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Der 100jährige Geburtstag Kaisers Wilhelm des Großen am 22. März 1897

Full text: Die Kaiser Wilhelm-Gedächtniss-Kirche / Mirbach, Ernst von (Public Domain)

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schlossen sich die landsmannschaftlichen Vereine, welche das besondere Interesse der 
deutschen Bundesfürsten erregten, voran kräftige Bayern in Kniehose und Loden— 
joppe, dann Sachsen, Württemberger, Mecklenburger ꝛc. Ihnen folgten, vom 
Publikum besonders freudig begrüßt, Deputationen aus Oesterreich, Ungarn, Italien, 
Rußland und andere. Schützen, Ruderer, Schwimmer reihten sich an, die Radfahrer— 
klubs thaten sich als Neuheit besonders durch ihren Aufzug mit den buntgeschmückten und 
kornblumenbekränzten, in militärischerRichtung vorbeirollenden zahllosen Rädern hervor. 
Den langen, gewiß über zehntausend Theilnehmer zählenden, und in 
schnellem Tempo in kaum mehr als einer Stunde vorbeidefilirenden Zug schloß die 
buntgeschmückte Wagenreihe der Studentenschaft in Wichs mit ihren Bannern und 
Fahnen, ein farbenprächtiges Bild. 
Der herrliche Festzug der Bürgerschaft erntete allgemeinen Jubel, Freude 
und Dank. Besondere Theilnahme riefen naturgemäß überall die Kriegsveteranen 
und Kriegervereine hervor, unter denen Tausende in den Kriegen des alten Kaisers 
gefochten, viele ihr Blut vergossen und die Mehrzahl ihm noch treu gedient hatte. 
Raiser und Kaiserin dankten den Herren des Festkomitees in herzlichster Weise, 
wobei Seine Majestät äußerte: 
Theilen Sie der Bürgerschaft mit, daß ich hochentzückt bin über 
das Gesehene. Der Zug hat auf mich einen Eindruck gemacht, den 
ich nie vergessen werde; auf eine derartige wundervolle Kundgebung 
der Berliner Bürgerschaft war ich nicht vorbereitet. Danken Sie 
derselben herzlichst in Meinem Namen. 
Der Kaiser ermächtigte dann noch die Herren des Romitees, den 100 Vete— 
ranen, welche am Denkmal Ehrenplätze erhalten hatten, mitzutheilen, daß sie die 
Erinnerungsmedaille an den großen Kaiser erhalten würden. Um aber bei den 
batriotischen Kundgebungen im ganzen Lande noch ein weiteres Zeichen seines Dankes 
zu geben, bestinmte am nächsten Tage noch Seine Majestät, daß alle Veteranen aus 
den Feldzügen 1864, 1866 und 1870 die Erinnerungsmedaille erhalten sollten, und 
übernahm die Herstellungskosten dafür auf seine eigenen Mittel; wahrlich, eine der 
schönsten und unerwartetsten Belohnungen und Freuden, welche dem deutschen Volke 
in Waffen zu Theil werden konnte. 
Am Abend brachten 120 Korporationen der Studentenschaft aller Berliner 
Hochschulen mit etwa 2500 Kommilitonen dem Kaiser und seinen fürstlichen Gästen 
einen großartigen Fackelzug von rauchlosen Wachsfackeln vor dem Schlosse dar. 
Eine Deputation der Hochschulen wurde während des Fackelzuges von den Maje⸗ 
stäten in dem mit den fürstlichen Gästen und höchsten Würdenträgern angefüllten 
Rittersaale des Königlichen Schlosses empfangen. Kaiser und Kaiserin unterhielten 
sich mit jedem Einzelnen. Auf eine patriotische Ansprache des Sprechers der Depu— 
tation erwiderte Seine Majestät: 
„Ich danke Ihnen für das, was Sie Mir hier versichert haben, 
und wünsche nur, daß sich das, was Sie hier versprochen, auch 
väterhin erfüllen wird, und daß Sie stets zu Ihrem Kaiser halten.“
	        
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