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Volume 26. November 1927

Full text: Dienstblatt des Magistrats von Berlin (Public Domain) Issue1927 (Public Domain)

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I. A. 
zu tragen. Die entsprechenden Leistungen der Beratungs- zustellen. Dies ist besonders wichtig, wenn in den leizten 
stellen sind kostenlos. Die angeordnete Beobachtung soll 5 Jahren eine Syphilis überstanden worden ist. Es ist in 
ein Jahr nach Beendigung der letzten Gonorrhoe-Erkrankung diesen Fällen dringende Aufgabe der Beratungsstelle, mit 
dauern. Sie verlängert sich entsprechend, wenn während der den Mitteln der Fürsorge (Aufklärung, Hausbesuche) sicher- 
Beobachtungszeit erneut Gonokokken nachgewiesen werden. zustellen, daß die betreffende Person sich in angemessenen 
Den in Frage kommenden Personen ist nachfolgender Vor- Abständen von einem Arzte untersuchen läßt bzw. die 
dru> (Muster 1) verschlossen in einem Umschlag zu über- erforderlichen Wiederholungskuren durchführt. Es ist aber 
senden, aus dem die absendende Dienststelle nicht erkenn- sorgfältig darauf zu achten, daß hierbei jeder nachteilige Ein- 
bar ist. Dem Schreiben ist ein Umschlag, der mit der An- griff in das Privatleben und jede an eine Präventivkontrolle 
schrift der auffordernden Stelle versehen und freigemacht erinnernde Maßnahme sorgfältig vermieden wird. 
sein soll, beizufügen. In dem leztgenannten Umschlag, der Von der Forderung der Beibringung weiterer Gesund- 
unverschlossen bleiben soll, ist nachstehender Vordru> zu heitszeugnisse kann in den Fällen zu 1 und 2 bis auf weiteres 
legen (Muster 11). Der Eingang dieses Formulars ist bei abgesehen werden. 
der Beratungsstelle kartothekmäßig zu kontrollieren. Wird 3. Bestätigt das Gesundheitszeugnis den Krankheits- 
der zur Einsendung festgesezte Termin überschritten, so ist verdacht, so hat die Beratungsstelle im Benehmen mit dem 
der Aufgeforderte mittels Besuchs eines Fürsorgers oder der untersuchenden Arzte zutreffendenfalls unter Einschaltung der 
Fürsorgerin zu erinnern. Bleibt auch die Erinnerung frucht- Gesundheitsbehörde die erforderlichen Maßnahmen zur 
(os, so soll die Gesundheitsbehörde, falls im Einzelfalle nichts Sicherstellung der Behandlung und zur Vermeidung der 
anderes erforderlich, anordnen, daß die Beobachtung in der Weiterverbreitung der Krankheit nach Lage des Einzelfalles 
zuständigen Beratungsstelle (Dienstblatt Teil VII Nr. 133/11h zu treffen. | 
Abs. 3) stattfindet. Dem Betroffenen ist hiervon Mitteilung 4. Ferner wird unter Bezugnahme auf die angezogene 
zu machen. Die Durchführung der Beobachtung ist mittels Dienstblattverfügung 1, 3 bestimmt, daß sämtliche Beratungs- 
der nach dem Geseze zulässigen Maßnahmen sicherzustellen. stellen der Bezirksämter, auf die die Funktionen einer Ge- 
Erklärt sich die betreffende Person nachträglich bereit, sich der jundheitsbehörde delegiert sind, sowie die Beratungsstelle 
Beobachtung durch) einen Facharzt freiwillig zu unterstellen Dir&senstraße in jedem Falle, in dem die Beratungsstelle 
und weist diesen Facharzt nach, so kann die Gesundheits- bzw. die Gesundheitsbehörde gegenüber einer Rerson eine 
behörde die Anordnung der Beobachtung in der Beratungs- gesetzliche Maßnahme ergreift, ein Kartothekblatt nach bereits 
stelle wieder aufheben. übersandtem Muster anzulegen ist und zur Zentralkartei des 
Sofern das oben angegebene Formular rechtzeitig ein- Hauptgesundheits5amtes umgehend eine Meldung nach nach- 
gesandt wird, soll die zuständige Beratungsstelle dem ein- stehendem Muster (Muster 1V) erstattet werden muß. 
jendenden Arzte in geeigneter Weise über die Art der ver- 5. Im übrigen bitten wir bis spätestens 1. De- 
muteten Erfranfung aufklären, ihm Mitteilung darüber zember 1927 um Mitteilung, daß aus der Uebernahme der 
machen wie lange die Beobachtung fortzusetzen ist und ihm bisher tätigen Prostituierten folgende Maßnahmen gemäß 
darüber informieren, nach welchen Gesichtspunkten die Be- der angezogenen Dienstblattverfügung bzw. der vorstehenden 
obachtung durchgeführt werden soll. Als erforderlich für Verfügung zum Abschluß gelangt sind bzw. sämtliche Fälle, 
eine Beobachtung wird im allgemeinen anzusehen sein, daß bei denen nach Anwendung des vorgeschriebenen Verfahrens 
sic) die betreffende Person mindestens alle 4 Wochen dem 25 nicht gelang, das Gesundheitszeugnis zu erhalten bzw. die 
Arzte vorstellt (Frauen möglichst post menses). Soweit der erforderliche Behandlung bzw. laufende Beobachtung durch- 
beobachtende Arzt im Einzelfalle einen längeren Unter- zusetzen, die Inanspruchnahme der örtlichen Polizeibehörde 
suchungszwischenraum für angemessen hält, soll er dies auf gemäß angezogener Verfügung 11 v Abs. 2 erfolgt ist. 
dem Abschnitt des von ihm in jedem Falle auszuhändigenden Die Zuweisung entsprechender Mittel für fürsorgerische 
Merkblattes ausdrüclich vermerken. Der leitende Arzt der Maßnahmen (vorbeugende, ambulatorische) und stationäre 
Beratungsftelle soll sich in angemessenen Abständen davon Behandlung, Kosten für Attestbeschaffung ist bereits ver- 
überzeugen, ob die Ueberwachung auch andauert (Ter- anlaßt. Mehrbedarf ist unter Beifügung, von Unterlagen 
minierung in Kartothek). hein Hrupigesunbheitamt anzumelden : 9 Unt 
2. Wenn nach dem Gesundheitszeugnis oder der Unter- in berichtigtes Verzeichnis der Beratungs“ und Inter- 
juchung der Beratungsstelle fich der Krankhoit<verdacht nicht suchungsstellen wird untenstehend bekanntgegeben. 
bestätigt hat und der Fall zu 1 nicht vorliegt, ist zunächst ; i I i haoili 
von der Anordnung einer laufenden Beobachtung abzusehen, Ben ende Bestimmungen 13 18 u 18.26 nd 
doch ist auch in diesem Falle den betreffenden Personen den zentral verwalteten Krankenhäusern und Kranken- 
nahezulegen, sich in angemessenen Abständen zur Unter- stationen, ferner dem Landeswohlfahrts5amt =- Abt. All- 
suchung vorzustellen. Zu diejem Zwecke ist ihnen nach- gemeine Wohlfahrt =- zur Kenntnis. 
stehendes Schreiben (Muster 17) zu übergeben oder zu über- 
senden. An die Bezirksämter 7, 8, 11, 14 und 17 und die städtische 
Es ist Kufgave der Fürsorgestelle, für diesen Personen- Beratungsstelle für Geschlechtskranfheiten, Dir>sen- 
kreis durc< die Mittel der Fürsorge, das Erforderliche sicher- straße 18. 
An Adressat! Muster 1. 
Hierdurch bestätigen wir Ihnen den Eingang Ihres Gesundheitszeugnisses vom ....................... 
Wir halten es in Ihrem dringenden persönlichen Interesse*) für notwendig, daß Sie sich in regelmäßigen. 
Abständen von einem Facharzt für Haut-, Geschlechts-, oder Frauenkrankheiten untersuchen lassen (Beob- 
achtung im Sinne des 8 9 des Reichsgesezes zur Bekämpfung der Geschlechtskfrankheiten vom 18. Februar 1927.) 
Hierfür stehen Ihnen d'e städtischen Beratungsstellen kostenlos zur Verfügung. Sie sind aber auch berechtigt, sich 
auf Ihre Fosten der Beobachtung bei einem andern Facharzt für Haut-, Geschlechts» oder Frauenkrankheiten 
zu unterstellen. 
Wir fordern Sie auf Grund des oben erwähnten Gesetzes auf, sich umgehend einer solchen, fort- 
laufenden ärztlichen Untersuchung zu unterstellen. 
Wir bitten, die Beratungsstelle oder den Facharzt für Haut-, Geschlechts- oder Frauenkrankheiten, 
dessen Beobachtung sie sich unterstellen, zu veranlassen, uns -- zur Vermeidung von Scwierigkeiten für 
Sie selbst --, umgehend das in beiliegendem Umschlag befindliche Formular spätestens bis zum ............... 
; ausgefüllt zurüFzusenden. 
| Wir bitten Sie davon Fenntnie zu nehmen, daß die Beratungsstelle oder der Facharzt für Haut-, 
. Geschlechts- oder Frauenkcankheiten, dessen Beobachtung sie sich unterstellen, verpflichtet sind, Sie der Ge- 
sundheitsbehörde zu melden, wenn Sie sich der Beobachtung entziehen, ohne nachzuweisen, daß Sie in 
y anderweitige Beopachtung getreten sind. 
- Einspruch gegen dieses Schreiben kann jederzeit erhoben werden. -Der Einspruch ist mit Begründung 
7 an die Gesundheitsbehörde (Hauptgesundheits5amt und Bezirksgesundheitsämter Charlottenburg, Schöneberg, 
L Neukölln, Spandau und Lichtenberg) einzureichen. 
%- 
*) 'Abdru> des 8 5 des Reichsgeseßes.
	        
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