Path:
Volume 9. April 1934

Full text: Dienstblatt des Magistrats von Berlin (Public Domain) Issue1934 (Public Domain)

-- 82 
Angeborener Schwachsinn wird immer, und zwar 5. erblichem Veitstanz (Huntingtonsche Cho- 
ahne Rittficht auf den va, des Schwachsinns zu rea), 
melden sein, es sei denn, daß die exogene Entstehung 6. erblicher Blindheit, 
bewiesen ist. Unter das Gesetz fällt nur der „intellek- arbiihe Blindheit 
tuelle“, nicht aber der moralische Schwachsinn. =. schwerer erblicher körperlicher Mißbildung, 
Ulfoholismus. 39 schwerem Alkoholismus. 
Entmündigte oder öfter in Anstalten behandelte Zuständig ist der Kreisarzt des ehemaligen 
Trinker sind nicht grundsäßlich als schwere Alkoholiker oder bei Entlassungen des künftigen Wohn- 
im Sinne des Gesees anzusehen, sondern nur, und ortes, nur wo dieser Wohnort nicht bekannt ist, 
dann allerdings unbedingt, wenn eine minderwertige vorläufig der für die Anstalt zuständige Kreis- 
Veranlagung als Ursache der Trunksucht anzunehmen arzt. Die Tatsache der Meldung ist durch Auf- 
ist (Prüfung der Erbnähe vsw.). Brutale jähzornige dru> oder Aufschrift „Meldung“ oben in der 
Trinker und solche mit bereits krankhaft veränderter Mitte der Krankengeschichte anzuzeigen. 
Persönlichkeit müssen zur Sterilisierung beantragt Die Meldung ist in doppelter Ausfertigung 
werden. Dabei sollen für die Beurteilung der Steri- an das Hauptgesundheitsamt -- Ges. VI a4-- 
lisierungsbedürftigkeit die für die Anstaltsunterbrin- einzureichen, eine davon „zum Zweek der 
gung gemeingefährlicher Trinker gegebenen Richt- Weiterleitung an den zuständigen Kreisarzt“, 
linien sinngemäß Anwendung finden, die im Rund- Bei Gefahr im Verzuge kann an den Kreisarz! 
erlaß des Ministeriums des Innern (Kd R) vom unmittelbar gemeldet werden; dem Haupt- 
27. Januar 1933 --- 111 a 1123/33 wiedergegeben sind. gesundheitzamt ist dann Abschrift der Meldung 
Die Stadtärzte haben dafür Sorge zu tragen, daß zu übersenden. 
gerade hinsichtlich dieses Personenkreises "auf Grund Von der Meldung ist ein Exemplar zur 
allen beim Bezitksam! vorliegenden Materials die Krankengeschichte zu nehmen.“ “ 
erforderlichen eldungen möglichst sofort ge- 
macht werden. 
Bei der Epilepsie wird mit den Meldungen möglichst „An die Heil- und Pflegeanstalten und die 
weit zu gehen sein. Es wird in allen Fällen genuine Hospitäler: 
Epilepsie als vorliegend anzusehen sein, wenn nicht Die Durchführung des Gesees zur Ver- 
klar die exogene Entstehung erwiesen ist. hütung erwtraufen Rochmuchses vom el 
Hinsichtlich der schweren körperlichen erblichen [. 1933 Teil 1 S. 529) bitte ich im 
Mißbildungen haben die Stadtärzte insbesondere, Anschluß an die Verordnung zur Ausführung 
wo wirklich schwere Leiden im Rahmen der dieses Gesees vom 5. Dezember 1933 -- RGBl. 
Krüppelvorsorge bekannt werden, darauf zu achten, 1933 Teil 1 S. 1021 -- in folgender Weise vor- 
daß Meldung tatsächlich erstattet wird und nicht etwa zunehmen. 
versehentlih von seiten der Krüpvelvorsorgestelle 1 Alle ihrer Krankheitsbezeihnung nach 
unterbleibt. unter das Gesetz fallenden, am 1. Januar 
Um die erforderliche Einheitlichkeit der Meldungen von 2934 vorhandenen und künftig ausgenomne, 
den städtischen gesundheitsvorsorgerischen Dienststellen zu darauf zu prüfen, ob Unfruchtbarmachung 
erreichen, wird angeordnet, daß alle Meldungen auf in Frage kommt " Dies find nach 81 Abs 5 
Grund des genannten Gesees vor Weiterleitung dem und 3 Ge Geseßes Kranke, die an einer der 
städtischen (nebenamtlichen) Arzt für die Eheberatungs- folgenden Krankheiten seinen: 
stelle zur gutachtlichen Äußerung vorzulegen sind. Sie 9 . 
gehen alsdann in doppelter Ausfertigung über den 1. angeborenem -Schwachsinn, 
Stadtarzt an das Hauptgesundheitsamt, eine davon -.. Schizophrenie, 
„zum Zwecke der Weiterleitung an den zuständigen „ Zirkulärem (manisch-depressivem) Irre- 
Kreisarzt“. Bei Gefahr im Verzuge kann an den Kreis- sein, 
arzt unmittelbar gemeldet werden; dem Hauptgesund- . erblicher Fallsucht, 
heitzamt ist dann Abschrift der Meldung zu übersenden. 9. erblichem Veitstanz (Huntingtonsche 
3) Die zu dem hier behandelten Gesetz an die städtischen Chorea), 
Krankenhäuser sowie an die Heil- und Pflegeanstalten 4. erblicher Blindheit, 
und die Hospitäler erlassenen Verfügungen -- Ges. VI a erblicher Taubheit, . 
1 --- erhalten folgenden Wortlaut: - schwerer erblicher körperlicher Mißbil- 
An die städtischen Krankenhäuser: 4 dung, A | 
Das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nach- schwerem oho Sis 
wuchses ist am 1. Januar 1934 in Kraft ge- 2. a) Angeborener Schwachsinn. 
treten. Nach 8 14 (Ausführungsverordnung Ist eine exogene Ursache nicht nach- 
vom Er e Reber 1953, Arsitel A ein Arzt, weisbar und auch nicht anzunehmen, jo 
e - ? 
fernung der Keimdrüsen zur Abwendung einer kann Gitte Schwachsinn „al“ angeboren 
ernsten Gefahr für das Leben oder die Gesund- Zweifelsfalle ist in. der Erbnähe I 
heit vornimmt, verpflichtet, dem zuständigen fahnden. Der Grad des Schwa fine: 
Kreisarzt binnen 3 Tagen nach Vornahme des ist b elan glos, auch leichte Formen müssen 
Eingriffs einen schriftlihen Bescheid nach Vor- unbedingt erfaßt werden. Insbesondere 
dru> zu erstatten. Ich bitte. dementsprechend müssen anti- und asoziale Individuen 
zu verfahren. n auch leichtesten intellektuellen Schwach- 
: Ferner find, ail Septranten, die vom sinns sterilisiert werden. 
. Januar ab aufgenommen werden, 
gemäß dem hierfür vorgeschriebenen Vordruck ni Maat un 2 MM Sowachsinn, mn 
dem zuständigen Kreivarzt zu „melden. Als unter allen Umständen vermieden wird, 
olche Erbkranken find anzusehen daß die Sterilisierung den Charakter 
Kranke mit einer, Strafe veto. un so weite in 
. er Be es intellektuellen wach- 
angeborenem Schwachsinn, sinns gr jassen. Allenfalls ist eine ge- 
Schizophrenie, | | wisse e Zu i>haltung gerechtfertigt, wenn 
zirkulärem (manisch-depressivem) Irresein, die Möglichkeit vorübergehender Puber- 
8. erblicher Fallsucht, tätsveränderungen im jugendlichen Alter
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.