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Einleitung III. Das Berliner Bürgerrecht bis zum Jahre 1709

Full text: Die Bürgerbücher und die Bürgerprotokollbücher Berlins von 1701 - 1750 / Kaeber, Ernst (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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Das Berliner Bürgerrecht bis zum Jahre 1709 
Wortlaut geht indessen nicht klar hervor, ob Boldike und Hentze noch 
Altsassen zu Lichtenberg und außerdem Berliner Bürger waren, oder 
ob sie nur als ehemalige Lichtenberger Altsassen bezeichnet werden 
— liegende. Damit 
entfiele der einzige Anhaltspunkt für das Vorhandensein von Berliner 
Pfahlbürgern. 
Gegen die Einräumung des Bürgerrechts an Ausländer, die 
nicht ihr bisheriges Bürgerrecht aufgesagt und sich in der von ihnen 
erwählten Stadt der Mark „auf gewöhnliche Pflicht“ häuslich nieder— 
gelassen hatten, waren die Städte in ihren Beschwerden vom 17. 8. 1549 
aufgetreten. Der ihnen erteilte kurfürstliche Bescheid gewährte die Bitte 
fast mit den gleichen Worten?“). 
Wie der Rat die Verpflichteten in den älteren Jahrhunderten zum 
Erwerb der Bürgerschaft angehalten hat, wissen wir nicht. Aus der in 
einzelnen Jahren auffallend geringen Zahl von Einbürgerungen (z. B. 
1485, 92, 95, 96, 1501, 02) könnte man schließen, daß die Aufsicht nicht 
immer sehr streng war, während das Umgekehrte in den Jahren mit 
vielen Reubürgern der Fall gewesen sein mag (1455, 60, 79, 1518, 27, 
38, 60). Das schon besprochene Fehlen zahlreicher Persönlichkeiten, die 
in anderen Quellen als Bürger bezeichnet werden oder nach ihrem Be— 
ruf hätten Bürger werden müssen?“), läßt ein recht mangelhaftes Durch— 
greifen des Rates vermuten. 
In der 2. Hälfte des 16. Jahrh.s schritt der Landesherr gegen die 
Bummelei des Rats ein. Am 30. 11. 1574 erinnerte Kurfürst Johann 
Beorg den Rat daran, daß er bereits mannigfaltige ernsthafte Pönal- 
mandate gegen diejenigen erlassen habe, „so sich gleich andern eurn 
Burgern und Einwohnern zu Ungebure alle burgerliche Nahrung, Ham 
del und Wandel zu treiben understehen und noch das Burgerrecht nicht 
gewunnen, auch sich dasselbe zu tuende weigerten“. Der Rat habe diese 
Befehle nicht ausgeführt, obgleich ihm doch gebührte, darauf zu sehen, 
den Bürgern nicht durch andere ,das Brot vorm Maule wegk zu rapfen 
und schneiden zu lassen“. Bei einer Pön von 500 Tlr. solle der Rat 
die Säumigen zu ihrer Pflicht anhalten und den sich Weigernden alle 
bürgerliche Nahrung verbieten“). Aus dem Betreiben einer bürger— 
lichen Nahrung“ folgt demnach, abgesehen von dem Besitz eines bürger— 
lichen Hauses — dieses im Gegensatz zum Freihaus — die Ver— 
pflichtung zum Erwerb des Bürgerrechtsey. Erst die 
ꝛes) Friedensburg a. a. O. Bd. J, S. 438 u. 511f 
ꝛoo) Vgl. o. S. 17*ff. 
uo) Dieser und der folgende Befehl Joachim Friedrichs von 1599 St.A., Bürger— 
rechtssachen Gen. Nr. 1, Bd.1, Bl. Iff. 
ꝛui) Die gleiche Definition gibt schon 1516 der Frankfurter Stadtschreiber Teym— 
ler: eyn izlicher frembder, auch ein junge borgers sone, der sich beweibet alhier. der 
mus syn vorgerrecht gewinnen, dieweil' er fich alhier gedenket zu nheren. Riedel 
A. XXIII, S. 396.
	        
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