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Band Nr. 35, 10. Dezember 1982

Volltext : Plenarprotokoll (Public Domain) Ausgabe 1982/83, 9. Wahlperiode, Band III, 33.-53. Sitzung (Public Domain)

Abgeordnetenhaus  von  Berlin  -  9.  Wahlperiode

35.  Sitzung  vom  10.  Dezember  1982

Bm  Lummer
wiederholten  Male  gezwungen  bin,  Antworten  zu  geben,  die
verständlicherweise  als  nicht  ausreichend  empfunden  werden.
Aber  ich  bitte  es  mir  abzunehmen,  daß  der  Verweis  auf  laufende ­
  Ermittlungsverfahren  ein  ernsthafter  Verweis  ist.  Ich
kann  solche  Bewertungen,  wie  Sie  sie  von  mir  verlangen
-  der  Begriff  Wertung  taucht  ja  in  Ihrer  Frage  auf  —,  zu
diesem  Zeitpunkt  nicht  vornehmen  und  werde  sie  auch  nicht
leichtfertig  vornehmen!  Die  Ermittlungen  finden  statt,  sie
sind  nicht  abgeschlossen.  Wenn  sie  abgeschlossen  sein  werden, ­
  werden  wir  in  der  Lage  sein,  zu  werten,  und  auch  in  der
Lage  sein,  nach  den  Konsequenzen  zu  fragen.
Allerdings  darf  ich  Ihnen,  da  ja  im  weiteren  Verlauf  der
Debatte  zu  diesem  Thema  ein  Dringlichkeitsantrag  vorliegt,
schon  jetzt  sagen,  daß  der  Polizeibeamte  in  den  Innendienst
versetzt  worden  ist  und  nicht  im  Publikumsverkehr  steht.
Außerdem  ist  er  inzwischen,  was  sicherlich  darauf  zurückzuführen ­
  ist,  daß  es  auch  für  ihn  ein  schwerwiegender  Vorgang
ist,  krank  geschrieben.
Wir  alle  bedauern  solche  Vorgänge,  aber  dies  kann  uns
nicht  daran  hindern,  die  notwendigen  Ermittlungen  durch  die
Staatsanwaltschaft  durchzuführen  und  deren  Ergebnis  abzuwarten! ­


Stellv.  Präsident  Franke:  Zu  einer  Zusatzfrage  Herr  Abgeordneter ­
  Rabatsch!
Rabatsch  (AL):  Herr  Innensenator  Lummer,  welche  Konsequenzen ­
  Sie  gezogen  haben,  bezogen  auf  den  zweiten  Teil
meiner  Frage,  haben  Sie  leider  nicht  beantwortet.  Ich  frage
Sie  jetzt  zusätzlich,  ob  Sie  es  auch  für  möglich  halten  oder
ob  Sie  selbst  auch  die  Möglichkeit  in  der  Praxis  sehen,  daß
bei  der  Ausbildung  der  Polizeibeamte  durch  verstärktes  Training ­
  von  Schießübungen  wie  die  verstärkten  Übungen  des
Hüftschusses  wie  auch  die  polizeiliche  Deckung  von  Todesschützen, ­
  wie  wir  das  in  den  vergangenen  Jahren  immer
wieder  erlebt  haben,  dies  zu  einer  erheblichen  Reduzierung
der  psychologischen  Hemmschwelle  gegenüber  dem  Schußwaffengebrauch ­
  durch  Polizeibeamte  beiträgt  oder  beitragen
kann.

Stellv.  Präsident  Franke:  Herr  Senator  Lummer!
Lummer,  Bürgermeister  und  Senator  für  Inneres:  Herr  Präsident! ­
  Meine  Damen  und  Herren!  Herr  Abgeordneter,  die
polizeiliche  Ausbildung  wird  immer  wieder  auf  ihre  jeweiligen
Zweckmäßigkeiten  und  darauf,  ob  sie  den  gesetzlichen  Anforderungen ­
  genügt,  überprüft  werden  müssen.  Wir  haben
insofern  im  Laufe  der  Zeit  Veränderungen  gehabt.  Ich  bin
der  festen  Überzeugung,  daß  die  polizeiliche  Ausbildung  in
Berlin  auch  in  diesem  Bereich  als  ausreichend  und  befriedigend ­
  bezeichnet  werden  kann.  Ich  darf  gerade  angesichts
eines  solchen  Falles  darauf  hinweisen,  daß  es  viele,  viele
Gelegenheiten  gegeben  hat,  wo  Polizeibeamte  nach  den
Buchstaben  des  Gesetzes  berechtigt  gewesen  wären,  von  der
Schußwaffe  Gebrauch  zu  machen.  Sie  haben  es  nicht  getan.
Sie  haben  damit  ein  hohes  Verantwortungsbewußtsein  gezeigt ­
  und  insgesamt  deutlich  gemacht,  daß  die  Schußwaffe
von  der  Polizei  nicht  etwa  gehandhabt  wird  so,  wie  man  das
mit  dem  Wort  bezeichnet:  „Diese  sitzt  ihnen  locker  im
Holster“.
Dieser  sicherlich  ans  Tragische  grenzende  Vorfall  bedarf
einer  Untersuchung.  Ich  bitte  aber  auch  Sie,  Herr  Rabatsch,
gerade  auch  bei  einem  solchen  Vorgang,  wo  Bedauern  und
Emotionen  im  Spiel  sind,  nicht  zu  Vorurteilen  zu  neigen.  Wir
können,  was  die  Berliner  Polizei  und  den  Schußwaffengebrauch ­
  betrifft,  im  ganzen  sagen,  daß  hier  kein  Mißbrauch
vorliegt.  Wir  können  im  ganzen  sagen,  daß  hier  verantwortliche ­
  Ausbildung  und  verantwortliches  Handeln  dagewesen

sind.  Und  ich  bitte  Sie  auch,  einen  solchen  Vorgang  nicht  pro-  (C)
pagandistisch  dazu  zu  benutzen,  das  Ansehen  der  Polizei
gezielt  und  zweckbezogen  zu  diskreditieren.

Stellv.  Präsident  Franke:  Die  nächste  Zusatzfrage  stellt  der
Abgeordnete  Rabatsch.
Rabatsch  (AL):  Herr  Innensenator  Lummer,  ist  Ihnen  bekannt, ­
  daß  der  Landesjugendpfarrer  Wittkopf  während  der
Trauerrede  auf  dem  Bergfriedhof  in  Steglitz  bitter  beklagt  hat,
daß  von  keiner  der  verantwortlichen  Stellen  nur  der  leiseste
Hinweis,  das  kleinste  Zeichen  eines  Beileids  oder  eines  Mitgefühls ­
  in  der  hier  jetzt  von  Ihnen  geäußerten  Weise  entgegengebracht ­
  worden  ist?  Die  Angehörigen  beklagen  sich
in  der  Öffentlichkeit  weiter  darüber  bitter,  wie  mit  diesem
Todesfall  und  den  Ursachen  umgegangen  wird.  Es  ist  dringend ­
  notwendig,  hier  dazu  auch  etwas  zu  sagen  und  sich  mit
den  Angehörigen  darüber  auseinanderzusetzen.

Stellv.  Präsident  Franke:  Bitte  schön,  Herr  Senator
Lummer!

Lummer,  Bürgermeister  und  Senator  für  Inneres:  Herr  Präsident! ­
  Meine  Damen  und  Herren!  Herr  Rabatsch,  mir  ist  das
nicht  bekannt.  Ich  möchte  Ihnen  aber  sagen,  ich  habe  selbst
ernsthaft  erwogen,  zu  der  Beisetzung  hinzugehen.  Ich  habe
nach  Abwägung  aller  Gründe  dafür  und  dagegen  doch  das
Ergebnis  anerkennen  müssen,  daß  vielleicht  ein  solcher  Besuch ­
  eher  Mißverständnisse  und  zusätzliche  Probleme  geschaffen ­
  hätte.  Deshalb  habe  ich  darauf  verzichtet.
Es  gibt  im  übrigen  einen  Brief  an  mich  von  Nachbarn  aus
dem  Haus  und  der  Umgebung.  Diesen  Brief  werde  ich  beantworten. ­


Stellv.  Präsident  Franke:  Nächste  Zusatzfrage  stellt  der
Abgeordnete  Schmidt.
Schmidt  (AL):  Herr  Lummer,  Ihre  letzte  Antwort  überzeugt
mich  keinesfalls.  Der  Tod  von  Andreas  Piber  war  am  22.  November. ­
  Ich  frage  den  Senator  für  Inneres,  warum  er  sein
Bedauern  über  den  Tod  von  Andreas  Piber  den  Angehörigen
gegenüber  nicht  in  der  Zeit  vom  22.11.  bis  zum  Tag  der
Beerdigung  zum  Ausdruck  gebracht  hat.

Stellv.  Präsident  Franke:  Bitte  schön,  Herr  Senator!
Lummer,  Bürgermeister  und  Senator  für  Inneres;  Herr  Präsident! ­
  Meine  Damen  und  Herren!  Herr  Kollege  Schmidt,
sicherlich  ist  es  richtig,  darauf  zu  verweisen,  daß  der  Zeitablauf ­
  das  ermöglicht  hätte.  Wir  haben  uns  öffentlich  dazu
geäußert,  und  ich  meine,  das  sei  eine  angemessene  Erwiderung ­
  gewesen.  Ich  verweise  noch  einmal  darauf:  Ich  habe  mir
diese  Sache  ernsthaft  überlegt  und  war  zu  der  Überzeugung
gekommen,  daß  ich  Mißverständnisse  zu  vermeiden  habe,  solange ­
  nicht  klare  Ergebnisse  vorliegen.

Stellv.  Präsident  Franke:  Die  nächste  Zusatzfrage  stellt  der
Abgeordnete  Feilcke.
Feilcke  (CDU):  Herr  Senator  Lummer,  teilen  Sie  meine
Auffassung  im  Gegensatz  zu  der  des  Kollegen  Rabatsch,  daß
gerade,  um  einen  verantwortlichen  Umgang  jedes  einzelnen
Beamten  mit  seiner  Dienstwaffe  zu  ermöglichen,  zu  fördern
und  vielleicht  sicherzustellen,  eine  intensive  Schießausbildung
notwendig  ist?

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