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Full text: Die ältesten Berliner Kämmereirechnungen 1504 - 1508 / Girgensohn, Josef (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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II. DaZ Berliner Kafjen: und Schuldenwejen. 
Aus dem undatierten, In daS Jahr 1584 verwiejenen Entwurf von der Hand 
e8 Unterftabtihreibers Hieronymus Schmidt!) läßt fihH die Öletchlegung von 
Außenftänden und Schulden deutlich Herauslejen. . Dort wurde von einem Vermögen 
yon 132000 Talern gefprochen, das die Stadt unter den Bürgermetjtern Thomas 
Matthias und Baltin Döring befefjen Haben folte. Diejes Vermögen war nicht 
in bar vorhanden gewejen, fondern beftand in Forderungen Berlins, In „IOHulden 
ufm Haufe“. Das waren fiherlih Kurfürftiltche Schulden, denn 1573 hat fie „die 
(andjchafft zu bebalen angenommen“ und „ins Biergeld gefhlagen“, Bekanntlid 
wurde die Abtragung der Hinterlafjenen Schulden Joachim3 II. in diejem Jahre 
auf Joldhe Art eingeleitet. Wie der Berliner StadtjHreiber berichtet, wurden 
dadurch vom Kapital des Rate8 70129 Taler getilgt. 
Das Hit aber unverftändlich, denn Berlinz AYußenftände können doch nicht er- 
(öjdhen, weil eine andere Stelle — Hier die Neubiergeldkaffe — die Bezahlung 
übernehmen will oder joll, alfo nur der Schuldner wechjelt. Die tatjächlihe Bes 
zaflung Ddiefer Summe wird nämlich nicht berichtet, {ft au auß Feiner Quelle 
nachweisbar. In einem andern Lichte erfcheint jedoch die Angabe des Entwurfs, 
wenn angenommen wird, daß dem befagten Vermögen — den „JHlden ufın 
Haufe‘ — dafür eingegangene Verpflichtungen an andere Gläubiger ent{predhen. 
Dann bedeutet Übernahme der „Schulden an die Stadt“ Eintreten in die {tädtijhen 
Berpflidhtungen, wofür naturgemäß die entfpredhenden {ftädtlichen Forderungen 
geftrihen wurden, In unjerm Fall eben 70129 Taler. 
Von dem der Stadt verbleibenden BermögenSreft von 61871 Talern wird aus 
brüctih berichtet, daß der Mat etliche feiner Gläubiger daran verwiefen, alfo eine 
Übertragung feiner Forderungen an feine Gläubiger vorgenommen Hat. Damit 
hat er nur da3 getan, wa8 joeben von un8 auf @rund der Angaben des Entwurfs 
der LandjehHaft unterftellt worden ift. 
Der Entwurf befagt weiter, daß Berlin den dann noch vorhandenen Teil 
jeine8 Vermögens in bar erhalten Hat. Au8 diefer Bemerkung läßt fiH zumindeli 
auf eine nicht ungünfiige Finanzlage der Stadt um die Mitte der fiebztger Jahre 
jehließen; denn der Kapitalbefig fHheint die Anforderungen der Gläubiger über 
wogen zu Haben. AWber zu folden Folgerungen jtehen die bekannten Tatjachen in 
frafjem Gegenjag. Warum Hat dann die Stadt am Anfang des Yahrzehntz ihren 
Zinfendienft eingeftellt, ma8 die Supplikationen melden und daS Zinfenregifter von 
1577 im einzelnen beweift? Und wie können 1577 plöglih 67177 Taler auf 
dem Rathaus loften, dem noch innerhalb der Ießten vier Jahre Barzahlungen 3W 
gewendet werben KLonnten? Demnach Hätte ja Berlin in diefem kurzen Zeitraum 
bie ungeheure Summe von 70129 + 61871 + 67177 Falern, alfo rund 
200000 Taler verwirtfchaftet! 
Sprechen wir dagegen das nach Behebung der 70129 Taler verbleibende 
nicht abgelöfte Vermögen von 61871 Talern al8 das an, was e8 durch Nidt 
bezahlung von Kurfürftlicher oder ftändifjdher Sette tatfächlih wurde, al8 ratsherrt- 
liche Schulden, fo 1äßt fi leicht eine annähernde Übereinftimmung mit der in den 
Bittfchriften des Rates Immer wieder genannten Schuldenjumme erzielen, [elf 
bann noch, wenn wir die Barrückzahlungen in Höhe von 2716 Falern beachten. 
Bwijden dem „Vermögen“ nach 1573 und den Schulden von 1577 befteht danı 
nur noch ein Unterichted bon 8022 Talern, der fichH au bei der Stadt Hinter 
\ RNal. oben S. 187.
	        
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