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Der 100jährige Geburtstag Kaisers Wilhelm des Großen am 22. März 1897

Full text: Die Kaiser Wilhelm-Gedächtniss-Kirche / Mirbach, Ernst von (Public Domain)

gebungen, wo das gewaltige Denkmal verhüllt stand, glichen einer großen Triumph— 
straße. Die Sonne des nahenden Frühlings strahlte über den emsigen Arbeiten; 
Tausende wogten vom frühen Morgen bis in die Nacht auf und ab in freudiger 
Stimmung. 
Am 18. März abends gab die Berliner Kaufmannschaft ein großartiges 
vatriotisches Konzert in der Börse zum Besten des Invalidenfonds, ausgeführt von 
dem Chor der Akademischen Hochschule für Musik, dem Philharmonischen Chor, der 
Berliner Liedertafel und dem Philharmonischen Orchester, den Musikkorps des 
Garde-Füsilier⸗ und des Garde-Kürassier-Regiments. Die Majestäten, alle Prinzen 
und Prinzessinnen und der ganze Hof waren zu der Feier erschienen. 
Die Vorboten des Frühlings, Blitz und Donner, Regengüsse und Sturm, 
begleiteten die Gesänge der mächtigen Chöre und die Arbeiten der nächsten Tage. 
Mit bangem Herzklopfen blickte Mancher auf die kommenden Festtage. Aber die 
Sonne erkämpfte den Sieg, durchbrach die dunklen Wolken und leuchtete durch die 
herrlichen neuen Fenster der Kaiser Wilhelm-Gedächtniß-Kirche, als dort am 20. nach— 
mittags Kaiser und Kaiserin unter zahlreichfter Betheiligung der Gemeinde 
der schönen Musikprobe der Singakademie und des Philharmonischen Orchesters 
lauschten, mit welcher sich die Töne der prachtvollen, mit einem neuen Echowertke 
versehenen Orgel vermischten. Am Abend jagten wieder dunkle Regenwolken an 
dem Himmel entlang und zur Vesper hallte der Thiergarten wieder von dem Ge— 
läute der drei Gedächtnißkirchen. Der Weststurm trug die vollen Töne weit in die 
Stadt hinein und tilgte zum 21. März die Spuren der Regengüsse. 
Die große F-Glocke der Kaiser Wilhelm-Gedächtniß-Kirche begrüßte um 7 Uhr 
morgens den ersten Frühlingstag und den durch die Wolken freundlich blickenden 
blauen Himmel. Die Umgebung der Kirche war von dem Magistrat von Charlotten— 
burg festlich geschmückt, und schon bald nach 8 Uhr strömten fröhliche Menschen— 
mengen den Kurfürstendamm zur Kirche hin, bei welcher außen und innen die 
Festordner, 10 Offiziere und 79 Unteroffiziere des Kaiser Franz-Regiments, des 
1. Garde-Regiments und der Eisenbahn-Brigade, sowie die Herren des Hofes sich 
aufstellten. Bald nach 9 Uhr begann die Ankunft der Gesangchöre, des Orchesters 
und der fast 2000 zur Feier in der Kirche geladenen Personen, welche in langen 
Wagenzügen vor den ihnen zugewiesenen Portalen der Kirche vorfuhren und im 
Innern der Kirche ihre Plätze einnahmen. 
Der Raum im Langschiff vor dem Altar war von dem Hoftischlermeister 
Groschkus mit kostbaren Teppichen belegt und mit werthvollen Sesseln, Stühlen 
und Kniebänken besetzt, die vordersten Sesselreihen waren für die regierenden Fürsten 
bezw. deren Vertreter reservirt. Dahinter versammelten sich zunächst, durch das 
Kaiserportal die Kirche betretend, die Prinzen und Prinzessinnen aus den deutschen 
Fürstenhäusern: Prinz Heinrich, Prinzessin Friedrich Carl, Prinz und Prinzessin 
Friedrich Leopold, Prinzessin Albrecht, Prinz Friedrich Heinrich, Prinz Joachim 
Albrecht, Prinz Friedrich Wilhelm, Erbgroßherzog und Erbgroßherzogin von Baden, 
Erbgroßherzog von Sachsen, Landgraf Alexis von Hessen-Philippsthal-Barchfeld, 
Herzog Ernst Günther zu Schleswig-Holstein, Herzog Friedrich Ferdinand zu 
Frhr. v- Mirbach, Kaiser Wilhelm⸗-Gedaächiniß⸗Lirche
	        
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