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Hugo Lederer

Full text: Hugo Lederer / Lederer, Hugo (Public Domain)

Körperliche widerstreben würde) kein Volk binden wird, wie er zum ersten Male die 
einen großen Mann aufzuweisen hatte und Hauptfigur künstlerisch mit der Architektur 
hat, der diese Form ertragen könnte. Während verbunden hat. 
gerade die Vorstellung Bismarck durch keine 
als diese in Material, Form und Maßstab von 
allen Monumenten unterschiedene Säule aus- 
gedrückt worden ist und werden kann. Aber 
auch für ihn dürfte sich kein zweites Mal 
dieser Art erheben. Ich bin gewiß weit entfernt davon zu ver- 
Das Denkmal ist noch nicht vollendet. kennen, wie wichtig, wie unersetzlich wichtig 
Für die pfeilerartigen Vorsprünge an dem Tür ein solches Gelingen die angeborenen 
turmartigen Unterbau, die jetzt in rohen Gaben sind. (Auch spielt wie bei allem mensch- 
Quadern stehen und die Form störend unter- lichen Tun das Glück eine Rolle.) Aber diese 
brechen, ist plastischer Schmuck vorgesehen, Gaben allein, die häufiger sind, als man glaubt, 
mit dessen Ausführung gerade jetzt begonnen Machen es nicht. Auch nicht, wenn in dem 
wird. Acht männliche Figuren, für die man einzelnen Falle dazu alle Kraft der Arbeit 
keine Bezeichnung geben kann und auch eingesetzt wird. Nur wenn die natürlichen 
nicht zu geben braucht, da sie nicht wie die Gaben in einer stetigen Arbeit entwickelt und 
üblichen Sockelfiguren, die künstlerisch meist gepflegt worden sind, ist in der rechten 
sinnlos sind, sinnige Allegorien sein sollen, Stunde der Künstler einem großen Werk ge- 
sondern eine bildnerische Bedeutung haben Wachsen. Wer den Bismarck von Hamburg 
und keine literarische. denken und gestalten konnte, der muß lange 
Diese Bedeutung läßt sich nicht ganz in Mit der Natur um seine Kunst gerungen 
Worte umsetzen. Aber ungefähr wird sie haben. 
umschrieben sein, wenn man den Zweck als Natur und Kunst. Die Worte, die man 
dreifachen bezeichnet: sie sollen deutlicher So verbindet, bedeuten in Wirklichkeit Gegen- 
als die Architektur die Stimmung Kraft ver- sätze. Noch nicht sehr scharfe vielleicht, 
sinnlichen; sie sollen einen Maßstab, da sie wenn es sich um kleine und intime, aber ab- 
zwar viel größer sind, aber ungefähr lebens- Ssolute, wenn es sich um große und monu- 
groß wirken werden, für das Riesenmaß des mentale Werke handelt. Sie setzen nicht 
Bismarck geben; sie sollen durch die Be- nur die Art von Beherrschung der Natur 
wegtheit ihrer Leiber seine Ruhe noch stärker voraus, die auch die bloße Nachahmung ver- 
hervorheben. langt, sondern ein so freies Schaltenkönnen 
Deshalb dürfen sie auch nicht, wie unter mit der Wirklichkeit, daß man sie nach den 
dem großen Eindruck des Werkes in seiner Kunstformen, den besonderen, die eine Auf- 
jetzigen Gestalt mancher gemeint hat, fort- gabe fordert, umwerten kann. Der Künstler 
bleiben. soll — nicht stilisieren im heutigen Sinne, 
Freilich: die Schwierigkeit ist nicht zu das heißt willkürlich die Natur verändern — 
verkennen. Sind sie schon in den Modellen nicht nur die Wirklichkeit empfinden, sondern 
gegen die ursprünglichen Skizzen stark ver- eben auch die Bedingungen der Aufgabe und 
einfacht worden, so wird dieser Prozeß wahr- des Materials: was aus diesen streitenden 
scheinlich bei der Ausführung noch weiter Empfindungen als Kompromiß sich natürlich 
geführt werden müssen. Noch einmal wird ergibt, das allein verdient in Wahrheit den 
der Takt des Künstlers auf die Probe ge- NamenStil. Gerade diese beiden Empfindungen 
stellt, wieder wird es sich um Entscheidungen aber werden nur durch die Arbeit wach und 
über Millimeter handeln, damit sie lebendig Stark. 
erscheinen und doch die strenge Form nicht So. ist es interessant, auf die Entwick- 
unterbrechen. Aber Lederer verdient wohl das lung Lederers zurückzublicken und zu sehen, 
Vertrauen, daß er auch diesmal nicht ver- wie er immer die Natur studierte, sich aber 
sagen, daß er zum ersten Male die Neben- immer auch bemühte, sie nicht realistisch, 
figuren. künstlerisch mit dem Sockel ver- sondern in verschiedenen Kunstformen zu
	        
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