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Einleitung von M. Rapsilber

Full text: Alfred Grenander / Grenander, Alfred (Public Domain)

Wortes zu dem 
Nachweis, daß diese 
Arbeiten mindestens auf 
Jahrzehnte hinaus für den Eisen- 
stil des zwanzigsten Jahrhunderts 
mustergültig bleiben werden, weil hier 3 br 
aus der Natur des Eisens die konstruktive 
Notwendigkeit zur Klarheit und Schönheitgeführt, - 
ohne Künstelei, ohne Zwang. Aber das Natürliche und 
Selbstverständliche ist eben das Geheimnis des Genies. 
Ebenso sind die Schalterhäuschen der besagten Bahn 
ganz eigenartige Leistungen, die mit ihrer markanten Silhouette 
und der dezenten Farbigkeit ihres Exterieurs im Berliner Leben 
überraschend schön figurieren. An der Strenge des Eisens suchen die Grenander- 
schen Beschläge und Griffe und sonstigen Metallgeräte die Folie für ihre griffig 
mollige Abrundung, zarte Linienführung und aparte Tönung, es sieht so aus, als ob 
Messing und Bronze sich mit schmiegendem und schmeichelndem Behagen in die 
Form ergossen haben, um dann dem menschlichen Auge und der Hand zu einem 
höchstenWohlgefallen zu werden. Eben diesessybaritische Raffinementmachtsich 
auch an den Möbeln bemerkbar, an dem Parfümerie-Pavillon derWeltausstellung, 
der in seiner Art meisterhaft gelungen ist, und an den beiden Zimmern ebendaselbst. 
Die Form der Möbelgeht, wo es möglichist, auf massige Schwere, aufgroße Flächen, 
auf tunlichste Klarlegung von Konstruktion und Zweck, aber nirgends stößt das 
Auge oder die Hand wider spitze Winkel, wider Ecken oder steife Geraden. Das 
rundet sich, fügt sich, schwingt sich, biegt sich dem 
Menschen entgegen, ohne dertektonischen Ruheund 
Würde etwas Wesentliches zu opfern. Dazu kommt 
nun auch so ein impressionistisches Behagen in dem 
klug berechneten Schmuck über die Form her. Gre- 
nander macht interessante Experimente durch Ein- 
lagen von australischem grünen Mahagoni in den 
tiefbraunen afrikanischen Mahagoni, wozu dann 
nochEbenholz, Elfenbein, Zinn, sogar Bernstein und 
das Messing der Beschläge die dekorative Skala be- 
lebt. Nie aber ist der Schmuck zum Protzen oder 
Auftrumpfen berufen, er hält sich vornehm zurück 
und vergeistigt die Formen und Flächen, wie das 
fliegende Rosenrot ein holdes Frauenangesicht. So 
recht beschreiben läßt sich ein derartiger Eindruck 
nicht, er appelliert an das Empfinden, und das 
soll ja das untrügliche Kennzeichen eines echten 
Kunstwerks sein.
	        
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