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Full text: Erinnerungen an das alte Joachimsthal'sche Gymnasium in Berlin / Schulte, Eduard (Public Domain)

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da jedes Zuspätkommen im A !umnat ihn anf einen oder zwei 
Tage seiner Freiheit beraubt, lernt cr die Minute ansuutzen. 
Er weiss genau, ob die ihm zur Verfügung stehende Zeit aus- 
reicht, um den beabsichtigten Spaziergang nur bis zum nahen 
Friedrichsdenkmal auszudehnen, oder bis zum Brandenburger 
T’hore, oder bis zu gewissen entlegenen Punkten des Lhier- 
gartens; eine andere Tour wählt er nämlich uur selten, An 
Sonntagen, an denen eine eigentliche Arbeitsstunde gar nicht 
angesetzt ist, erhält er leicht die Krlaubniss, bis 8 oder 10 Uhr 
abends und auch mittags über "Fisch fortzubleiben, aber nur, 
um Verwandte und Bekannte aufzusuchen, die dann durch eine 
vom Alumnat ausgestellte, vom Alımnen vorgezeigte Urlaubs- 
bescheinigung ersucht werden, auf letzterer zu vermerken, 
„wann derselbe angekommen und abyegangen ist.“ Merkwürdig 
bleibt, dass es keinen Alumnen vich* der in Berlin nicht 
wenigstens eine bekannte oder verwandte Familie hätte, gleich- 
viel, ob er die Mark oder die entferntesten Provinzen seine 
Heimath nennt, Es ist jedem cin instinktives Bedürfnis, 
Sonntags wenigstens hin und wieder „nr Familie‘ zu sein, 
und der Eintluss einer solchen, unersetzlich wie er ist, bildet 
eine nothwendige und wohlthätize Ergänzung des Alumnats- 
lebens. Alle Familien, welche den Alumnen ein wenig unter 
ihre Flügel und gelegentlich auch — unter den Hobel 
nehmen, erwerben sich um den jungen Mann 6° grosses, 
bleibendes Verdienst, das dieser, wenn nicht g1e*” 9 duch 
in erwachsenen ‚Tahwen 5 Asmsthayer Erinne” Hätzen 
wissen Wird, 
Bei den gemeinschaftlichen 7 leiten w Uhr 
mittags und um & Uhr abend: eind im Speisesaa' je zwölf 
Alumnen um einen "Pise- vereinigt, und zwar so, das jede 
Klasse vertreten ist. Ein Oberprimaner präsidirt, ein Unter- 
tertiauer hat als „Aufkeller“ den Jetzten Platz. Sein Amt 
ist, aus der vor ihm stehenden Terrine oder Schüssel die ihm 
von den Tischgenossen nach der Reihenfolge ihres Ranges 
und Platzes zugereichten Teller zu füllen. Den letzten Platz 
nimmt der „Heraushalter“ ein, der die geleerte Schüssel in die 
Höhe hält, bis der dadurch benachrichtigte Kellner sie ihn 
zu abermaliger Füllung abnimmt, Der driättletzto im Range 
ist der „Theiler“, Er theilt das morgens und abenıls gereichte 
Stück Butter in 12 Theile, belohnt sich durch Ei--* hung des 
vrössten Theiles für seine Mühe und reicht dann "on Butter- 
teller mit den 11 Theilen dem Vorsitzenden hin. der sth
	        
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