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Einleitung IV. Das Bürgerrecht von 1709-1750

Full text: Die Bürgerbücher und die Bürgerprotokollbücher Berlins von 1701 - 1750 / Kaeber, Ernst (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

Das Bürgerrecht von 1700 - 1750 
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nicht mehr. Ehemalige Gutsuntertanen hatten, wie dies schon im 
16. Jahrh. vorgeschrieben worden war, ihre Freiheit durch einen Schein 
ihrer Obrigkeit nachzuweisen, falls sie nicht selbst ein Attest vorlegten“). 
Immer ist indessen nicht so streng versahren worden. Dem Brauer 
Schlicht, der Untertan des Majors v. Löben war, wurde bei seiner 
ersien Bernehmung aufgegeben, seine Entlassung zu besorgen; er wurde 
dann jedoch ohne diese aufgenommen (31. 8. 36). Ebenso am 10. 8. 45 
ein Fuhrmann, der erklärte, künftig das Gut seines Vaters übernehmen 
J müssen. Da im übrigen zaählreiche Bauern- und Kossätensöhne 
ürger oder Schutzv. gewoörden sind, ohne daß in den Prot. ihr Ver—⸗ 
hältnis zu ihrer früheren Gutsherrschaft erörtert wurde, scheint die 
Praxis eine ziemlich weitherzige gewesen zu sein. Darauf weist auch 
eine Verfügung der Kriegs- und Domänenkammer vom 24. 3. 1749 
hin. In ihr wird dem Magistrat aufgegeben, künftig „die Amts— 
uͤntertanen nicht so indistincte ohne Vorzeigung eines Attestes und 
Loslassungsscheines zu Bürgern anzunehmen“ oder bei Bürgern Dienst 
nehmen zu lassen, sondern sich nach der Gesindeordnung zu richten. 
Der Magistrat hat sich das käum sehr zu Herzen genommen“). 
Wie groß die Anziehungskraft der Residenz auf die Dorfbewoh— 
ner war, geht aus dem Bericht des Amtsrats Fleischmann in Lebus 
hervor, der die Verfügung der Kammer verursacht hatte. Vor 10 oder 
11 Jahren war ein Ämtsuntertan entlaufen und hatte sich in Berlin 
als Brauerknecht vermietet. Drei seiner Geschwister und verschiedene 
andere Untertanen, deren Aufenhtalt unbekannt war, waren ihm ge⸗ 
folgt. „Dergleichen desertiones nach Berlin nehmen um so mehr tag— 
läglich überhand, weil die austretenden Untertanen schon versichert 
sind, daß sie daselbst so leichte nicht aufgefunden und ausgeliefert wer⸗ 
den können“. 
Voraussetzung für das Bürgerrecht Berlins war ferner ein Wohn⸗ 
sitz in der Städt. Es wurde daher dem Eisenhändler Fuchs aus 
Brotterode versagt, weil er in Berlin bei einem Riemermeister nur ein 
Engroslager unterhielt, aus dem er seine Kunden, Zirkelschmiede und 
Eisenkrämer, belieferte. Fuchs selbst hatte sich am 23. 6. 42, darum 
beworben, „um seinen Handel besser exerzieren zu können“. Die 
Praxis war hier indessen nicht eindeutig. So war am 3. 1. 1733 dem 
Tuchmacher Seydel, der seit 15 Jahren Bürger und Meister in Rothen⸗ 
hurg war, aber viel Verkehr mit dem Lagerhaus hatte, das Berliner 
Bürgerrecht für nur 1 Thr. bewilligt worden, Der Stettiner Bürger 
und Kaufmann Brodhagen, der nach seiner Erklärung vom 5. 8. 45 
auu) 30. 3. 30; 15. 5. 34; 31. 8. 36; 6. 6. 44; 20. 11. 46 Gärtner Herbst. Für diesen, 
der noch nicht völlig freigegeben war, sollte der Stadtsekretär ein Schreiben an seine 
Gutsherrschaft aufsetzen. Er ist nicht Bürger geworden. Aus der Untertänigkeit in 
die Libertät gesetzt“ war der Fuhrmann Kupisch aus Bornsdorf durch seinen Erb⸗ 
herrn, den Geh Rat v. Arnim Ihm hatte sein späterer Brotgeber. der verstorbene 
Kaufmann Woitke, Pferde und Wagen vermacht (15. 5. 34). 
uus) Darauf läßt die Notiz zu der Verfügung schließen, daß diese Sache nicht vor 
3 Magistrat, sondern vor das Gesindeamt gehöre. Vürgerrechtsakten Bd. III, 
Bl. 23ff.
	        
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