Path:
XII. Vaterländische und kirchliche Erinnerungstage aus 1895, 1896, 1897

Full text: Die Kaiser Wilhelm-Gedächtniss-Kirche / Mirbach, Ernst von (Public Domain)

begnadete, immer reicher wurde an Gottesfurcht und an Liebe zu seinem Volk. 
Als die Dankeskirche zum Gedächtniß seiner Rettung aus Mörderhand ein— 
Jeweiht werden sollte, schrieb er seinem Seelsorger: „Ich möchte so gern an 
diesem Tage Gott meinen Dank in der Gemeinde darbringen, und doch trage ich 
Bedenken. Es könnte Anstoß geben, weil doch auch eine Ehrung meiner Person 
in dieser Feier gefunden werden kann. Lösen Sie mir diesen Zwiespalt meines 
Fühlens“. So zarten Gewissens, so liebreich gegen sein Volk ist der große 
Mann gewesen. Und das hat das Volk gefühlt. Und darum ist sein Ver— 
hältniß zu ihm ein so inniges und zartes geworden. Darum ward sein Ende 
wie das eines geliebten Vaters, den die Kinder thränend umstehen. Darum 
sarrten die Tausende bei seinem Scheiden draußen vor seinem Fenster lautlos 
und tief bewegt, dieweil er drinnen der Gnade Christi gedachte und sich rüstete 
zur Heimfahrt. Sie wußten, was sie verloren: Der Vater ging heim. Ja, er 
ist den Weg der Gnade gegangen. Die Wege der Gnade führen himmelan. 
Laßt uns dem vollendeten Kaiser auf diesem Wege folgen. Und der Herr, der 
auch unser Leben regiert, gebe uns offene Augen, daß wir seine weisheitsvollen 
Wege erkennen und seiner Gnade trauen, damit wir auch einmal hinankommen 
zu ihm und ihm Ehre sagen mögen in Ewigkeit. Amen. 
Herrlich und ergreifend erklang nach der Predigt unter Begleitung der 
Orgel und des Musikkorps des Garde-Füsilier-Regiments der zu Herzen sprechende 
Mendelssohn'sche Choral: „Siehe, wir preisen selig, die erduldet haben; denn ob 
der Leib gleich stirbt, wird doch die Seele leben“. Nach der Schlußliturgie 
stimmten Gemeinde und Chor unter Orgel- und Posaunenklang, verstärkt durch 
einen großen Chor von Sängern des Garde-Füsilier-Regiments, vereint an: „Wir 
treten zum Beten vor Gott den Gerechten“. Nach der Feier läuteten die sämmt— 
ichen Glocken. 
Gedenkfeier für die Deutsche freiwillige Kriegskrankenpfilege 1870,71. 
Am 8. Mai 1800 fand im Weißen Saale des Königlichen Schlosses zu 
Berlin eine Gedenkfeier für die Deutsche Kriegskrankenpflege 1870771 statt, deren 
Leitung das Central-Komitee der Deutschen Vereine vom Rothen Kreuz führte. Es 
hatten dazu Einladungen erhalten: Alle Mitglieder des Central-Komitees, die 
sämmtlichen Provinzial-Vereine des Preußischen Vereins zur Pflege im Felde ver— 
wundeter und erkrankter Krieger, der Bayerische und der Sächsische Landes-Verein, 
der Albert-Verein und die Landesvereine in den Großherzogthümern Hessen, Baden, 
Mecklenburg-Schwerin, Sachsen-Weimar, der Württembergische Sanitäts-Verein, 
das Central-Komitee in Straßburg, die Landesvereine in Hamburg, Waldeck, Alten— 
burg, Cöthen, Braunschweig, Greiz und das Internationale Komitee in Genf. 
Außerdem waren von Vereinen und Genossenschaften in der Versammlung ver— 
treten: die Lokal-Vereine Berlin und Frankfurt a. M. der König Wilhelm-Verein, 
der Berliner Frauen-Lazareth-Verein, die Deutsche Marine-Stiftung, die Victoria— 
National-Invaliden-Stiftung, der Preußische Frauen- und Jungfrauen-Verein, der 
Deutsche Kriegerbund, die Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger im Kriege,
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.