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Full text: Ausstellung angewandter Kunst unter Leitung von Curt Stoeving und unter Beteiligung von ... / Poppenberg, Felix (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

pfosten ausmündet. Die Hinterbeine aber strecken sich seitlings in Grätsch- 
stellung und dadurch erhält das Sitzgefüge gleichsam etwas Federndes. = 
Pankok verfügt aber auch über einen feinen Takt im Schmücken. Er ist 
kein nüchterner Puritaner. Er steigert die Materialreize seiner edlen 
Hölzer durch Schnitzerei und Einlage und durchleuchtet dabei die tonige 
Holzstimmung oft durch die schimmernden Augen des Perlmutter. Doch 
wird solche Zier nicht wahllos verschwendet. Sie wird immer nur an 
den Kardinalpunkten der Möbel, an den exponierten Stellen ihrer 
Konstruktion, sozusagen nur an den „edlen Teilen“ angebracht. Wo 
eine Linienführung den stärksten Augenblick, die Mittagshöhe ihrer 
Existenz erreicht, da wird sie dekoriert; so die Mittelpartie der Sofa- 
rückwand, gleichsam ihr Giebelfeld, so die Trägerpfosten der Sitzmöbel. 
Daß Pankok bei aller seiner Neigung zum Logischen kein Rustikaler 
und Primitiver ist, das lehren deutlich auch einige andere Requisiten 
des Raumes. Der Heizkörper ist nicht eine aus Backsteinen oder 
Kacheln geschichtete Feuerstätte, sondern ein schmaler, schlanker Prunk- 
schrein in reich geäderter Marmor-Ummantelung mit schimmernden 
Metallpforten in phantasievoller Durchbrucharbeit. Der Schauschrank 
mit seinem intarsierten Frieskranz um den Sockel, der leuchtend 
facettierten Fenster-Mittelbucht ist voll diskretem, festlichen Lichter- 
spiels der polierten Hölzer, des prismatischen Glases und der Perlmutter- 
augen. Und diese leuchtende Wirkung empfängt ihre Krönung an der 
Decke durch die Fülle der schwebenden, im Kreisrund weit verteilten, 
zierlich angeordneten Lichtgehänge, einem Planetenreigen. SS 
Sepp Kaisers Schlafzimmer sucht lebhafte koloristische Wirkungen 
auf einem lichten Hintergrund. «2 
Die Breitflächen sind alle hell von einem weichen seidigen Glanz, die 
Pfosten der Umrahmung dazu mattrot und ihre Kantenlinie schwarz. 
Man denkt unwillkürlich dabei an Brettspielmotive, und die Tafel- 
felderung des Schrankes trägt noch dazu bei. 
Diese Farbenstimmung hat für einen Ruheraum etwas sehr Kapriziöses 
und Pikantes, doch der großgeführte einfache Aufbau des Mobiliars, die 
wuchtigen Bettkasten, das massige Schrankviereck in ihrem Gefüge aus 
aufeinander gelagerten, abgesetzen Platten und überragenden, fest die 
Seiten einklammerden Pfosten sorgt für die Gesetztheit. 
Ein origineller Bestandteil des Raumes bringt eine Gewohnheit des 
achtzehnten Jahrhunderts wieder in Anwendung, den Schreibtisch im 
Schlafzimmer. Als Kombinationsmöbel freistehend ist das gedacht. Auf 
der einen Seite ist es ein schmucker hoher Toilettenspiegel, flankiert von 
zwei niedrigen Pfostenschränkchen, auf der Kehrseite wiederholen sich 
diese Pfostenschränkchen genau als Träger des Schreibtischdeckblattes, 
und die Rückwand des Spiegels bildet den Hintergrund für den mittleren 
Schreibtischaufsatz, der mit seiner Klappe, seiner inneren Fach- und 
Schübe-Einteilung einen zierlichen Sekretär darstellt. 
Die Beleuchtungskörper des Raumes sind quadratische Laternengehänge. 
Und gute keramische Ausstattung zeigt der Waschtisch mit wuchtigem 
Becken und Kanne in abgetönten Glasuren. Das Becken hat nicht mehr 
die konventionelle Rundform, sondern es ist mehr ins Ovale gezogen, 
und diese Figur ergibt sich logisch aus der Benutzungsform, aus der 
Voraussetzung der seitlich ausgebreiteten Armbewegung des Waschenden.
	        
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