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Full text: Die ältesten Berliner Kämmereirechnungen 1504 - 1508 / Girgensohn, Josef (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

3. DaS Kreditwerk und die märfifjden Städte, 
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anderem Wege Kenntnt3 über die wirt{dHaftlichen Verhältnifie berfhaffen, 1) — Yan 
fat in der Mark Brandenburg zu biejfem Steuerverfahren mwahricheinlih deshalb 
gegriffen, weil e8& dem Gerklommen und der Technik jener Zeit entjprad. 
Durch die Indirelte und die direkte DBeftenerung — da8 Neue Biergeld 
und die Schoffe — hatten die Städte gehofft, fhrer al8 Selbftichuldner über: 
nommenen Verpflichtungen des Kurfürften Herr zu werden. Leider beging man den 
Sehler, die Einnahmen zu hoch anzufhlagen. Die ordentlichen Steuereinnahmen 
reichten nicht aus, die Zinfenlaft, die man zu bezahlen hatte, zu deden. Die Holge 
war, daß man, um den Kündigungen gerecht werden zu können und um Öletch= 
gewicht in der Kaffenführung zu erzielen, Unlethen madjen mußte, durch deren 
Berzinfung die wirtfchaftliHe Lage der Kaffen natürlidh nur noch berfchltmmert 
und eine innere Ausgleihung von Einnahmen und Ausgaben immer unmöglicher wurde. ?) 
Die Geldgeber der Neubtergeldkaffe waren unter allen Ständen zu finden. 
In die Ritterfhaftsfaffen, die „Hufenfhoßkafjen“, welche verhältnt&mäßig am voll- 
fommenften ihrer Aufgabe Herr werden konnten, legte bornehmlidh der Adel feine 
Barfummen.?) Die Stäbtekaffen waren naturgemäß die bevorzugten Kreditanktalten 
des Bürgertums.4) 
Unter den Gläubigern der Stäbdteläften) nahmen die Ihnen zugehörenden 
Städte zwangSwetje die erfte Stelle ein. Ste mußten einzahlen, wenn fih, um 
Tilgungen zu ermöglichen, andere Geldgeber nicht fanden, bekamen dann aber die 
aufgebrachten Summen wie jeder andere Gläubiger des Städtekaftens verzinft.) 
So finden wir denn regelmäßtg in den Hausrechnungen der Städte al8 Ein- 
nahmen, in den SahHrredhnungen des Städtekaften8 al8 Ausgaben gebucht, 
„Binjen, die die Städte von den alten und neuen Anlagen abgezogen“. Unter 
den „Anlagen“ haben wir die Summen zu berftehen, welche der Städtekaften von 
den ratshäuslidHen Stellen al8 Kapttalten aufgenommen Hatte. Sofern fie „Bor- 
lagen“ waren, b, 5. Vorfchüffe, wurden fie metften8 bet den nächften Schoßfzahlungen 
einbehalten und verjhwanden fomit aus den Rechnungen, AB Anlagen jedoch 
verblieben fie bet dem Städtekaften, denn fie waren unkündbar, „unaufjaglich, 
foferne die zinfen jerltch richtig ausfomen“.’) Da fie aber übertragen werden 
fonnten, jo Blteben die Anlagen durchaus nicht immer bet den urfprünglihen Gebern, 
den Städten, fondern wechfelten oft den Inhaber, gelangten auf diefem Wege aus 
öffentlichem Befip in private Hände. US „alte“ Anlagen bezeichnet man an- 
Färglih die Anlagen, die vor 1549 eingebracht worden waren; al8 „neue“ die 
ibrigen. Später waren „neue Anlagen“ die jemwetl8 zuleßt gezahlten, und unter 
„alten Anlagen“ veritand man die borher eingebrachten Summen. Daneben zahlten 
*) Siehe o. S, 160 und ebd. Anm. 2 (Sedt, Bittkau). — S, 71 ermähnt Sedt die 
Kebifion durch den Oberziejemeifter Meldior Kraufe im KXahre 1570, denfelben, der 1573 
die Rechnungen Neuruppins prüfen jollte. 
°) Die Menbiergeldiafje mußte deshalb 1554, 1560, 1573 „erleichtert“ merden, d. h. die 
anderen Kafjen mußten ihr einige Summen abnehmen. Nach Cinu8mig, Gejdhichte Berlin 
S. 51 ftellte fie 1623 Binjendtenft und Tilgung ein. — Ciau-ntper, Die märkihen Stände 
S. 14 Anm. 3 redet von einem 1621 erfolgten Bankerott des Städtefaitens. 
N Haß a.a. D., S. 263f., S. 269. 
Daß a. a. D., S. 286. 
, Seit 1565 gab e8 in der Kurmark zwei getrennte Städtefäften: den altmärkiich: 
Drlegnibijchen in Stendal und den mittelmärktidh-ucdermärkijhen in Berlin. 
2 S. Goeße a. a. D., (Stendal), S. 404. 
) St.-2., C. 45, 2 fol. 153
	        
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