Path:
IV. Abteilung

Full text: Karl Friedrich Schinkel / Stahl, Fritz (Public Domain)

Der bedeutendste dieser Bauten ist die Johanniskirche in Moabit. Sie hat 
freilich die hübsche Säulenhalle und den Turm erst später durch Stüler er- 
halten, aber wenigstens der Turm stammt aus Schinkelschen Projekten. Es 
kommt hier jedoch nur auf das Haus selbst an, wie es in Seitenfronten und 
Rückseite unberührt dasteht. Von ungeheurer Wirkung ist besonders die 
Rückseite mit der halbrunden Apsis. Eine byzantinische Größe ist hier erreicht, 
besonders da man ganz nahe an den Bau herangedrückt wird. Technik und 
Gliederung des Mauerwerks sind wohl schöner als irgendwo. Auch die Seiten- 
front mit ihrem Giebelvorbau imponiert. Gerade in solchen Stücken erweist 
sich, wie falsch man den Künstler faßt, wenn man nur auf die Vornehmheit 
der Linie sieht, Er ist durchaus Handwerker und der Reiz seiner Werke be- 
ruht auf der Art der Formung, auf der Nuance in ihr. Eine Stelle, an der 
man das ganz deutlich fassen kann, ist der Übergang von dem Sockel zur 
Wand. Der für diesen Zweck geschaffene Formstein ist ingeniös erfunden. 0 
Der wichtigste Kirchenbau Schinkels ist die Nicolaikirche in Potsdam, eine 
streng hellenisierende Umbildung des kuppelgekrönten Zentralbaues der Re- 
naissance mit einem gegiebelten Säulenvorbau. Diese Kuppel war dazu be- 
stimmt, Stadt und Landschaft zu beherrschen. Und jeder, der in den Gegenden 
gewandert ist, weiß, wie schön sie diese Bestimmung erfüllt. Ob man von Sakrow, 
ob von Kaputh, ob von irgendeiner Höhe auf die Stadt sieht, und in ihr selbst 
durch jede Lücke der Häusermasse, erscheint ihre edle Form als Haupt- und 
Mittelpunkt. Sie ist nicht wegzudenken, ohne daß alles auseinanderfiele, alle Ein- 
drücke sich vereinzelten, statt zu dem Gesamtausdruck Potsdam sich zu verbinden. 
Sie spielt dieselbe Rolle wie die Kuppel des Brunelleschi für Florenz und das 
Arnotal, und die Kuppel des Michelangelo für Rom und die Campagna. Sie 
zeigt, da sie ohne Zweifel in der Erinnerung an diese Werke entstanden ist, 
wie Schinkel Italien erlebt hat, wie stark die Erlebnisse nachwirkten, und mit 
welchem Takt er sie verwertete. Do 
ABB. 127. 
KASETTEN IN DER ROTUNDE. 
ALTES MUSEUM. BERLIN. 
108
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.