreliquien 
wird in die erste Amtszeit Gaubalds verlegt; nach den „flores 
temporum“, die wie erwähnt den hl. Bonifatius dabei selbst 
beteiligt sein lassen, wäre das Jahr 740 dafür anzunehmen. 
In der Folgezeit wuchs der weitläufige Kirchenbau allmäh 
lich heran nnd wurde unter Gaubalds zweitem Nachfolger 
Sindbert (768 — 791) mit Unterstützung Karls des Großen 
(um das Jahr 783?) vollendet. Wir kommen somit auf eine 
vergleichsweise keineswegs lange Bauzeit von 40 — 50 Jahren 
und schreiben den Entwurf noch der ersten Hälfte des 8. Jahr 
hunderts zu. 
Da bedürfte es denn kaum mehr der besonderen Nach- 
richtf die den hl. Bonifatius mit der Übertragung der Em 
meramreliquien und damit mit der ersten Weihe der Kirche 
in Zusammenhang bringt. Wir gehen mit der Annahme ge 
wiß nicht fehl, es sei der hl. Bonifatius dem Bau der Kirche 
nahe gestanden, Dieser große, tatkräftige Bischof, der in 
Regensburg den Bischofstubl errichtete, hat sicherlich auch 
den Bau einer würdigen Kathedralkirche als besonders wich 
tigen Teil seiner Sendung betrachtet. Wir dürfen St. Em 
meram , wo der älteste Sitz der Regensburger Bischöfe war, 
somit als Gründung des hl. Bonifatius ansehen. Und diese 
Bischofskirch© stellt sich als ein Bauwerk von solch über 
ragender Großartigkeit dar, daß alle bisherige Erwartung und 
Mutmaßung bei weitem übertroffen wird. 
B. Kunstflcscbichtliche Stellung. 
I. Bntwicklungsfragen der altchristlich- 
romanisehen Übergangszeit 
1. Vorbemerkungen und minder wichtigeEinzel- 
heiten der Kirche ‘ St. Emmeram. Nach Zeit und Art 
ist diese Kirche eines der wertvollsten Baudenkmäler des 
frühen Mittelalters überhaupt. Sie steht mit Abstand zumal 
an der Spitze aller bis heute nachgewiesenen und in solchem 
Umfange bis heute noch erhaltenen, großen Basiliken jener 
Zeit. In einer ganzen Reihe von Punkten kommt ihr außer 
ordentliche Bedeutung zu. Das gilt vor allem hinsichtlich 
der Krypten- und Apaisanlage und bezüglich des Querbaues, 
. bzw. der Grundrißlösung des lateinischen Kreuzes. Erst nach 
der Würdigung dieser Fragen werden wir den Gesamtbau 
richtig einschätzen können. Doch schicken wir diesen Son-, 
deruntersuchungen vorerst die Besprechung einiger Einzel 
heiten voraus. 
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Mit westlichem Vorho! und besonderem Torbau steht 
St. Emmeram durchaus mit dem allgemeinen Bilde stattlicher 
Kirchen der Frühzeit in Einklang. Von den ziemlich zahl 
reich nachgewiesenen Beispielen sei Steinbaoh i. 0. genannt, 
auch Aachen und Essen und namentlich Lorsch an der Berg 
straße, wo uns die TorhaUe fast unversehrt noch erhalten 
ist. Ob unsere Vermutung bezüglich der auch für St. Gallen 
einst geplanten Tortürme richtig ist, muß vorerst noch offen 
bleiben. Der Platz der alten Sakristei an der dem Kloster 
abgewendeten Seite ist, obgleich diese Anordnung wenig 
zweckmäßig scheint, gleichfalls ziemlich häufig. Wir werden 
das gleiche n. a. zu St. Zeno in Reichenhall wiederfinden, in 
der späteren Hirsauer Schule wurde diese Planung sogar zur 
Regel. Im Aufbau fällt eine ungewöhnliche Schlankheit der 
Verhältnisse auf. Es gilt das nicht so sehr für den Quer* 
schnitt an sich als für das Bild der von der Krypta ein 
geschnürten Apsis und für die Arkaden. Namentlich diese 
waren sehr kühn gebaut, und wir verstehen, daß sie einer 
schweren Brandprobe nicht standhalten konnten. Wir ver 
muten dabei die Stützen als quadratische Pfeiler. An und 
für sich könnte auch an eine ursprüngliche Säulenbasilika 
gedacht werden. Nachdem in der Folgezeit im ganzen Nach 
bargebiet der Pfeiler jedoch bei weitem vorherrscht, nach 
dem Säulen schwerer zu beschaffen gewesen wären und selbst 
bei einfachster Behandlung immerhin einige, sonst am Bau 
geradezu ängstlich vermiedene Eierglieder verlangt hätten, so 
scheint die Ausführung von Pfeilerarkaden gewiß zu sein. 
Nun entstand der Entwurf dieser Anlage aber sicherlich nicht 
in Regensburg, und so wäre denkbar, daß im allgemeinen 
Plane an Säulen gedacht war und daß ihr Ersatz durch 
Pfeiler vom Tiefstand der örtlichen technischen Leistungs 
fähigkeit bedingt wurde; ähnlich könnt© man auch den völli 
gen Mangel an Schmuckgliedern zu erklären suchen. Ander 
seits bestätigt aber der Bau gerade durch diese Armut au 
Zierat jene allgemeine Beobachtung, es sei „den schöpferi 
schen Zeiten, in denen neue Gedanken entstehen, eigentüm 
lich, daß man das Ziel mit geringen Mitteln zu erreichen 
sucht, daß mau sich nur mit den großen Linien begnügt, 
• die das gewollte Bild umreißen, ohne aufs Einzelne ein- 
• zugehen.“ 31 * ) In konstruktiver. Beziehung ist diese frühe An 
lage recht wohl überlegt. Die Mauer der Apsis ist mit Rück 
sicht auf das hoobliegende Gewölbe wesentlich stärker als 
das übrige Hochmauer werk; ähnlich das Mauerwerk der Quer- 
bauflögel, woraus wir ja auf den Hochbau schlossen. Auf 
starken Mauern sind ferner die wohl in Gußmauerwerk aus- 
geföhrten Tonnen der Krypta und des östlichen Eingangs 
gelagert. Die sonstigen Mauem sind verhältnismäßig schwach 
und die Giebelmauern dabei nicht stärker als die übrigen. 
Bei den sicherlich nur ziemlich flachen Giebeln kann eine 
stärker© Belastung im Vergleich mit den Tragmauern der 
Balkendecke auch tatsächlich nicht in Betracht kommen. Über 
die wichtigen Einzelheiten der Mauertechnik läßt sich zur 
zeit, solange dicke Putzscbichten den Kern umhüllen, kein 
Urteil fällen; hierüber Klarheit zu schaffen muß einer spä 
teren Untersuchung Vorbehalten bleiben. 
Wenden wir uns nunmehr den Hauptfragen des Baues 
im besonderen zu. 
31) A. Hatthaei, Deutsche Baukunst im Mittelalter. Leipzig 
1912 (B. Anfl.), S. 38.
	        
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