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XII. Vaterländische und kirchliche Erinnerungstage aus 1895, 1896, 1897

Full text: Die Kaiser Wilhelm-Gedächtniss-Kirche / Mirbach, Ernst von (Public Domain)

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Gegenwärtige Urkunde haben Wir in zwei Ausfertigungen mit Unserer 
Allerhöchsteigenhändigen Unterschrift vollzogen und mit Unserem größeren Kaiser— 
lichen Insiegel versehen lassen. Wir befehlen, von diesen Ausfertigungen die 
Fine in den Grundstein des Denkmals niederzulegen, die Andere in Unserem 
Archiv aufzubewahren. 
Gegeben Berlin im Schloß am 18. August 1895. 
Wilhelm. 
Fürst zu Hohenlohe. 
Während die Urkunde in die Kapsel gelegt, letztere verlöthet und in den 
Grundstein eingelassen wurde, stieg Seine Majestät zum Grundstein herab. Der 
bayerische Bevollmächtigte zum Bundesrath Graf v. Lerchenfeld-Köfering über— 
reichte Seiner Majestät mit kurzer Ansprache Kelle und Mörtel und darauf ebenfalls 
mit einigen Worten der Präsident des Reichstages Freiherr v. Buol-Berenberg 
den Hammer. Als der Kaiser den ersten Schlag that, präsentirten die Truppen, die 
Fahnen senkten sich, und die Batterie im Luftgarten gab den Ehrensalut. Unter 
anonendonner und Posaunenktlang sprach der Kaiser bei den Hammerschlägen, im 
Anklange an historisch berühmte Worte seines Großvaters und Urgroßvaters: 
„Den Gefallenen zum Gedächtniß! Den Lebenden zur Krinnerung! Den 
kommenden Geschlechtern zur Nacheiferung!“ 
Nach Seiner Majestät vollzogen die Hammerschläge der Kronprinz, dann 
der Großherzog von Baden, Prinz Eitelfritz, Prinz Adalbert, Prinz Aug ust 
Wilhelm, Prinz Friedrich Leopold, Prinz Albrecht, Prinz Alexander, Fürst 
bvon Hohenzollern und die übrigen anwesenden Prinzen, der Reichskanzler, die 
Bevollmächtigten zum Bundesrath, die Ritter des Schwarzen Adler-Ordens, unter 
ihnen Feldmarschall Graf Blumenthal, die ersten Präsidenten des Reichstags, 
des Herrenhauses und des Abgeordnetenhauses, die Generaladjutanten ꝛc. Weiland 
Zeiner Majestät und einzelne der höchsten Staatsbeamten. 
Danach hielt der General-Superintendent von Berlin, Hof⸗- und Domprediger 
Faber die Weihrede: 
Das walte Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen. Das Wort 
der Weihe steht im 2. Buche der Makkabäer, Kapitel 8. Vers 21 und 23, also 
lautend: 
Da er ihnen mit solchen Worten ein Herz gemacht hatte, daß 
sie um des Gesetzes und ihres Vaterlandes willen gern sterben 
wvollten, ließ er das heilige Buch lesen, gab ihnen die Losung: 
Bott unsere Hülfe! und zog also vorn an der Spitze vor den 
indern her. 
So steht er uns vor der Seele, unser großer Heldenkaiser, in seiner herz— 
gewinnenden Persönlichkeit, seiner unermüdlichen Pflichttreue, seiner demüthigen 
Hottesfurcht. „Nachdem er ihnen ein Herz gemacht hatte“, wie gilt das von ihm in 
unvergleichlicher Weise. Es hat wohl kaum jemals einen Fürsten gegeben, der sich
	        
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