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Full text: Die ältesten Berliner Kämmereirechnungen 1504 - 1508 / Girgensohn, Josef (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

4. Die Berliner Schulden und der Bufammenbruch der Stabdtlafje, 185 
Das waren rund 16500 Taler oder über die Hälfte mehr al8 fi auß der zuvor 
dargetanen Rechnung ergaben.!) Bet den 12890 IUlr 18 jg 6 pf Vermögen 
wurde noch trübe bemerkt: „Ronnen aber der bet inen (d. 9. „den von Städten“, 
dem Städtelaften) nicht mechtig werben,?) weil fie in grofier ungelegenheitt 
ltedden.“3) Damit wurde die Greifbarkeit diejer Gelder verneint und fomit der 
Schuldenftand um die gleiche Summe von 12890 Talerr erhöht. 
Doch das Maß des Unglids war nod) nicht voll. Bisher wurden die Zing- 
fetftungen Berlin8, vor allem die 1577 mit den Gläubigern vereinbarten Tilgungen 
der alten Zinjen, aus Schuldenabzahlungen von jeiten der Landjhaft*) und rücz 
Itändigen Schoßleiftungen einzelner Bürger beftritten. Weil diefe Bahlungen aber 
ab 1582 wegfielen, da fie erledigt waren, fah fih der Rat gezwungen, wie e8 
aud) das Binfjenregtjter von 1577 erwetft, von jener Vereinbarung abzuftehen 
und jogar mit 800 Taler laufenden Binjen im Rückftand zu bleiben. Für 1583 
war der Zuftand noch ungünftiger, denn den Binsanforderungen von etwa 
2732 Talern fonnte man nur 127 73x 131g Überfchuß aus dem „ordentlichen Haushalt“ 
gegenüberftellen, fodaß etwa 1500 Taler Binfenlaft ungededt bleiben mußten. Wie 
bet der Kapttaljhuldenberechnung für 1583 brachte die Supplifation au für den 
8infenfehlbetrag andere, und zwar unangenehmere Ergebniffe, al8 die voranftehende 
YUufrehnung erlennen ließ. Der Rat errechnete nämlich 2000 Taler, die rücjtändig 
Bleiben mußten. „Unnd weil die herren in dem 83 jar fih gar nichts an 
wacdhenden jHulden mehr zugetroffen, al werden fie die zinfenn faft uff 2000 taler 
nit erreichen Ionnen.“ Wieder fHhrecten die Holgen diejfer Geldnot. „Weil 
der fetger gar außgelauffen und nicht mbher zu Hoffen, werden die gleubiger, 
weil fie ben richtigen zinß nicht bethommen, ufwacdhen unnd endlich nichtS gutie8 
erfolgen, wo ferne dem Haufe nicht gerathen.“ Die Lage Hatte {ih aljo aber 
mal® Bbebeutend verjchlechtert. 1581 war man durch eine nicht zurücdgezahlte 
Kapttaljhuld in Not geraten. Seßt konnte man nicht einmal die Zinfenfhulden 
begleichen. Die bisherigen Erfahrungen Hatten gelehrt, daß vom Landesherın 
nicht getan wurde, um dem Übel abzuhelfen, weder dur Mat noch durch Tat. 
Daher unternahm man e8 denn jelbit, areifbare Borichläge zu machen, 5) die darauf 
„...') Diefe Schulden, die Berlin fo unerträglich jand, entiprachen durhau3 denen anderer 
märtticher Städte, €E3 maren belaftet: Frankfurt a. OD. (Mitte de3 16. Vahrhundert3) mit 
53978 Zlr + 1827 fl (vgl. Spieker a. a. D., S. 160 f); Stendal (1571) mit 66546 fl (vgl. 
$5ße a. a. O., S. 400); Tangermünde (1611) nur mit etwa 18000 ff (nad): „Tangermünder 
Kämmereirehnung“ im 22. Yahresber. des altmärk. Gejcdh.-Bereins, S. 84—86, und Rofen- 
dorf a. a. ©., S. 105). Glänzend {ind dagegen Prenzlaus VBerhältniye (1569): 21551 fl 
Schulden ftehen gegenüber 22726 fl Vermögen (val. Sedt a. a. O., Bd. II, S. 63/64). 
. ?) Der Rat von Hildesheim mußte 1343 bezüglich feines Vermögens heim Bılchof eine 
ähnliche Feftitellung machen (Huber a. a. O., S. 139). 
®) Demnach {heint fich 1583 die Unküundbarkeit der Anlagen für Berlin doc) auzZgewirft 
u Haben. Die Hilfsgeldrechhnungen des Schoßtaftenz enthalten auch für dieje& Yahr keine 
„Autüdgezahlten‘“ Summen, während fie zwijchen 1578 und 1586 dauernd Nüdgaben verzeichnen. 
*) Bon welcher Stelle die Bahlungen erfolgten, ft aus den Rechnungen nicht erfichtlich. 
Au ihre Höhe kann nicht nachgeprüft werden. Nach der Supplikatton win der Rat von 
1577—82 embfangen haben: 15574 Tir 4 ig 3 pf. Aus den Hilfsgeldredhnungen (St.=AN., 
C. 4a, 18—23) den Biergeldredhnungen (St.=A., C. 34, 8—10) und den Retardatenangaben 
der Schoßabrechnung von 1586 (B. A. Schoßreg. Berlin, Vol. I) laffen id nur inzgejamt 
10333 Zir errechnen. Dabei find noch fämtliche verzeichneten Schokretardate al8 abgezahlt 
angenommen worden. 
°) „Soll num daß gange werfh nicht fteden bleibenn, jondern wo immer muglichen dem 
(geholfen) werdenn, mirdtt mahn uf wege verdacht jein mukßen, daß da3 hauk mitt einer 
jämma benhomnmen merde “
	        
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