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Volume 2. Dezember 1933

Full text: Dienstblatt des Magistrats von Berlin (Public Domain) Issue1933 (Public Domain)

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Vorstehenden Erlaß des Ministers für Wissenschaft, geschritten werden: Springen mit vorgeschriebenen Arm- 
Kunst und Volksbildung gebe ich hiermit bekannt. haltungen oder Armbewegungen, Verbinden von Gang-, 
I3.V Sprung- und Laufübungen mit akustischen Reizen, Ver- 
m wendung primitiver Schlagzeuge wie Triangel, Topfdeckel, 
Dr. Meinshausen, Be&ken, Handtrommeln, einfachen Weisen, die die Kinder 
kommissarischer Stadtschulrat. selbst pfeifen, summen, singen, Taktklats<en mit den 
Händen, klopfen. 
Mehr als auf der allgemeinen Volksschule muß auf der 
Zu UV IIC. 15434/33. Hilfsschule der Turnunterricht in engster Verbindung mit 
Richtlinien für den Turnunterricht allem anderen Unterricht stehen. Er kann 3. B. mechanische 
in den Leihevühungen in ven. Hilfssehnlen- Fühiesteiten, ame fe wehe Sheen Bn ant De 
Die Leibesübungen in der Hilfsschule haben zwei Auf- bereiten. Er kann auch einfachste Formen der späteren 
gaben. Sie müssen Zriifelätigteit vorbereiten und mecdanisierend schulen. 
1. die allgemeinen Zwede der Leibesübungen erfüllen, wie Dazu gehören 3. B. elementare Handgriffe wie Zureichen, 
sie in 5m En Richtlinien für ang Kri mis Abnehmen, Wegräumen, Ordnen, Schichten, Knoten, Lösen, 
n Volksschulen beschrieben sind, un Aufbauen, Abladen, Formen, Waschen, Tragen, Flechten, 
a sch ich sind, und Binden. Dazu gehören auch Hobeln, Sägen, Graben 
? die Eigenart der Hilfsschularbeit berücsichtigen, d. h. Mähen, Hat, Fine Hammerschlagen Den nie 
sie müssen helfen, vorhandene Fehler, auf Grund deren ' ' EEE ne nD 
das Kind der Hilfsschule zugeführt ist, auszugleichen: Wegen der sehr unterschiedlichen Körperbeschaffenheit 
durch planvolle Sinnes- und Bewegungsschulung zur und Leistungsfähigkeit der Hilfsschulkinder werden verbind- 
Vorbereitung und Unterstüzung der Geistesschulung, lihe Klassenpläne und Leistungsziele nicht aufgestellt. 
durch besondere Gestaltung der LeibeSübungen als Klassen- und Gruppenunterricht wechseln ab. Nur die 
Hilfe für die unmittelbare Lebensvorbereitung und Übungsgebiete sind umrissen. Der Lehrer hat sie nach der 
dur< Einübung von Tätigkeiten, Haltungen und Beschaffenheit seiner Schüler abzugrenzen und die Leistungs- 
Handgriffen des späteren Berufslebens. grenze der einzelnen Kinder zu beachten, um sie nicht zu 
Ie nach der körperlich-geistigen Verfassung der Hilfsschult- entmutigen. 
kinder treten entweder die allgemeinen unter 1 oder die Das „Turnen im Freien“ ist, wenn irgend möglich, 
unter 2 genannten Ziele in den Vordergrund. immer durchzuführen, um durch das Tummeln in der Luft 
und Sonne einen Ausgleich zu schaffen gegen die Schädi- 
Methodisc<e Bemerkungen. gungen durch die dumpfe und enge Umwelt und gegen die 
Grundsäßlich liegt die Eigenart der Leibesübungen in große körperliche Not, in der sich die Hilfsschulkinder aus- 
der Hilfsschule nicht jo sehr in der Art der Übungen als in nahmslos befinden. 
derjenigen des Übungsbetriebes. Unter Beachtung des Die Turnkleidung muß der guten Sitte entsprechen, 
Grundsages, daß auch im Turnunterricht der Hilfsschule gesundheitsfördernd und zwe>mäßig sein (also für Mädchen 
überait der Weg durch sinnliche Eindrü>e gehen muß, hat der Turnanzug, für Knaben und für die Unterstufen der 
Mee nehrer 05 Dem eilgemeinen Turnstoff gemäß der Mädchen die Turnhosen). Da das Hilfsschulkind so manches, 
/igenart des Hilfsschulkindes das Angemessene auszuwählen 1135 das normale Kind in der Darbietung des rein unter- 
und es heilpädagogisch anzuwenden. richtlichen Gewandes behält, nicht aufnimmt, vielmehr seine 
Besondere Fürsorge bedürfen die körperlich ganz Un- Arbeitsbereitschaft stark am Sensationellen haftet, kann 
geschiften und schwer Bewegungsgestörten. Sie werden am neben laufenden Hinweisen -- beim Turnen, Schwimmen, 
westen zu einer uenen Turngruppe zusammengefaßt und Wandern =- auf der Oberstufe auch gelegentlich die Be- 
9 nterrichtet. lehrung am lebenden Körper erfolgen. Kenntnis einfacher 
Nach den allgemeinen körperkräftigenden Übungen, vor physiologischer Vorgänge (Herz, Blutkreislauf, Atmung, 
allem den Spielen, mit denen sie zu beschäftigen sind, ist Ernährung) und das Verständnis für planvolle Körper- 
iwejerle für zutg: Übungen zur Behebung von Feh- pflege und gesunde Lebensführung sind anzubahnen. 
rn oder wächen der Sinnestätigkeit zur Beseitigun H ; : 
on Avordinationsstbrungen. BBE IR geen nber Dre 
Zu den ersteren gehören- alle Arten von Hör-, Seh- und pflege zu verbinden (Warnung vor Alkohol und Tabak). 
Tastübungen, - einzeln, in Verbindung, als Reaktions- Die einzelnen Übungen zur Körperpflege, wie Anziehen, 
Ubungen und in die Form des Spieles oder auch des Wett- Ausziehen, Körperwaschungen, Stiefelschnüren und -knöpfen, 
kampf 
Dies et Schuhanzichen und anfing: naus den Leibraubungen Der 
Für di i ngsrei ä i örperpflege und Ge ichkeit usw. ergebende Tätigkeiten 
Ziel eine je Zweiten find Ubungsreißen ausgumählen, die ais Mi Eigen und bis zur inen Fertigkeit 
ie ihe Sy sink Pantomime, Aireige, Marschier geschult und wiederholt werden. 
en oder allreize zu wählen. Für die Hilfsschüler H . 
kommen ganz besondere Aufstellungen, eigenartige Märsche Mi Auf der Mittel und Dverstufe „ind Fnuben, und 
und Laufbewegungen, viele Arbeiten, die nur auf den Reiz ädchen in den Leibesübungen getrennt zu unterrichten. 
eines Sinnes unter Ausschaltung Der anderen abgestellt sind Der Unterricht in den LeibeSsübungen muß nach Möglichkeit 
(geschlossene Augen, zugehaltene Ohren), Rückwirkungen aus i? der Hand des Klassenlehrers liegen. 
En verschiedensten Körperhaltungen und Bewegungen Der Turnunterricht auf Mittel- und Oberstufe ist für 
Grage Zallfangen mt bunten. äsen verihiehener Mädchen grundsäßlich von der Hilfsschullehrerin zu erteilen. 
äußeren Rei auf Kommondierspiele nach sann er förperliche und geistige Zustand der Hilfsschul- 
Tätigkeiten "Girtue, pr Be usw.) in Betracht, kinder verlangt eine Vermehrung der körperlichen Übungen. 
Da dich häufige Wiede lun en vesestigt werden müssen. Die tägliche Turnstunde ist daher zu erstreben. 
1 örungen Ditfosehn rn oft auf verlangsamte 4. 48an 
Reaktion zurüczuführen find, müssen Reaktionsübungen und Auf der Unterstufe kann die tägliche Turnstunde 
Zielübungen besonders gepflegt werden. Als Zielübungen gegebenenfalls nur 30 Minuten betragen. Der Rest der 
sind schon einfachste USE zu gestalten, 3. B. Stunde kann hier, wie auch besonders bei den Schwer- 
Vielgreifen, Ziellaufen, Zielhüpfen, Zielwerfen mit dem bewegungsgestörten, zu Liegekuren auf . Liegewiese und 
Ball, dem Ger, dem Ring; Schreiten und en über Sonnendach verwendet werden. Nach jeder Turnstunde 
marfierte Hindernisse wie Heden, Gräben, Gehen auf sollte im Sommer und Winter das Brausebad Anwendung 
S<Iwebestangen, Strichen, Kanten, Flu uqueren auf finden, zumal es dem größten Teil der Hilfsschulkinder die 
Bon TEE Tragen von ? ülle: "Eiern, gefüllten Zefäßen usw. einzige Möglichkeit zur planmäßigen und allseitigen Körper- 
en einfachen Übungen muß zu schwereren fort- reinigung gibt.
	        
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