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III. Die Grundsteinlegung am Palmsonntage, den 22. März 1891

Full text: Die Kaiser Wilhelm-Gedächtniss-Kirche / Mirbach, Ernst von (Public Domain)

mündet, stand eine Empfangspforte aus zwei Pylonen-Paaren, die Seitenflächen 
mit strahlenförmig gerafften Stoffen in blau und gelb, den Stadtfarben Char— 
lottenburgs, bekleidet. Gekrönt wurden die starken Schrägpfeiler durch rauchende 
Flammenschalen, und aus den Gesimsplatten ragten mächtige, grünumwundene 
Masten empor, von deren Spitzen Langbanner wehten. Von Weast zu Mast 
chwangen sich doppelte Tannengewinde. Zwischen den Pylonenpaaren war 
ein mit vergoldeten Makart⸗Palmen reich geschmückter Plinthensockel eingefügt, von 
dem herab je eine weibliche Geniengestalt mit Palmen und Lorbeer die Nahen⸗ 
den grüßte. An der Spitze des einem gleichschentligen Dreieck ähnlichen Bau— 
blatzes stand das Kaiserliche Zelt in schönem Guirlanden- und Pflanzenschmuck, 
wärmend belegt mit dicken Teppichen; von der Mitte des Zeltdaches wehte die 
purpurne Königsstandarte. Rechts und links stießen an das Zelt die Podien für 
die geladenen Gäste, dann folgten nach kurzen, als Eingänge dienenden Zwischen— 
räumen die mächtigen, schräg ansteigenden Tribünen für das Publikum. Den 
Abschluß des Festplatzes bildete, dem Kaiserlichen Zelte gerade gegenüber, die 
Musiktribüne. Die Brüstungen und Seiten der Podien und Tribünen waren auf 
grauem Leinwandgrunde mit rothen und weißen Stoffen und grünendem Schmucke 
künstlerisch verbrämt. Den ganzen Platz umsäumten Masten mit Wappenschilden, 
Bannern und Fahnen in den preußischen, brandenburgischen und schleswig-hol⸗ 
steinischen Farben, sowie in den Farben Berlins und Charlottenburgs u. a. Starke 
Tannengehänge verbanden die Masten. Nahe vor dem Zelte stand wie ein Altar 
das Grundsteinmauerwerk mit dem aus weißem Sandstein gemeißelten Grundstein, 
über welchem später der der Hardenbergstraße zugewandte kleine Eckthurm errichtet 
wurde. Zehn Schritt dahinter, in der Mittelachse des Zeltes und der Musiktribüne, 
hatte man das mit scharlachrothem, golddurchfriestem Tuche drapirte Predigtpult 
aufgeschlagen. Der Fußboden im Inuern des Festplatzes war mit gelbem Kies 
hestreut, vor dem Zelte breiteten sich bis zur Empfangspforte Tannenzweige über 
den Straßendamm; am Eingange des Zeltes stand ein Infanterie-Doppelposten. 
Um 12/2 Uhr wurde die Umgebung des Festplatzes abgesperrt, und bald dar— 
auf rückten mit klingendem Spiel die von sämmtlichen Berliner Gardetruppen zur Feier 
kommandirten Abtheilungen, sowie die als Fahnen-Kompagnie befohlene Leib-Kom— 
pagnie des 1. Garde-Regiments zu Fuß an und nahmen Aufstellung. In kurzer 
Zeit füllten sich die Tribünen und die Podien mit Ehrengästen. Die Generalität 
stellte sich vor dem Podium am Kurfürstendamm, die Kommandeure der Regimenter 
des Gardekorps vor dem Podium an der Hardenbergstraße auf. Nach dem Altar zu 
iahmen die Kommandeure der Leib-Regimenter weiland Seiner Majestät des Kaisers 
und Königs Wilhelm J. die ihnen zugewiesenen Plätze ein. Zu Seiten der Kanzel 
traten der Fahnenträger des 1. Garde-Regiments zu Fuß und der Standartenträger 
des Regiments Gardes du Corps. In weitem Bogen um die Kanzel ordneten sich 
die übrigen Fahnen und Standarten der in Berlin garnisonirenden Gardetruppen. 
Hinter der Kanzel folgte sodann die Leib-Kompagnie des 1. Garde-Regiments zu 
Fuß. Die übrigen Fußtruppen nahmen in zwei Kolonnen dahinter Aufstellung. 
Kavallerie und Artillerie stellten sich in zwei Gliedern längs der Tribünen auf. 
Hinter den Truppen standen auf hoher Tribüne die Musikkorps des Garde—
	        
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