Unparteiische
(Kriedenaner
leitn«- für kommunale und bürgerliche
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frmTprecher: Hmt Sln.-Ml. 2129.
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“Jeden sßlttwodn
CQitjblatt „Seifenblasen“.
Erscheint täglich aöends.
Zeitung.)
Hrgan für >m Friedmauer Ortsteil von Zchdneberg und
Kezirtövttein Züdwest.
Beilage«
Jecken Sonntag:
Blätter für deutsche stauen.
Druck und Verlag von Leo Schultz, Friedmau.
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Friedenau, Dienstag, den 3. Mai 1910.
17. Iahrg.
Depeschen. I
Letzte Nachrichten.
Posen. Großes Aufsehen erregt hier das plötzliche
Verschwinden deS Kassierers der Posener Raiffeisen - Genoffenschaft
Hubert Geilenberg, nachdem er sich Veruntreuungen
von GenoffenschaftSgeldern in Höhe von angeblich
50 000 Mark hat zuschulden kommen kaffen. Ein
Teil der veruntreuten Gelder soll auS dem Vermögen
GeilenbergS gedeckt worden sein. Geilenberg bezog ein
auskömmliches Gehalt, soll aber über seine Verhältnisse
hinaus gelebt haben.
Petersburg. Im Hause deS sehr reichen Kaufmannes
Grifchin spielte sich gestern ein furchtbares Familiendrama
ab. Der Gardekapitän OftroSlawsky hatte sich mit GrischinS
Tochter Olga verlobt. Während des Diners machte OstroSlawjky,
der viel Champagner getrunken hatte, die Bemerkung,
alle Kaufleute seien Ellenreiter und Schwindler. Die beiden
Söhne Grischins, Studenten protestierten heftig, wobei sie
einen beleidigenden Ausdruck gegen OftroSlawsky gebrauchten.
OftroSlawsky geriet darüber außer sich, zog einen Revolver
und erschoß einen der beiden Söhne. Darauf entstand
eine unbeschreibliche Szene. Alle Anwesenden stürzten auf
OftroSlawsky, der mit weiteren Schüffen seinen zukünftigen
Schwager Lebedeff und den alten Grischin schwer, seine
Braut leicht verwundete. Die herbeieilenden Dworniks
und der Platzadjutant verhafteten OftroSlawsky.
Paris. Ingenieur Labro konstruiert gegenwärtig im
Auftrag des Kriegsministeriums einen neuartigen Lenkballon,
von welchem das .Pariser Journal" großartige
Dinge zu erzählen weiß. Der Ballon wird den Namen
«Die Fregatte" führen und soll eine Geschwindigkeit von
80 Kilometern in7 der Stunde haben. Insgesamt wird
der Ballon bet-einem FaffungSraum von etwa 6000 Kubikmetern
über 240 PS. und 6 Propeller verfügen und etwa
7—8 Personen tragen können. Die Baukosten betragen
220 000 Francs.
Paris. Eine FeurrSbrunst zerstörte den größten Teil
der Gemeinde Chapelle Blanche. 14 Wohnhäuser sind
eingeäschert worden. Menschenleben sind nicht zu beklagen.
Nancy. Während der Reitübungen deS 13. Dragonerregiments
weigerte sich daS Pferd eines Dragoners,
vorwärtszugehen. Der Rittmeister befahl nun einem
Unteroffizier, mit dem S.äbel auf das Pferd einzuhauen.
In dem Augenblick, da der Unteroffizier mit der Säbelspitze
das Pferd anfeuern wollte, bäumte es sich, wobei
der Soldat auf dem Pferde gegen die Spitze deS Säbels
de« Unteroffiziers gedrückt wurde, die ihn tief in den
Rücken drang und ihn tötete. Der Rittmeister ist mit
zwei Wochen Arrest bestraft morden.
Rom. Die Mauer eines baufälligen Palastes in der
Nähe des Corfo Victorio Gmanuelo in Messina stürzte
gestern ein, wobei mehrere Vorübergehende verschüttet
wurden. Die Zahl der Opfer ist anch nicht genau bekannt.
Bisher werden ein Mann und ein Kind vermißt.
Liverpool. Gestern wurden zwei Polizisten zu fünf
Jahren Zuchthaus verurteilt, die in einem Laden eingedrungen
waren, den sie hätten bewachen sollen.
'ft*-***-'
14.
öturmeewoejen.
Homo» rot: Wilhelm von Trotha.
~ cUnchtrnck Meisten.)
Jener war der rote Klaas, der mit einem Kasten voll Sand
m Eisdecke bestreuen sollte, um das Verdeck wieder gangbar zu
nachen. Als er sich erhoben hatte, war Rose verschwunden und
e schien Re den .Roten" nicht bemerkt zu haben.
Nachdem er seine Arbeit getan hatte, verschwand er wieder
mter Deck und schlenderte, die Hände tief in den Taschen
»ergraben, in einem der Gänge auf und ab, m denen sich
mcfj die Leute aus dem Zwischendeck aufhalten durften, um
ich Bewegung zu machen. ^ . ,, ~ .
Trotz «tragen Spähens konnte Klaas den alten Fensen
ficht entdecken und schritt mißmutig dem Achterteil des Schiffes
iu, um zu sehen, ob der Alte gar seekrank Zwischendeck
lege. Gr öffnete soeben die Tür zu dem dorthinsuhrenden
Sange, alS ihm der Gesuchte mit bleichem Gesicht und ganz
,erstörter Miene entgegenkam. Obgleich sein Schritt etn ziemlich
-iliger war, so kam eS dem Roten doch so vor, als schwanke
»er große, starke Mann. , ,, . ,.
In der Hand trug Jensen ein Zeitungsblatt und hielt
* stumm dem Matrosen hin. , ... . .
Dann sagte er nach einer längeren Pause, wahrend der
UaaS daS Blatt hin- und hrrgewandt hatte, ohne hinein zu
e ^ m *S)CT Gelsen und der * weiter kam er nicht,
»enn mit wütendem Gesicht stürzte der Matrose auf ihn zu
md zischte ihm inS Ohr: , ' .,
.Still, Alter, der Gelsen steht hier, vor Euch, ich, ich
nn der Gelsen, habt Ihr'- nun kapiert, Ihr furchtbarer —
een Rest deS Schimpfwortes verschluckte er.
Neuyork. 10 000 Bäckereiarbeiter find hier in den
AuSstand getreten. Eie fordern einen Erhöhung ihre-Lohnes
und Gewährung befferer Arbeitsbedingungen.
Allgemeines.
fjo Zu den Jubiläumsfeiern Berliner Garderegimenter
sind zahlreiche frühere Regiments-Angehörige aus allen
Gegenden in der Reichshauptstadt zusammengeströmt. Die
Staatsbahnverwaltung hat sich daher entschlossen, zu ihrer
Rückbeförderung Sonderzüge einzustellen. Solche verkehren:
am 5. Mai, ab Lehrter Bahnhof. 6.32 Nachm, über
Hannover-Hagen-Elberfeld nach Köln, vom Anhalter Bahnhof,
ab 7.54 Nachm., über Kaffel-Gießen nach Koblenz;
am 7. Mai, ab Potsdamer Bahnhof 8.53 Vorm, über
Soest-Elberfeld nach Köln, ab Lehrter Bahnhof, 6.32
Nachm, über Hannooer-Effen-Düffeldorf nach Aachen; am
8. Mai, ab Anhalter Bahnhof, 7.32 Vorm., über Caffel-Gießen
nach Koblenz und am 16. Mai, ab Potsdamer
Bahnhof, 6.53 Nachm., über Braunschweig-Hannover-Elberfeld
nach Köln. Zu diesen Sonderzügen werden auf
den Abgangsbahnhöfen Fahrkarten zweiter und dritter
Klaffe zu ermäßigten Preisen bis zum Abgänge der Züge
verkauft.
Qo Für den diesjährigen Pfingstoerkehr hat die
Etfenbahnverwaltung, wie in früheren Jahren, die Einrichtung
getroffen, daß die Reisenden, die Berlin in der
Zeit vom 6. bis 19. Mai mit O-Zügen verlassen, die
Plätze bereits vom 4. Mai ab — frühestens jedoch 8 Tage
vor Antritt der Reise — beim amtlichen Reisebüro, Berlin,
Potsdamer Bahnhof, und für die die Berliner Stadtbahn
befahrenden O-Züge auch bei der Fahrkartenausgabe Berlin,
Friedrichstraße, bei gleichzeitiger Lösung oder Vorlegung der
Fahrausweise belegen können. E» kann den Reisenden
nur empfohlen werden, von der Einrichtung deS BorverkaufS
der Fahrkarten und der Vorausbestellung der Plätze
Gebrauch zu machen, zumal besondere Kosten hiermit nicht
verknüpft sind.
Lokales.
(Nachdruck unserer o-Ottginalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.)
o Einweihung deS Botanischen GarteuS. Voraussichtlich
findet die offizielle Einweihung deS Botanischen
GartenS gegen Ende Mai statt; es wurde der 24. Mai
genannt, doch ist die genaue Festsetzung noch nicht erfolgt.
ES steht zu erwarten, daß der Kaiser der Einweihung
beiwohnt.
o Ortskrankenkaffe Friedenau. Der Rechenschaftsbericht
der Kaffe über daS Jahr 1909 betont, daß,
wenn auch das Ergebnis deS Berichtsjahres, als kein besonders
günstiges zu bezeichnen ist, man doch mit ihm zufrieden
fein könne. Am 25. November 1908 beschloß die
Generalversammlung eine Beitragserhöhung. Diese wurde
jedoch vom Bezirksausschuß wegen eines Formfehlers nicht
genehmigt. Es erfolgte daraufhin am 22. April 1909 ein
nochmaliger Generalversammlungsbeschluß. Diesmal wurde
auch beschlossen, daS Sterbegelb zu erhöhen und ein
Krankengeld auch für die Sonntage zu zahlen; gleichzeitig
wurde ein frühere.- Antrag, die Vorstandsmitglieder für die
.Kömmt," sagte Klaas dann ruhiger, schrüt an dem Alten
vorbei und stieg die Eisenstufen zum Hinteren Teil des Hauptdecks
hinauf, um in einer schmalen Tür zu verschwinden.
Jensen folgte ihm.
Klaas schloß die Tür zu und stierte zunächst mit wut«
verzerrtem Gesicht vor sich hin.
Dm allen Jensen beschlich ein eigenattiges Gefühl, das
ihn ein wenig weich zu stimmen schien, dmn seine sonst harten
und finsterm Züge bekamen ein ruhigeres und friedlicheres
Aussehen. Er dachte an Rosa und da fiel ihm ein, daß dieser
vor ihm sitzende Kerl doch wohl kein rechter Mann für sein
einziges Kind sei, denn dtt war ein Verbrecher, das sah man
diesen auf dm ersten Blick an, und wenn er da an bm Onnen
— nein, an dm wollte und durste er nicht denken, der hatte
ihn von seinem Grund und Bodm vertrieben, den seine Altvordem
schon seit mehr al§ 200 Jahren besessen hatten, r ‘
der Zorn über diese Erniedrigung ersückte das gute Gefn.
in dem Allm, und »hxe dm Roten ar^usehen, sagte er
dumpf: ,
»So les't doch, KlaaS, waS da in der Zeitung steht"
md fügte spöttisch hinzu: »'S wird nämlich auch Euch
interessieren!"
Klaas hatte die Stelle in der Zeitung gesunden, die die
Nachricht brachte und da stand:
»Am Morgen des 30. Januar wurdm auf dem Grundstücke
des ausgewanderten Jeasm in Tamowitz zwei ge-K
selt« Lmte gefunden. Man hatte sie anscheinmd, um vor
m Erfrieren zu bewahren, in Decken gehüllt und so lagen
sie dort unter der großen Linde. Der eine nannt« sich Gelsen,
während der Name des anderen zunächst nicht zu ermitteln
war, da beide keine Legitimationspapiere bei sich führten."
»Sollte dem Gelsen auch schwer werden, sein« Papiere
bei sich zu haben,k lachte der Rote, »die sind bei mir viel
besser aufgehoben! He, meint Ihr nicht auch, Alter?"
Person und Sitzung mit 1,50 M. zu entschädigen, aber
malS angenommen. Der nunmehr wie vor festgesetzte
5. Statutennachtrag fand aber gleichfalls nicht die Genehmigung
des Bezirksausschusses. Daraufhin leitete die
Kasse das BerwaltungSstreitoerfahren ein. In der mündlichen
Verhandlung am 18. August 1909 wurde die Beitragserhöhung
genehmigt, während den Übrigen Satzung»-Lnderungen
die Genehmigung versagt wurde. Bezüglich
der Nichtgenehmigung der Entschädigung von 1,50 M. an
die Vorstandsmitglieder ist Revision beim OberverwaltungSgericht
eingelegt worden. — Nach dem Rechnungsabschluß
betrugen die Einnahmen im verflossenen Jahre 176 166,03
Mark, die Ausgaben 168 143,08 M., mithin verblieb ein
Betriebsfonds von 8009,95 M. Ja den Einnahmen betragen
die Eintrittsgelder 2985,15 M. (2096,50 M. t. B.),
die Beiträge 154 466.04 M. (112 791,03 M. i. V.). AuSgegeben
wurden für ärztliche Behandlung 19 797,19 M.
(13 039,78 M.), für Arznei und sonstige Heilmittel 17 292,61
Mark (13 973,26 M.), für Krankengelder an Mitglieder
68 947,39 M. (47 849,90 M.), an Angehörige der Mitglieder
3990,45 M. (2563,45 M.). Unterstützungen an
Wöchnerinnen 827,60 M. (815 M.), Sterbegelder 1630
Mark (1780 M.), Kur- und Verpflegungskosten an Krankenanstalten
23 199,81 M. (18 072,90 M.). Die VerwaltungSauSgaben
betrugen persönliche 10 631,21 M.
(7 243.76I M.), sächliche 4868.03 M. (2906,40 M.)
Der Durchschnitt der reinen Jahresausgabe während der
letzten 3 Jahre bettägt 89 912.63 M., dieser Betrag ist alS
Reservefonds anzusammeln. Nach der erfolgten Ueber-Weisung
beträgt der Reservefonds 43 000 M., ist also um
46 912,63 M. zu niedrig. DaS Gesamtoermögen der Kasse
beträgt 48 809,66 M. und setzt sich zusammen: Barbestand
8009.95 M., Wertpapiere 30 694 M., Sparkassenbuch der
Gemeinde-Sparkafle Rummelsburg 10 000 M., sonstige
Forderungen 105,71 M. DaS verfügbare Aktivvermögen
verteilt sich: Reservefonds 40 694 M., Betriebsfonds
8009.95 M. Angemeldet wurden im Betriebsjahre 10 159
männliche, 1180 weibliche, zusammen 11 339 Mitglieder;
abgemeldet 9335 männliche, 997 weibliche, zusammen
10 322 Mitglieder. Insgesamt also 21 661 Meldungen,
hierzu kommen noch 894 Ummeldungen infolge eingetretener
Lohnveränderungen. Wegen unterlassener bezw.
zu später Meldung wurden im Berichtsjahr 21 Arbeit»
geber mit insgesamt 69 M. bestraft. Die Durchschnittszahl
der Mitglieder betrug 3458 (2690 i. V.) männliche.
699 (637) weibliche, zusammen 4157 (3327); der höchste
Mitgliederstand war im Juli mit 4484, der niedrigste im
Januar mit 3555 zu verzeichnen. Verstorben sind 22
Mitglieder. Die Zahl der Erkrankungsfälle betrug-insgesamt
1932 und 1596 männliche und 337 weibliche- die
KrankheitStage betrugen bei den männlichen 38 291, bet
den weiblichen 9807; eS entfallen also auf jeden Krankheitsfall
der männlichen Mitglieder 24, der weiblichen
Mitglieder 29 KrankheitStage. ES werden in dem Bericht
ferner die Arbeitgeber, bei denen wegen rückständiger Beiträge
und Eintrittgelder fruchtlos gepfändet wurde, namentlich
aufgeführt, ebenso diejenigen Arbeitgeber, die unbekannt
verzogen und mit Hilfe der Behörden nicht zu ermitteln
WWWM8WW8WMWMWWMWW8M8MWWWWIWWWMMWWW
»Weiß ich nicht, ist mir auch ganz gleichgültig! Aber,
was nun?"
»Was nu»i, he, was nun?" fragte Klaas achselzuckend,
»nichts, gar nichts, 's ist gut, daß die Kerle festsitzen; bis
wir drüben sind, haben die erst ein paar Verhöre hinter sich,
bei denen nichts herauskommt, unsere Gerichte sind gar langsam,
wenn es gilt, einen zu fassen und drüben, ha, ha,
ha, ha, da pfeife ich auf das ganze Gesindel! 's ist ganz
gut so; von niir werden die beiden nichts aussagen, denn,"
fügte er mit verschinitztem Lächeln hinzu, „vor mir haben sie
einen Heidendampf und — erhalten Geld! Dafür können
sie mal ein paar Tage freie Kost und Logis in Kauf nehmen!"
„Nun, und les't weiter, mein zukünftiger Herr Schiviegersohn,
jetzt kommt etivas, was meinem zartfühlenden Vaterherzen
einen harten Stoß gegeben hat und mich sehr kränkte."
»Sooo? na, laßt sehen, was Euer Zartgefühl so verletzte."
Dieses Mal las der Rote leise und sagte dann:
»Das ist ja nur ein Steckbrief hinter dem »roten
Klaas" her, ist für uns eine recht gleichgültige Sache, wo
der steckt, das ist uns Wurst, gell. Aller?" Hierbei klopfte
der Sprecher dem Jensen verttaulich auf die Schulter und
sagte:
»Sa, also das ist alles? Ha,, 's ist recht und
ehrlich von Euch gewesen, mir das zu zeigen ich werd's
Glich nicht vevgessrn!"
»Ach, das ist alles, was Deinem sonst so schlauen
Schädel einfällt," sagte der Alte, »und wer hat uns denn
die Rose an jenem Abend aufgehoben, wie es in früheren
Zeiten die Strauchritter taten, wer hat die beiden gebunden
und wer endlich hat die Rose nach Hamburg gebracht? H«,
hast Du das nicht in Deinem dummen Schädel Dir überlegt.
Du — Dunimkopf!"
»Halt's -
»Rein, jetzt hältst Du Dein dummes Maul." donnerte