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VI. Die Glocken

Full text: Die Kaiser Wilhelm-Gedächtniss-Kirche / Mirbach, Ernst von (Public Domain)

großen Kaiser erinnern. So schenkte sein Enkel, der jetzige Kaiser, am 15. April 1894 
50000 Pfund erbeuteter Geschütze zum Guß der Glocken für die Kaiser Wilhelm— 
Gedächtniß-Kirche. Das Material wurde den Depots in Spandau entnommen. Es 
waren zum Theil schöne, reich eiselirte, große Geschützrohre aus der Zeit der ersten 
Republik, Napoleons J., Karls X. sowie neuere Rohre von Napoleon III. 
Es wurden fünf Glocken bestimmt und nach umfassenden Erkundigungen die 
berühmten Firmen von Karl Friedrich Ulrich in Appolda und von Andreas 
Hamm in Frankenthal in der Rheinpfalz zu Kostenanschlägen aufgefordert. Von 
beiden kamen günstige und sachverständige Angebote. Da der Guß der Riesen— 
Glocken und die dazu nöthigen Vorarbeiten eine häufige, persönliche Kontrole und 
Besprechung erwünscht machten, so wurde wegen der größeren Nähe Apolda 
gewählt und die Glockengießerei von Karl Friedrich Ulrich, Besitzer der Großherzoglich 
Sächsische Hof-Glockengießermeister Franz Schilling, am 2. Mai 18914, dem 
Gründungstage des Kirchenbau-Vereins, mit dem Guß beauftragt. Bei dem 
boraussichtlich bedeutenden Gewichte der Glocken, zu dem noch das Gewicht des 
Glockenstuhles hinzuzurechnen war, mußte eine genaue Prüfung der gewaltigen 
Pfeiler des Hauptthurmes stattfinden. Hiermit wurde der Ingenieur Schuma cher 
zu Friedenau betraut. Trotzdem er die 3mm starken Pfeiler für ausreichend erklärte, 
hielt er mit Rücksicht auf die Erschütterung des Thurmes bei dem Gesammtgeläute 
aller fünf Glocken eine noch größere Sicherung für zweckmäßig, um für immer 
kostspielige Reparaturen abzuwenden. Es wurden deshalb diese Pfeiler um 70 en 
iach dem Kircheninnern verstärkt. 
Die Namen der Glocken, ihre äußeren Verzierungen und Sprüche wurden 
den Majestäten im April 1894 in Abbazia vorgelegt und von ihnen genehmigt. 
Eine wichtige Frage blieb zu lösen: die Feststellung der Töne, welche die 
fünf Glocken erhalten sollten. 
Nach vielen Besprechungen wurden die Vorschläge des Professors Freuden— 
berg angenommen. Derselbe bestimmte, von dem ihm ausgesprochenen Wunsche 
ausgehend, daß eine Glocke den Ton der Trierer Dom-Glocke, das tiefe bis, au⸗ 
nähernd erhalten solle, für die fünf Glocken die Töne PFABG; so daß also die 
größte an Tiefe des Tones die Trierer Glocke übertraf. Diese Zusammenstellung 
wurde gewählt, um nicht nur in der Gesammtheit feierlich und harmonisch zu 
wirken, sondern auch, um zu ermöglichen, daß die Symbolik der Glockensprache in 
mannigfachster Weife, den verschiedenen kirchlichen Fest- und Feiertagen, sowie 
anderen fröhlichen und ernsten Gelegenheiten entsprechend, zum Ausdruck gelangte, 
indem ein harmonisches oder melodisches Geläute von je zwei, drei oder vier Glocken 
angestimmt werden konnte. 
Aus den Versuchen und Erfahrungen von über einem Jahrtausend hat man 
unter Berücksichtigung des Glockenmaterials aus der Gestalt der Glocke, aus den 
Abmessungen ihrer einzelnen Theile und aus deren Verhältnissen zu einander, wobei 
vor Allem der Glockenmund, d. h. die Weite des untersten Theiles der Glocke, maß⸗ 
gebend ist, ferner aus den Metallstärken der verschiedenen Stellen einer Glocke 
Erfahrungssätze tabellarisch festgestellt, welche den Glockengießern als Anhalt 
dienen. Das Schwierige bei der Bestimmung des Tones einer Glocke und der Be⸗
	        
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