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II. Abteilung

Full text: Karl Friedrich Schinkel / Stahl, Fritz (Public Domain)

vorne die Säulen. In den Abbildungen tritt die schöne Gliederung der Mauern, 
die Feinheit der Formen stärker hervor als an dem Bau selbst, da das schlechte 
Material und die üble Farbe nicht stören. Und gleich erscheint dieses Haus 
der herrlichen Halle, die vor ihm liegt, würdiger, der Zusammenhang enger. 0 
Übrigens hat der Künstler alles getan, um trotz der Durchführung der Säulen- 
halle die Zweigeschossigkeit des Hauses auch in der Front zu betonen. Zu jedem 
Auge, das überhaupt architektonisch fühlt, spricht die in die Vorhalle heraus- 
gezogene Treppe mit der Eingangstüre ins Obergeschoß deutlich genug. Und da in 
der Seitenansicht die Fenster in demselben Sinne wirken, so muß man sich schon 
einen ganz besonderen Standpunkt suchen, um die »Täuschung« zu fühlen, die nur, 
und wie gesagt, mit gutem Grunde, für den Blick ganz von Ferne wirklich besteht. 
Im Inneren bildet den feinen Übergang von der Vorhalle zu dem eigentlichen 
Hause der berühmte Kuppelraum, für den als ein recht entferntes Vorbild das 
Pantheon gedient hat. Do 
Wenn man zusieht, wie in der Hast unseres Lebens die Besucher in das Museum 
eilen, schnell die Treppe hinauf, ohne Blick in die Vorhalle, mit einem flüchtigen 
auf dem Kuppelraum, so hat man den polaren Gegensatz zu der Art des Ein- 
tretens vor Augen, für die Schinkel gebaut hat. Langsam sollte man die breite 
Treppe zwischen den Jagdgruppen auf den beiden Wangen emporsteigen, in der 
Vorhalle wandelnd den Blick auf die schönsten Bauten der Stadt genießen und 
durch die tiefsinnigen Bilder sich auf die Bedeutung der Kunst hinweisen lassen, 
endlich in dem Kuppelraum die Seele auf stille und festliche Freude stimmen, den 
letzten Rest werktäglicher Unruhe aufgeben. Er hat das nicht ausgesprochen, 
aber wer sich, ohne bestimmten Zweck, der Wirkung und Führung dieser 
Architektur überläßt, der fühlt ihren Sinn. Und ich kann aus Erfahrung be- 
zeugen, daß ich in langen Jahren, in. denen ich täglich in das Museum kam, zu 
bestimmtem Zweck, und also schon nur zu einem Zehntel empfänglich, trotzdem 
den Auf- und Eingang nie gleichgültig, den. Kuppelraum nie ohne einen kurzen 
Halt und eine innere Genuflexion durchschreiten konnte. Damals hingen in 
dem Obergeschoß noch die Raffae@lischen Teppiche. a 
Seinen glorreichen Tag hatte dieser Raum, als er der Totenfeier für Adolf 
Menzel diente, seine Hauptlinien von schwarzen Floren betont wurden und 
Joachim um den toten Freund mit einer Weise von Mozart klagte. Da war es, 
als ob der Raum selbst tönte. m} 
Der Kuppelraum, sagte ich, leitet über von der Vorhalle zu den Geschossen, 
weil er zwar durch das ganze Haus durchgeht, aber die Geschoßteilung doch 
klar zum Ausdruck kommt: in dem Umgang, der nicht zu diesem Zweck er- 
funden, sondern für den Verkehr unentbehrlich ist. Do 
Über all diesen Betrachtungen darf nicht vergessen werden, daß Schinkel trotz 
allen Rücksichten auf den Platz und aller Sorge für den feierlichen Eingang das 
Museum als Haus ebenso aus dem Zweck konstruiert hat als irgendein anderes. 
Mehr und reiner vielleicht, wenn eine Steigerung überhaupt zulässig ist. 0 
Man darf nicht vergessen, daß es, wenigstens auf dem Kontinent, das erste Haus 
war, das als Museum gebaut wurde. Alle anderen Sammlungen von Antiken und 
Gemälden waren damals noch in alten Schlössern oder dergleichen untergebracht. 
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