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I. Abteilung

Full text: Karl Friedrich Schinkel / Stahl, Fritz (Public Domain)

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KGL- SCHAUSPIELHAUS: GIEBEL DER SEITENFRONT. BERLIN. 
werten, und auch, was er schaffen wollte, konnte er nur als Zeichner sagen. 
Dieser Zustand dauerte zehn Jahre, bis nach dem großen Freiheitskampfe. Er 
wurde Hofarchitekt und sogar Geheimer Baurat, bevor ein einziges Mal ein 
Entwurf seiner Hand ausgeführt worden war. In dieser Zeit hat er der roman- 
tischen Schwärmerei der Epoche seinen Tribut gezollt, war er mit ausschließender 
Leidenschaft Gotiker. Und gotisch war auch noch der Siegesdom, den er im 
Jahre 1816 ersann. Wären diese Ideen verwirklicht worden, so würde sich 
eine eigentliche Jugendperiode wie bei anderen Künstlern auch bei Schinkel 
abschneiden lassen. Do 
Freilich, ob sie verwirklicht werden konnten? Schinkel wußte selbst, daß es 
nötig gewesen wäre, die Künstler und Handwerker zu solchen Bauten von An- 
fang an zu erziehen. In seiner Denkschrift über den Dombau scheint er eine 
unabsehbare Bauzeit anzunehmen. Er ersehnt diese ungeheure Aufgabe, in der 
er ebenso wie das große Symbol der nationalen Großtat die beste Gelegenheit 
zur Heranbildung eines Künstlergeschlechtes sieht. Trotzdem, er hat sie unter- 
schätzt. Und es ist kein Zufall, daß er, als er nun wirklich zum Bauen kam, 
nicht einmal den Versuch machte, die geliebten Formen anzuwenden, sondern 
gleich an die Antike anknüpfte, die sich mit seiner im Grunde natürlichen und 
praktischen Baugesinnung wie selbstverständlich verband. Oo 
Von den Träumen der Frühzeit zeugt nur ein einziges Werk, das Denkmal auf 
dem Kreuzberg, ein gotisches Türmchen, das bequem und billig — und gegen 
den Sinn — in Eisen gegossen wurde und anders wohl auch überhaupt damals 
nicht auszuführen war. Do 
Es wird ihm den Übergang erleichtert haben, daß seine erste Aufgabe gar keine 
Wahl zuließ. Sie war an und für sich bescheiden genug, sie war es hundert- 
fach für den Baukünstler, der den gotischen Riesendom für den Leipziger Platz 
geträumt hatte. Es handelte sich um nicht mehr, als den alten Dom, der am 
Lustgarten stand, ein recht kümmerliches Werk des achtzehnten Jahrhunderts, 
auszubauen. Schinkel gab ihm durch. seine Änderungen, die sich in antiker 
Form bewegen mußten, eine größere Würde und Reinheit der Gestalt. So viel, 
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