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V. Der 1. September und der 24. Dezember 1893

Full text: Die Kaiser Wilhelm-Gedächtniss-Kirche / Mirbach, Ernst von (Public Domain)

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Der J. September und der 24. Dezember —1893. 
e beiden Tage, wenn auch in weiteren Kreisen unbekannt, verbanden 
e ernste, tiefe Bedentung mit dankbar freudiger Erinnerung und sind 
u bleibendem Gedächtniß in der Geschichte der von der Kaiserin in Berlin 
ind Potsdam begründeten und unter Ihrem Vrotektorate stehenden Vereine und 
Anstalten verzeichnet. 
Ein herrlicher warmer Herbsttag, der 1. September 180633, prangte über dem 
alten, festlich geschmückten Coblenz, dem stolzen Rhein und der lieblichen Mosel, 
ein goldiger Schimmer lag über den mit Festen und Burgen gekrönten Felsenhöhen. 
Kaiser und Kaiserin hatten ihren ersten Einzug in der Lieblings-Residenz der 
Kaiserin Augusta gehalten. Wie immer gedachte die junge Kaiserin, unter dem 
Glanze und der Freude solcher Festtage, der Armen und Nothleidenden und be— 
suchte an dem Nachmittage des h. September die Kranken- und Waisen-Häuser. Als 
sie bei der Besichtigung des Evangelischen Stifts auf den Hof heraustrat, um die 
dort aufgestellten Waisen— und ändere Rinder zu begrüßen, stürzte aus dem 
zweiten Stockwerke des Gebäudes ein großer Fensterflügel herab, zerbrach auf 
der Schulter Ihrer Majestät und verursachte trotz der Wucht und trotz der zahl— 
losen, das Kleid zerreißenden Scherben nur eine starke Kontusion. Die Raiserin 
wankte zur Seite, und, obgleich heftige Schmerzen auftraten, bemeisterte sie sich 
so, daß sie die allgemeine große Bestürzung und Erregung ablenkte, indem sie 
nach wenigen Minuten die Besichtigung der Anstalt fortsezte und dann noch dem 
katholischen Waisenhanse den zugesagten Besuch abstattete. Wie durch ein Wunder, 
durch eine sichtliche Gnade Gottes war Ihre Majestät vor einem schweren Unfall 
behütet worden. Trotzdem sie die Geheimhaltung des Vorfalles münschte, waren 
alle Gemüther, vor Allem auch der zahlreich anwesenden Kinder so ergriffen, daß 
schon in wenigen Stunden die Nachricht von der glücklichen Bewahrung Ihrer 
Majestät die Stadt durchlief. Welch' wunderbares Zusammentreffen eine solche 
Gefahr, eine solche Errettung an einem h1. Septenmiber am Rhein-Strom! 
Die Verehrung und die Liebe suchte nach einem Zeichen der Freude und des 
Dankes. Das gab die Veranlassung, der Kaiserin ein Audenken an Ihr und Ihres
	        
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