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Full text: Erinnerungen an das alte Joachimsthal'sche Gymnasium in Berlin / Schulte, Eduard (Public Domain)

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einzuweihen, besteht nur ne‘ ‘ 7iemlich harmlosen Ausläufern 
fort. Eine Aufnahme-( ram die zu meiner Zeit schon 
selten wurde, war @ dass man dem jungen Fuchs den 
„Alumnenteufel“ zeigte. Ferien, die man auf dem Alumnat 
verlebte, waren die geeignete Zeit für solche Scherze; man 
hatte dann nicht viel zu arbeiten, und die Hauspolizei war 
auch wohl so streng nicht. Nur in den Sommerferien nämlich 
muss jeder Alumnus verreisen; in den übrigen bleiben immer 
etwa 30 Schüler in der Anstalt, Als ich noch Tertianer war, 
gelang es uns in den Ferien einmal, einen jungen, mit der 
Ceremonie unbekannten Fuchs zu bereden — gezwungen wird 
dazu niemand — dieselbe mit sich vornehmen zu lassen, nach- 
dem wir ihm versprochen hatten, dass niemand ihn misshandeln 
würde. Seine Neugier wurde jedenfalls durch ein geheimes 
Grauen überwogen, aber er ging doch auf die Sache ein, als 
outer Kamerad, der uns ansah, welch unsägliches Vergnügen 
er uns durch seine Einwilligung bereitet:». Er wurde dann 
abends vor dem Schlafengehen mit verbundenen Augen von 
zwei Füchsen, die seine Arme vorläufig nicht losliessen, auf 
den Waschsaal geführt und mit dem Rücken gegen einen 
Tisch gestellt. Noch eine Hülle senkte sich über sein Haupt, 
und alle lauschten nun in tiefem Schweigen der Einweihungsrede 
des ältesten Fuchses, welcher den Neuling vermahnte, sich des 
ehrenwerthen Alumnenstandes durch edle Gesinnung und Reinheit 
des Herzens allezeit würdig zu zeigen und beim Erscheinen 
des Alumnatsgespenstes ohne Furcht und Tadel dazustehen, 
Diese Rede lenkte die Aufmerksamkeit des Nuvizen einiger- 
massen von dem ab, was dicht hinter ihm auf dem "Tische 
vorging. Die erwähnte Hülle war ein Beinkleid, dass man 
ihn umgekehrt über den Kopf geworfen hatte, so dass die 
Beinlinge nach oben gerichtet waren. Zwei auf dem Tische 
stehende Füchse zogen die Beinlinge straff aufwärts und 
gossen auf das Stichwort „Tadel“ gleichzeitig zwei Wasch- 
becken voll Wasser hinein. Erschreckt riss der Novize seine 
Binde von den Augen und beeilte sich dann, nachdem er sich 
abgetrocknet und umgezogen. sein Lager aufzusuchen, In 
Folge unserer heimliche Vorkehrungen fiel er in dem 
Augenblicke, wo er si," "gte, mit den Betten unten 
durchbrechend auf die | Wir erklärten ihn nun für 
einen echten und gerecht.” amnus, halfen ihm seine Lager- 
stätte in Ordnung bringen 7. nahmen ihm das Versprechen 
ab, sich am folgenden Abeni -- in den Orden der Ver-
	        
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