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Händen abwehrend, die Augen weit aufgerissen, rief sie ihm
entgegen: „Davon reden Sie nicht! An all' das nur zu
denken macht wahnsinnig!“ Gutzkow hatten diese Worte um
so mehr erschüttert, als er eine Neigung fühlte, sich der jungen
Dame zu nähern, ein Schritt, der später auch gethan, aber
wieder zurückgethan wurde. Abgesehen von dem Interesse an
den Ideen stellte der Roman also eine „persönliche und reine
Herzensangelegenheit“ dar.?)
Nur jenes Wort verhallte nicht und gestaltete sich zu einer
verhängnisvollen Einheit mit Campes Mutlosigkeit. Die Probe
auf Zustände, in welche die Menschheit fallen würde, auch
wenn sie aufhörte zu glauben, was im Katechismus steht,
wurde sein ständiges Grübeln. Das abstrakte Problem war
plötzlich in unmittelbarster Verkörperung, aus dem Leben heraus
vor ihn hingetreten. Das war der entscheidende Moment. Um
den Kern des Auszuges aus der „Schutzschrift für die ver—
nünftigen Verehrer Gottes“ des Wolfenbüttler Fragmentisten
entstand „Wally, die Zweiflerin“. Jener Vorfall, der wie ein
Blitz im Geiste des Dichters zündete, bezeichnet auch in wenig
veränderter Gestalt in dem Verhältnis Cäsars zu Wally eine
entscheidende Wendung.
Eine poetische Idee also liegt der „Wally“ immerhin zu
Grunde. Gutzkow wollte den Gegensatz zwischen dem „schein—
baren Leichtsinn einer gedankenlosen Außenseite“ und schweren
inneren Kämpfen schildern. Wally betäubt durch ein geräusch⸗
volles Leben die religiösen Zweifel in ihrer Brust, bis sie
durch die Liebe zu einem geistreichen frivolen Skeptiker in den
Strudel wieder hineingezogen wird, wo sie dann, da ihre Er⸗
ziehung diese Möglichkeit nicht berücksichtigt hat, der Ver⸗
zweiflung keine andere Kraft entgegenzustellen vermag als das
„Bischen Sterbenwollen“. Der 24 jährige Verfasser ver⸗
öffentlichte die „Wally“ in völliger Unklarheit über die Trag—
weite des gedruckten Buchstabens, was er stets zugegeben, wie
er ebenso später wenigstens nie verheimlicht hat, daß die