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Ar. 26.
Berlin, den 10. Juli 1714.
Es wurde zwar bey Abgang meines vorigen die Hofnunge ge-
machet, daß man die affairen, so der Baron von Goertz am
Czaarischen Hofe intriguiren laßen, publiciren würde, alleine jezo saget
man, daß das Geheimniß davon so groß sey, daß man solches auf alle
Weise secretiren dürffte. Man versichert, alß der von Bassewitz ofn-
lengst alhier arriviret, wäre er sofort an des Barons Quartier ge-
gangen, deßen Laquayen er vor der Thür gefunden, welchen er gefraget:
„ift euer Herr der Schelm zu hause?“ nac< erhaltener Nachricht sey er
sogleich hinauf gegangen und wären beyde hart mit Worten aneinander
gerahten, daß sie auch zum Degen gegriffen. Weilen aber gute Freunde
bey dem Baron gewesen, hätten dieselben größere Weiterungen verhütet,
worauf sich der v. Bassewitz sogleich zum Könige verfüget und in
Gegenwart des Herrn Graff von Dohna und Herrn von 1lgen seine
negotiation, worüber hiesiger Hoff nicht vergnüget seyn kan, dem Könige
hinterbra<t, und des von Goertzen eigenhändige Brief, wodurc< er
aller dieser affaire wegen von demselben instruiret, vorgezeiget, womit
der von Bassewitz fid des Königs Gnade erworben, hingegen der
von Goertz auf einmahl allen Credit fast verlohren. Dieser hat solches
Tages eine sc<hleunige Reise zu seinem gnädigsten Herrn vorgenommen,
ist aber bereits den 5. hujus revertiret, und wird versichert, daß solche
bloßerdings ins wer> gerichtet, seine honneur zu sauviren, maßen von
ihm nunmehro eine Ordre des Herzogs vorgezeiget wird, daß er alles
dem von Baggewitz auf Serenissimi Befehl von hier aus committiret,
folglich dieser jetzo den größten tort hat, weil er seines Herrn secreta
releviret, und meritirte, daß man ihm seinen Kopf vor die Füße legete;
man will gar sagen, daß man denselben in einer commission nach
Pommern mit glatten Worten hätte gehen laßen wollen, woselbst ihm
ein hartes tractament hätte zubereitet seyn sollen, allein er hat sich
solches vorhin vorgestellet, und des Königs Gnade und protection ge
suchet, welche ihm auch accordiret, und falß er unglücklich seyn solte,
ihm hiefige Dienste versprochen. Jnzwischen dräuet er star&> dem von
Goertz den halß zu brechen, dieser aber sagt, er solte vorerst abwarten,
wie die Sache mit seinem Herrn ausgemachet würde, hernach wolte er
ihn auf alle Weise gatisfaction geben, auf was Art ex es verlangen
würde. (Es wird dennoch unter der Hand dem von Goertz gar verarget,
daß er sol<e schlimme intriguen, so auc< gar wieder die Cron
Schweden gehen, schmieden wollen.
LU.