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Volume 9. April 1934

Full text: Dienstblatt des Magistrats von Berlin (Public Domain) Issue1934 (Public Domain)

Dienstblatt Ausgegeben 
Teil L. > 10 
Allgemeine Berwaltung. c. 
7784] Wiederbevölferung Berlins. [183194 
(Beratungsfstellen für Erb- und Rassenpflege, städtische Ehrenpatenschaften, Durchführung 
des Gesetzes zur Verhütung erbkranfen Nachwuchses.) 
-- Gesch.-Z. Ges. VIa 1. Fernruf: Mag. 4391, App. 104. -- 
„emma = 
1. Allgemeines. in Widerspruch stehen, außer raf: Die genannten Für; 
3204.84 . sorgestellen werden vom gleichen Zeitpunkt ab mit den 
a) Berlin ist die geburtenärmste Stadt Deuts<- nu einzurichtenden Eheberatungsstellen (Einzelheiten 
lands und sehr wahrscheinlich der Welt überhaupt. Cs iche weiter unten) zu einheitlichen Gebilden 
hat gegenwärtig bereits einen erheblichen Überschuß der zusammengefaßt, die die Bezeichnung: „B e- 
Todesfälle über die Geburten. Wenn nicht besondere ratungsstellen fü r Erb- und Rassen- 
Maßnahmen ergriffen werden, wird dieser Überschuß in +1, g 6“ erhalten. Unter dieser Hauptbezeichnung sind 
den nächsten Jahren weiter erheblich ansteigen und eine die einzelnen Zweige als Abteilungen kenntlich zu 
zunehmende Vergreisung der Berliner Bevölkerung ein- machen, und zwar als 
treten. In früheren Jahrzehnten ist diese Entwieklung 5 
stets dur) Zuwanderung vom Lande ausgeglichen wor- Abteilung I -- Eheberatung, N 
den. Es ist anzunehmen, daß diese im allgemeinen " II -- Beratung werdender Mütter, 
deutschen Interesse unerwünschte Landflucht beseitigt oder „ II -- Säuglings- u. Kleinkinderbetreuung, 
doch erheblich eingeschränkt wird. Die Stadt Berlin muß später einzurichtende 
infolgedessen in Zukunft bestrebt sein, das Gleichgewicht Abteilung IV -- Gesundheitliche Beaufsichtigung der 
zwischen Geburts- und Sterbefällen oder, richtiger gesagt, Jugend. 
eine zwe>mäßige Zusammensetzung der Bevölkerung nach Gn : 
Kindern, Arbeitsfähigen und Alten oder Siechen mit Auch wo 03 DWT gommonden drei Formen 
iel zwin „Mitteln „Ferheizusühren: G kommt in: in jeder Beratungsstelle einheitlich alle drei Zweig: 
| g je en iner er inie ie pP 8 : it di e* gebiete ausgeübt werden können, ist die Bezeichnung 
wur enförderungan, für die die Stadt mi dieser „Beratungsstelle für Erb- und Rassenpflege“ mit der 
Mr fe Verfügung einen entscheidenden Schritt unternimmt Ünterbezeichnung der betreffenden Abteilung zu ver- 
liehe VJ). wenden. Es wird entscheidender Wert darauf gelegt, 
Hiermit allein ist aber das dringend notwendige Reform- daß durch die planmäßige Anwendung der neuen Be» 
werk noch nicht erschöpft. 'Es steht fest, daß die Gesund“ zeichnung die Abkehr von dem bisherigen 
heitsfürsorge der lezten Jahrzehnte zwar Erfolge erzielt Verfahren in Erscheinung tritt. Die für die 
hat (wie 3. B. bei der Bekämpfung der Säuglingssterblih- Umstellung erforderlichen Einzelbestimmungen folgen 
teity daß daneben aber vielfac) die Bedürfnisse weiter unten. 
er Qualität, von denen lezten Endes die Lei- 1) Dis neue Beratungsstelle für Erb- und Rassenpflege ist 
stungsfähigkeit der Bevölkerung entscheidend abhängt, ) at itim 09 5 rt und Nassenpfieg iw 
vernachlässigt worden sind. Es wird infolgedessen in bg<berigen Säuglings- und Kleinkinderfürsorgestellen zu 
Zukunft bei der Durchführung aller gesundheitsvorsorge“ 6rjorgen. Gesonderte Fürsorgekräfte für Eheberatung, 
rischen Maßnahmen entscheidendes Gewicht darauf gelegt B,ratung werdender Mütter oder Säuglingsbetreuung 
werden müssen, unter voller Berücksichtigung der Bedeu: kommen also nicht mehr in Frage. Durch die Einheit- 
tung einer zahlenmäßig ausreichenden Bevölkerung doh ihreit des eingesezten Fürsorgepersonals soll erreicht 
feinen übermäßigen Aufwand für Personen zu treiben, werden, daß in der praktischen Arbeit für Erb- und 
die infolge von Qualitätsmängeln zum Schlusse nur die PPuassonpflege die Tätigkeit der drei Formen der Be- 
Allgemeinheit belasten, durch Steuerdru> ihren Lebens- ratung als in der Zielsezung einheitlich empfunden wird 
spielraum einschränken und sie zur Niedrighaltung ihrer und dementsprechend alle Maßnahmen vorsorgerischer 
Kinderzahl veranlassen. Dies muß in Zukunft unbedingt 94 in der einen oder anderen Abteilung der Beratungs- 
vermieden werden. Dem Überwuchern der Ge- ien für Erb- und Rassenpflege ohne Reibungen auf das 
ringwertigen über die Ho<hwertigen ist Ganze abgestellt bleiben, nämlich auf die plan- 
energisch entgegenzutreten. | mäßige Vermehrung und qualitative 
3 Diet gesamte“ Berline Gesundheitonorjorg: zei in Verbesserung der Berliner Bevölkerung. 
ukun ie vorstehenden Gesichtspunkte sorgfältig zu ee ae . . . . 
eachten und ihre Mahnahmen im Rahmen der geltenden 9 AEF Eben mh vorgefehen. Es bleibt vielmehr 
jönli .. 3 . 3 H wie bisher die Einsezung von Fachkräften (Rassen- 
jontich Da H antmorllih, des alle Mahn ahmen ier hygienifern, Frauenärzten, Kinderärzten) für die 
keiten der Rais MAN I gung angepaßt einzelnen Abteilungen zulässig. Die Stadtärzte haben 
. aber dafür Sorge zu tragen, daß das Handeln dieser 
werden, verschiedenen Fachärzte einheitlich bleibt und sich in jeder 
Zweifelsfragen sind umgehend dem Hauptgesundheits- Einzelheit bewußt auf die Durchführung des oben 
amt zur unmittelbaren Entscheidung vorzulegen. gekennzeichneten Brogramms einstellt. 
IL 8 d) Die Beratungsstelle für Erb- und Rassen- 
Beratungsstellen für Erb- und Rassenpflege (BER). pflege joll sich aber außerdem grundsäßlich nicht 
a) Im Rahmen dieses Programms sind zunächst umzustellen: ' nur als rein behördliches Organ ent- 
die bisherigen Schwangerenfürsorge-, Säuglings- und mwideln. Es ist davon auszugehen, daß ohne tätige 
Kleinkinderfürsorgestellen. Die bisher für diese geltenden Mithilfe der gesamten Bevölkerung und 
Bestimmungen treten soweit sie mit dem Nachfolgenden ihrer Organisationen der angestrebte Erfolg 
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