Path:

Full text: Die ältesten Berliner Kämmereirechnungen 1504 - 1508 / Girgensohn, Josef (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

5. Die Urjachen des Finanzzufammenbruchs. 
197 
legten Legaten und Münbdelgeldern!) und ferner aus neuen Anleihen zujammens 
jegen fönnte, 
Der Lömwenanteil an diefen ftäbttfhen Schulden käme aljo auf da8 Konto 
der Mißwirtjhaft Joachims II, und damit wäre, wa8 in der Literatur über die 
märftihen Stäbte immer behauptet wirb, für Berlin ziemlich einleuchtend gemacht, 
baß nämlich der Verfall der Stabtkafje in der zweiten Hälfte des fehzehnten 
Sahrhundert8 eine Folge der borher geübten Finanzgebahrung des Landesherrn war. 
b) Die Kaffenführung durch Thomas Matthias und der Streit mit feinen Erben. 
Daneben Iagen auch in der Berliner Verwaltung Gründe für bden 
finanziellen Zufammenbruch der Stadt. Die NRatSherren heinen nit immer mit 
der Umfiht und der Treue ihre8 Amtes gewaltet zu Haben, bie Ihnen Ihre 
Chrenftelung innerhalb der Bürgerfchaft zur Pflicht machte, 
Ein Name taucht immer wieder auf, wenn Berlin8 Schuldenlaft erwähnt 
wird: der des Bürgermetfters Thomas Matthia8. Ale Denkjhriften des Rates 
an den Kurfürften oder feine Beamten gehen von dem finanzielen Zuftande der 
Stadt nach dem 1576 erfolgten Tode Matthias’ aus?) In die Verhältniffe zu 
jetnen Lebzeiten wird nicht Hineingeleuchtet; für fie fühlte fidz niemand verantwortz 
li. Mit der unerfreulihen Schuldenerbjhaft dagegen mußte al? mit etwas für 
den neuen Rat Gegebenem gerechnet werden. Unwillfürlih drängt fich da die 
Annahme auf, daß durch die ewigen Wiederholungen ein Urteil gefällt werden Jo 
über den Mann, deffen Rolle in der Finanzpolitik Joachim8 II bt8 Heute noch 
at völltg geklärt Hit, und defjen Schuld trog der rechtfertigenden Unterfuchung ®) 
nad Johann SGeorg3 Regierungsanitritt feinen Bettgenofjen nicht al8 fledenloS er= 
ichienen fein mag. „Semper aliquid haeret.“ Das Aktenmatertal über den Streit 
der Stadt mit den Erben des berftorbenen Bürgermeifter8 Geftärkt folhe Ver: 
mufungen, zeigt zumindeft, daß Thomas Matthias zwijchen feinen privaten Geld: 
Ingelegenheiten und denen der Stadt nit die firenge Orenze gezogen hatte, die 
% unbebingt einhalten mußte, um frei von Vorwürfen das Höchfte ftäbttjihe Amt 
berlaffen zu Können. 
Die Reihe der oben erwähnten Bittjhriften des RNatesS wurde bekanntlich mit 
einem Schreiben au dem Sahre 1577 eingeleitet, dem eine Verordnung beigelegt 
war, welde im Namen des Kurfürften erlaffen werden follte.*) In diefer wurde 
gejagt, daß fich die großen Laften, die auf dem Berliner Rathaufe ruhten, auf 
gentümlihe Weife vermehrt Hätten, indem perfönlihe Schulden mit den öffent» 
üchen bverquict worden jeten, 5) fodaß die Stadt nun für ihr. nicht zukommende 
Berpflichtungen einzelner Bürger einftehen müßte.®) Der neue Nat, der die Ver- 
Aus dem Zinfenregifter von 1577 Iafjen fidH etwa 5876 Tlr fejtftellen. 
Die eben erwähnte Aufzeichnung ausgenommen! 
, Droyfen a. a. D., Bd. II, €. 455. — Golge, Lambert Diftelmeker, (Schriften 
32 [1895], S. 46). 
‘) Val. oben S. 181 f. 
*) Geb. St.-M., Rep, 21, Nr. 23a, 1577, 30. Muguft: „DaS da rathauZ unier ftadt 
Berlin von ewern vorfahrenn mit großen fchulden beichwerett morden, ... da3 Ddiejelben 
idulde zum tHeil fjeltzam zuhauffe gefihlagenn . .. aud vletcht jonderbahre berfohnen jhuldt 
under des raths nahmen vorfichert wurden.“ 
°) Gier findet fih alfo einmal die Umkehrung des fonft übliden VBerfahrenS der Haft- 
barteit jedes einzelnen Bürger8 für die Schulden feiner Stadt (vgl. Ku8te a. a. D., S. 15 f.; 
Antipping, Schuwldenwejen d. Stadt Köln, S. 384: Sbieker a. a. D., S. 161).
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.