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Der 100jährige Geburtstag Kaisers Wilhelm des Großen am 22. März 1897

Full text: Die Kaiser Wilhelm-Gedächtniss-Kirche / Mirbach, Ernst von (Public Domain)

zur Friedensglocke für alle, die es gut meinen mit Kaiser und Reich, daß sie 
uͤber dem Hader der Parteiung sich die Hände reichen zu neuem Treugelübde, 
das heilige Segenserbe zu wahren und zu verklären. Heute aber läute sie 
hor Allem das Vertrauen in unser Herz, daß der treue Gott auch in den kom— 
menden Zeiten sich werde erbitten lassen, unsere feste Burg zu sein, unser Hort 
uind unser Heil, und einige uns in dem inbrünstigen Danke für das, was er 
in dem hohen Heldenkaiser gethan und durch ihn an uns, wie er uns 
sonderlich so reich gemacht hat durch sein Lebensbild, und hat den nachfolgen⸗ 
den Geschlechtern damit einen so kostbaren Schatz zum Vermächtniß gegeben 
ind eine lebendige Kraftquelle edelster Begeisterung. 
Ja, steige auf, Brunnen, und tränke des Vaterlandes Gaue! Netze mit 
Deiner heiligen Fluth die Wurzeln der deutschen Eiche! Gieb Dein thauiges 
Naß auf die weiten Auen des Volkslebens, daß das Kranke gesund werde 
ind das Gesunde reichere Früchte trage! Steige auf Brunnen! Und singet 
don ihm! Solange euch Gesang gegeben, singet von der großen Zeit und dem 
alten großen Kaiser! Euer schönstes Lied aber gelte dem Vater des Lichts, der 
ins also gesegnet hat, und vermähle sich mit der Stimme von oben: „Ich bin's, 
der Gerechtigkeit lehrt und ein Meister bin, zu helfen!“ Amen. 
Nach der Predigt knieten Kaiser und Kaiserin, viele der Fürsten und die 
gesammte Geistlichkeit nieder und der Generalsuperintendent sprach das Gebet: 
Allmächtiger Gott, Lob und Anbetung bringen wir vor Deinen Thron für 
die große Gnade und Barmherzigkeit, die der heutige Gedächtnißtag vor unsere 
Seele stellt. Wunderbar, auf weisheitsvollen Liebeswegen hast Du, König aller 
Könige, unseren verklärten König, Deinen Knecht, seit den ernsten Tagen seiner 
Jugend geleitet, ihn zu einem Regenten nach Deinem Herzen bereitet. An der 
Schwelle des Alters noch hast Du ihn auf den Thron seiner Väter berufen, 
und durch seine dreißigjiährige Regierung reiche Segnungen unserem Volke zu— 
gewandt. Lange Zeit ersehnten wir die Einigung der deutschen Stämme; unter 
seiner Kaiserkrone hast Du sie zu einem Reich verbunden. Stark ist er geworden 
durch sein Heer, groß durch unvergleichliche Siege, stärker durch Gottvertrauen, 
größer durch die Demuth, in der er als ein Werkzeug Deiner Vorsehung sich 
vußte, jeden Erfolg, jede ruhmreiche Wendung als Deine Fügung erkannte, 
und der ernsten Pflicht sich bewußt war, alle Macht, die Du ihm verliehen, 
dem Frieden dienstbar zu machen. Daß Du ihm einen Königlichen Sinn 
gegeben, ein weises Herz, heilsame Gedanken für die Wohlfahrt seines ganzen 
Volkes, herzliche Theilnahme für die Schwachen und Geringen, und wir seiner 
heute als eines Fürsten gedenken dürfen, der wie ein Patriarch von den Seinen 
berehrt, wie ein Vater von seinen Unterthanen geliebt gewesen, das danken 
wir Dir, Du barmherziger Gott, von dem alle gute Gabe uns zukommt. 
Vor Allem aber preisen wir Deinen heiligen Namen, daß Du in ihm Deiner 
Kirche in unserem Lande einen treuen Schirmherrn gesetzt, der heilig besorgt 
war, seinem Volk den Glauben zu erhalten, und in freudigem Bekenntniß des 
Fpandeliums von Christo fest und unbeweglich gewesen, bis aus seiner stillen
	        
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