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Volume 20. Dezember 1930

Full text: Dienstblatt des Magistrats von Berlin (Public Domain) Issue1930 (Public Domain)

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® 48. 
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Die öffentliche Fürsorge gewährt Hilfsbedürftigen ärztliche und zahnärztliche Behandlung, arznei- 
liche Versorgung, Brillen, Bandagen, Bäder usw. Ferner kommen u. a. in Frage: Anstaltsbehandlung; 
Kurfürsorge, Tbc.-Fürsorge, Fürsorge für Alkoholkranke und andere Rauschgiftsüchtige. 
Der Fürsorge für die Familien Erkrankter und der Fürsorge für Genesende ist besondere 
Beachtung zu schenken, da die Sorge um die Erhaltung der Familie einer Genesung entgegenwirkt 
und vorzeitige Wiederaufnahme der Arbeit bei in der Genesung begriffenen Personen Rückfälle oder gar 
vorzeitiges Siechtum zur Folge haben kann. Aufgabe der Fürsorge ist, diese Folgen durch aus- 
reichende Unterstützungen oder andere zweckdienliche Maßnahmen zu verhüten. 
$ 47.*) 
Erholungsfürsorge für erwachsene Hilfsbedürftige. 
Die Erholungsfürsorge soll solchen erwachsenen Hilfsbedürftigen zugute kommen, für die eine 
Unterbringung außerhalb ihres bisherigen Lebenskreises zur Stärkung ihrer leiblichen, geistigen und 
seelischen Kräfte notwendig ist. 
Kranke, die eine Kur in einem klinisch geleiteten Betriebe mit spezifischen Heilfaktoren brauchen, 
sind im Wege der Erholungsfürsorge nicht zu verschicken. Für diese kommt die Kurfürsorge in Frage. 
Die Erholungsfürsorge soll nur dann gewährt werden, wenn von ihr eine wesentliche Stärkung 
der Erwerbs- oder Arbeitsfähigkeit des Verschickten zu erwarten ist. 
Personen im Alter über 60 Jahre sollen im allgemeinen nicht mehr verschickt werden. 
Bei der Verschickung sind auch die nicht im Erwerbsleben stehenden Hausfrauen und Mütter zu 
berücksichtigen. 
Unter sonst der Erholungsfürsorge gleich bedürftigen Personen sind bevorzugt zu berücksichtigen: 
a) Hausfrauen und Mütter, wenn in ihrem Haushalt mehrere minderjährige Kinder vorhanden 
sind, oder wenn sie infolge längerer Pflege erwerbsunfähiger Angehöriger besonders 
erholungsbedürftig sind, 
b) Personen, die trotz starker Beschränkung ihrer Erwerbsfähigkeit unter Aufwendung 
besonderer Tatkraft einem Erwerbe nachgehen. Dies gilt besonders bei Blinden, Hirn- 
. verletzten und anderen Erwerbsbeschränkten. 
Bei der Verschickung von Hausfrauen und Müttern ist besonders darauf zu achten, daß die 
ordnungsmäßige Weiterführung des Haushalts und die pflegerische Versorgung der Kinder sicher- 
gestellt ist. 
Die Erholungsfürsorge soll in erster Reihe durch Gewährung von Beihilfen zur Beschaffung von 
Fahrkarten, Kleidung, Wäsche und dergleichen und zur Zahlung von Pflegegeld an Verwandte usw. 
ausgeübt werden. 
Sofern diese Art der Fürsorge nicht möglich ist, kann eine Unterbringung in Heimen erfolgen. 
Die Auswahl der für die Erholungsfürsorge in Betracht kommenden Hilfsbedürftigen erfolgt 
durch das Amt. 
Unterbringung in Krankenanstalten — Krankentransport — 
Die Überweisung Hilfsbedürftiger in Krankenanstalten veranlaßt der Arzt. Ist für den Transport 
eines Kranken ein Krankenwagen erforderlich, ist dieser bei dem städtischen Rettungsamt (soweit eigene 
Bezirkseinrichtungen vorhanden sind, bei diesen) zu bestellen. Eine unmittelbare Auftragserteilung an 
Privatunternehmer ist unzulässig. 
As 
Unterbringung von Geisteskranken in Anstalten. 
Die Unterbringung hilfsbedürftiger Geisteskranker erfolgt durch das Amt. 
Handelt es sich um gemeingefährliche Geisteskranke, bei deren längerem Verbleib in 
der Wohnung und unter Menschen Gefährdung ihrer eigenen Person oder ihrer Umgebung zu befürchten 
ist, so ist in erster Linie ebenfalls das Amt zur Veranlassung des Erforderlichen zu benachrichtigen. 
Nur soweit dies wegen der besonderen Dringlichkeit im Einzelfalle nicht möglich ist, ist die Polizei- 
behörde von der Kommission unmittelbar zu ersuchen, die Überführung in eine Anstalt zu veranlassen. 
In diesen Fällen ist eine nachträgliche Benachrichtigung des Amts erforderlich. 
Ss 50. 
Hospitäler — Altersheime, 
Bei der Unterbringung von Bedürftigen in Hospitälern und Altersheimen beschränkt sich die 
Tätigkeit der Kommission auf die Prüfung der Verhältnisse des Fürsorgesuchenden und auf die Über- 
En RUCh, dal erforderlichen Anträge an das Amt. Erscheint die Unterbringung in einer Anstalt so 
dring‘ daß damit nicht bis zur Sitzung der Kommission gewartet werden kann, so ist der Antrag 
von dem Vorsteher ohne Kommissionsbeschluß dem Amt zuzuleiten. 
Für die Aufnahme in ein Hospital kommen nur solche chronisch Kranken oder hochgradig 
Gebrechlichen in Frage, deren Leiden oder Zustand ständige Pflege, Wartung und ärztliche Über- 
wachung in einer Anstalt verlangt. 
 *) Ob und in welchem Umfange die Kommissionen bei der Durchführung der Erholungsfürsorge
	        
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