(Kriedenauer
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Nerttn-Arriedenau, Mltwoch, den Wai 1916.
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23. Iahrg.
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SJon ■){ st n ii y 3 t c i n nt a u it.
Himmelfahrt, .... du Zaubername,
Der mir spricht von goldneu Sälen,
Die in weiten Fernen glänzen,
Will der Erde dich vermählen,
Will für unser Haffen, Wünschen
Heute deinen Namen borgen. — —
Himmelfahrt und Friedenstlingpii •-
Ist es nicht für unsre Sorgen
Ganz das gleiche Fnbelsiiigen?
Woll'n nicht «alle unsre Seelen,
Fröhlich auf znm Himmel fahren?
„Frieden" beißen sie den Himmel,
Frieden, holden, wniiderbaren.
Doch noch sind die goldnen Säle
Nicht für unsre Herzen offen,
Noch ist nur das starke Wünschen
Und der Menschen hpißes Hoffen.
Aber, wenn die Glockpn künden,
Das; es wieder Frieden ward,
Werden all die Sehnsuchtsvollen
Feiern ihre Himn^elfahrt.
kiriegsäepescken
Luftangriff auf Smyrna.
Eadorna meldet Kämpfe „südlich" der Posina. — Die
Serben „glücklich" in Salomli angekomüren. — Die
deutschen L-iFangriffe auf England.
Kaiistantiiwpel. 'An der I r a k f r o n t keine Vcr-
ändcrung. An der K a u k a s u s f r v n t vertrieben wir
Ertundnngsabteilnngen, mit denen der Feind gegen unsre
Stellung vorgehen wollte. Auf dem linken Flügel kam
es nur zu örtlichen Artilleriekämpfcii. Am 29. Mai
ivarfen feindliche Flugzeuge 90 Bomben auf einige Stadt
viertel von Smyrna, wobei sie mehrere Personen teils
löteten, teils verletzten und einige Häuser beschädigten.
Am 2 7. Mai gingen ein feindliches Torpedoboot ititb
feindliche Flugzeuge gegen El Arisch (auf der Sinai-
Halbinsel, östlich von Port Said) vor. Die von dein
Flugzeug geschlenderten Bomben verletzten sieben Personen.
Zwei unserer Flugzeuge griffen das Schiff und die Flug
zeuge des Feindes vor El Arisch an. Sie warfen mit
Erfolg Bomben ab »nd feuerten ans Maschinengewehren.
Nom. Amtlicher Bericht: „Die allgemeine Lage ist
auf der ganzen Front unverändert, mit Ausnahme des
Pofina-Abfchnittes und des oberen Ast ach, wo gestern
die feindliche Offensive wieder aiifgenoinmen wurde. Fm
Lagarinaial (Etschtal) und im Pasnbio-Abschnilt heftige
Tätigkeit der beiden Artillerien sowie große Tätigkeit,
der feindlichen Transporte, die wir durch unser Feuer
störten. Südlich der Posina griff der Feind nach hef
tiger Artillerievorbereitng in der Richtung von Sogli-
Eampiglia nd vom Priafora-Berg an. Nach einem er
bitterten Kampf blieben die Unseren im Besitz dieser
Stellungen. Auf der Hochfläche von Tchlegen (Asiago)
und im Snganatal Tätigkeit von Aufklärungsabteilungen.
Die feindliche Artillerie begann die Ortschaft Ospeda-
letto zu beschießen. Fm Tofana-Abschnitt am oberen
Boiie wurde ein kleiner Jnfanterieangriff des Feindes
abgewiesen. ?lnf den nördlichen Abhängen des Monte
San Michele zerstörten wir durch eine mächtige Minen
epplosion einen großen Abschnitt der feindlichen Gräben.
Eadorna."
Paris. Marineminister Laeazc teilte im Minister-
rate mit, daß die lleberftthrnng der serbischen Truppen
von Korfu nach Saloniki beendet sei, und verlas einen
Brief des serbischen Kronprinzen, der die' französische.
Marine dazu beglückwünscht.
Bases. Der englische Minister des Innern gab im
Unterhaus die Zahl der T o d e s f ä l l e in Engl a n d
infolge der deut s ch c n Luftangriff e und ^An
griffe zur See seit Beginn des Krieges bekannt. Fm
Verlauf dreier Angriffe zur See seien 141 Personen ge
tötet, nämlich 01 Männer, 40 Frauen und 40 Kinder,
und 000 Personen verletzt. Fm Verlause der 44 Luft
angriffe seien 439 Personen gelötet, nämlich 221 Männer,
144 Frauen -und 74 Kinder, und 100ö Personen «ver
letzt worden. Insgesamt sind also in England durch die
Deutschen 580 Menschen getötet und 1605 verletzt worden.
Im Verhältnis zu diesen Zahlen sei die Zahl der ge-
lotctcii und verwundeten Soldaten und Matrosen sehr
gering.
Dir Potsdamer Handelskammer gegen den
Wucher mit Lebensmittel».
K o n z e f f i o n i e r » n g de s L e b ensmittel-
Handel s.
Die Potsdamer Handelskammer, Sitz Berlin, hat an
den Bundesrat folgende Eingabe gerichtet:
Die deutsche Industrie und Kaufmannschaft haben
in ihrer Allgemeinheit während der Kriegszeit ihrp guten
und soliden Grundsätze bewahrt und haben Leistungen
hervorgebracht, die es uns znm Teil ermöglicht haben,
einer feindlichen Welt mit siegreichem Erfolge zu trotze».
Die gutgesinnte Kaufmannschaft, die Wert auf die Er
haltung ihres Ansehens und Rufes legt, empfindet es
neben der übrigen Bevölkerung deshalb mit steigendem
Unwillen, daß sich in der Zeit vaterländischer Bedrängnis
gerade ans dem jetzt wichtigstelt Bia rite der Lebensmittel
und Gegenstände des täglichen Bedarfs Schädlinge ein
genistet haben, die. dem Volke das Dnrchhalten erschweren
und ili»i einen guten Feil seiner zuversichtlichen Stim-
niung und Ausdauer nehmen.
Diese Schädlinge haben ihr Treiben trotz einer ver-
schärsten Gesetzgebung ans dem Gebiete des Lebeitsmittel-
handels entfalten können. Fn ihrer überwiegenden Zahl
sind cs Personen, die dein Lebensmittelhandel vor dem
Kriege vollkommen ferngestanden haben und ans andern
Berufen herübergekommen sind, tim mit wichtigen und
knapp werdenden Lebensmitteln und Bedarfsgegen
ständen einen überflüssigen, schädlichen und wucherischen
Handel und Zwischenhandel zu treiben. Da diese Per
sonen die Ware, ohne sie dem Verbrauch näherzubringen,
meist von Hand zu Hand schieben, jede dieser Hände
aber beim Weiterverkauf ihren eigenen Gewinn auf den
Preis des VorbcsitzerS aufschlagt, so hat sich ein nn-
gcslinder und die Ware unnötig verteuernder Ketten
handel herausgebildet, der noch dazu den klebergang der
Ware in den Verbrauch verzögert.
Diese Art der Spekulation ist jetzt allgemein offen
kundig geworden und wird von der Rcichsprüfungsstclle
für Lebensmittelpreise -selbst für verbreiteter bezeichnet
und schlimmer in ihren Folgen als der Preiswucher ein
zelner. Wenn man aber bei den auf die Bekämpfung
dieses MißstandcS abzielenden Beratungen der RcichS-
prüfnngsstelle zu dem Ergebnis gekommen ist, daß die
sinngemäße Anwendung der bestehenden Gesetze aus
reichen werde, das Uebel zu beseitigen, so vermögen
ivir diese Ansicht und Erwartung nicht zu teilen; denn
das Uebel ist zu stark verbreitet und die einzelnen Fälle
sind zu verwickelt und schwierig zu entwirren, als daß
eine rasche und dnrchgrciseyde Unterbindung solcher
Machenschaften allein aus der Anwendung der Gesetze
erwartet werden kann. Der offen zutage liegende Miß
stand aber wird in allen Volkskreisen mit Verdruß und
Bitterkeit empfunden, er schädigt unser Volk und er
schwert die ernsten Bemühungen, unsere Bevölkerung aus
reichend und mit preiswürdigen Lebensmitteln zu ver
sorgen, und deshalb erfordert er eine schnellere und wirk
samere Bekämpfung, als sie Gesetz und Richter zu leisten
vermögen. In der einschlägigen Tagesliteratur fanden
wir kürzlich in ähnlicher Sache ein Wort des Kasseler
Oberbürgermeisters Koch:
„Die Zufriedenheit des Volkes ist ein Kapitel,
das nicht aufgezehrt werden darf,"
und wir halten diese Worte für richtig, zeitgemäß und!
dringend b e a clu e >t s w e r t.
Wenn der Herr Präsident des Kriegsernährungs--
amtes vor dem Hanshaltsausschuß des Reichstags "er
klärt^ hat, die Verhältnisse der Volkswirtschaft seien so
verwickelt und zart, daß sie sich weder mit einem Faust-
Das Rätsel des Beidehauses.
Roman von L. Waldbröl.
12. (Nachdruck verbot,n.)
„Möchten Sie mir nicht einige Einzelheiten über vie
damaligen Vorgänge erzählen ? ^ie hoben nämlich für
mich ein ganz bejonderes Interesse."
„Was ich weiß, will in, gern logen. Frau Götter
und das gnädige^Ftänlein waren abgereist ganz plötz
lich — ohne daß sie vorher vvn einer solchen Absicht ge
sprochen hatten." .. . . . .
„Vielleicht infolge eines Zer,vur,nifses zwischen den be.-
den Gatten — nicht wahr?" ^
Aber Betty Fürgensen schüttelte sehr energisch den
Ä ° P *'o nein, Herr! Zerwürfnisse oder dergleichen kamen
zwijaien den Hertichajten niemals vor. Fch war ja selbst
zugegen, als ,,e am»,reu. Herr Götter war seinen Damen
in der liebenswürdigsirn Weise behilstich. und „e knßien
sich sehr oit »nd ,err zarllich, als sie voneinander Ab-
chted nahmen. Ich horte, wie Herr Goller sagte, daß er
lim mit innen treuen würde, ,obalo ,ein Buch fertig sei.
Denn er schrieb nämlich Bücher. AVer sie waren so ge
lehrt, das; un.treins nichts davon verstand Von allen
Sitten lind Gebränchen — oder etwas dergleichen.
Das ist jetzt Nebensache", drängte chtenveig. „Was
geschah also, ncupdem die Damen angereist waren ?"
Da gab es mit einem Mate große Veränderungen hier
int Heidehanse. Der Gattner wurde entlaßen, und die
beiden Dienstmädchen wurden abgeloyn., ganz außer de.
Zeit, und ohne daß sie sich etwas hatten zu >.,uldeii
kommen lassen. Der alle Herr hauste ganz ane:» unk
ließ keinen Menschen mehr za sim ei». F") mußte ihm
an jedem Morgen die nötigen Leocitsniiltel bttngeu. die
er mir immer schon an der Haustur abnahni. l.r sprucy
bei diesen Gelegenheiten zu mir ebenso ,rennülich wie,on,t.
Aber es war ihm doch niiziiinerlcn, oaß es nicht mehr das
selbe war wie fiiiher. Er |ai) so bekniiimett und niederge
schlagen ans. und manchmal wollte er nur ganz gciyes-
abwelend vorkommen. Das dauerte io ein vaar Wochen.
Dann wurde mir eines Morgens auf mein Klopsen nicht
aufgemacht, und ich stell.c die mitgebrachten Sachen vor
der Haustür nieder, weil ich meinte, der alte Herr sei ans
einem Acorgeiispaziergaiig. Aber als meine Mutter gegen
sieben Uhr avends an dem Hause vorüberkam, stcinden das
Milchkäiinche», die Eier und das Brot noch immer aus
dem nämlichen Fleck, und da. wurde ihr angst, daß Herr»
Golter etwas zngestvßeit sein konnte. Auf ihr Klopfen er
hielt sie keine Antwort. Und so holte sie sich einen der
Garteiistühie herbei, um durch das Fenster eilten Blick in
die Wohndtele werfe» zu können, llnd da wäre sie, wie
ste sagte, um ei» Haar vor Schrecken heruntergestürzt."
„Sie sah Hc rrn Gcttt.-r dicht neben der großen Standuhr
an einem Wandhaken hängen. 'Natürlich lies sie gleich
davon und sa.rie das ganze Dorf ziisa,innen. Die m»-
tigsten unter den Männern schauten ebenfalls hinein und
jähen das nämliche, was sie gesehen hatte. Atzet nie
mand besaß einen Schlüssel zu der Haustür, und es hätte
-»ielleicht mich leiner den Muk gehabt, hineinzugehen, wenn
einer dagewesen wäre.
Ätzer einer fuhr mit dem Nad na h Neinsdorf, wo
die Gendarineriestation i't, und kam mit Herrn Möllmann,
dem Wachtmeister, zurück. Der fürchtete üch vor nichts.
Er brach die Tür aut und schnitt oen armen Herrn Götter
ab. Nachher kam dann auch der Arzt ans Miloenlmrg
und sagte, der Tod müsse schon vor sechsunddreißig oder
achtundoierzig Stunden eingetreten sein. Drei Tage später
wurde Herr Götter in Mildenburg begraben."
„Seme Angehörtgen waren natürlich zu dem Leichen
begängnis erschienen?"
„Wein. Es hieß, Frau Götter, die im Anslande sei,
habe wegen Krankheit nicht kviiimen können, lind es
würüe gewiß tin ulstes Gerede gegeben haben, wenn
nicht Herr Götter einen Brief zurückgelassen hätte, worin
er sagte, daß er wegen einer uai.t'ub.uctt Krankheit aus
dem Leben geschieden sei, und worin sehr viel Gutes und
Liebes über >etne Gattin und seine Tochter gestanden
haben soll. Die ganze Geschichte hat damals ausführlich
in, Mitdenburger Wochenblatt gestanden, und soviel ich
weiß, hat die Mutter die Nummern aufgehoben."
„Daun wäre es mir lieb, wenn Ste mir diese Zei
tungen im Laufe des Tages zukommen lassen wollten.
Aber Sie müssen sie mir ganz unauställig übergeben, da
mit Fräulein Götter nichts davon bemerkt. — Waren Sie
nicht sehr überrascht, als Sie Fräulein Götter gestern
wiedersahen?"
„Ueberrascht ist gar kein Wort. Die Mutter und ich,
wir waren oollfomittcn sprachlos! In solchem Aufzuge.
Und von Breitbrück über die Heide I Sie muß mindestens
vier Stunden für den Weg gebraucht haben. Und er ist
beschwerlich genug selbst für einen rüstigen Mann."
„Stuf die Einzelheiten wollen wir uns jetzt nicht ein
lassen : denn die Zeit drangt und die junge Dame kann
inöglicheriveise in jeoem Augenblick ein Lebenszeichen
geben. Hat sie ges.erit zu Ihnen von ihrem Vater ge
sprochen
„Ja — seinen Namen hat sie allerdings genannt."
„Und hatten Sie nicht den Eindruck, als ob sie seiner
wie eines Lebenden Erwähnung tat?"
„Ja - diesen Eindruck hatte ick merkwürdigerweise
in der Tat. Aber icki dachte, ich müßte sie wohl irgend
wie mißverstanden haben. Und ich hätte es für unschick
lich gehalten, eine Frage zu tun, durch die so traurige
Erinnerungen hätten aufgewühlt werden müssen."
„Daran haben Sie ohne Zweifel sehr recht getan.
— Man spricht mit einer Tochter nicht von dem Tode
ihres Vaters, meint man weiß, daß dieser Vater Seldst-
»tord begangen hat. Diese Erwägung war es, die Sie
abhielt, eine Frage zu tun, nicht wahr?"
„Jawohl, gnädiger Herr!"
„Im großen und ganzen wurde gestern überhaupt
nicht viel zwischen Ihnen gesprochen?"
„Nein, Fräulein Margarete brannte ja darauf, in das
Haus zu kommen. Und sie war so in Furcht, von jeman
dem. im Dorje erkannt zu werden. Ich begleitete sie
zwar herüber; aber ich hatte mit der Herrichtung des Schlaf
zimmers zu tun, während sie sich sogleich unten in der
Bibliothek bei den Büchern zu schaffen machte. Dann
schickte sie mich nach Hause mit der Weisung, ihr um zwölf
Uhr etwas zu essen zu bringen. Aber Sie wissen ja selbst,
weshalb ich diZen Wunsch nicht erfüllen konnte. Denn
inzwischen kamen Cie' mit dem innnen Herrn Welcker.