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VII. Die Einweihung am 1. September 1895

Full text: Die Kaiser Wilhelm-Gedächtniss-Kirche / Mirbach, Ernst von (Public Domain)

aund 200 Musikanten. Auf den Tribünen saßen 60) Zuschauer; an verschiedenen 
Stellen zwischen den Kriegervereinen waren Plätze für die zahlreichen übrigen 
Zuschauer freigehalten, sodaß der Platz über 16000 Menschen faßte. Die Ein— 
gänge zum Platze, namentlich an der breiten Tauentzienstraße, waren vom Publikum 
dicht besetzt. 
Um 9! / Uhr erklangen die Töne der drei kleineren Glocken; gegen 10 Uhr 
verkündete ihr abermaliges Geläute und die Jubelrufe von der Corneliusbrücke her 
das Herannahen der Majestäten, welche mit den vier ältesten Prinzen-Söhnen 
und der Großherzogin von Baden, von einer Ehreneskorte vom Regiment der 
Ghardes du Corps unter Kommando des Rittmeisters Prinzen Albert zu Schleswig— 
Holstein geleitet, den Kurfürstendamm entlang zum Kirchplatze fuhren. Bei den 
Veteranen wurde langsamer und endlich in der Nähe des Platzes im Schritt ge— 
fahren, wo ein endloser Jubel die verehrte Tochter des alten Kaisers und die 
Majestäten empfing. Die beiden großen Glocken stimmten mit ihren gewaltigen 
Tdönen in das Geläute der drei anderen Glocken ein, und mit ihren Klängen ver— 
einten sich die sämmtlichen Glocken der Hauptstadt. Vor dem Hauptportale verließen 
die Allerhöchsten Herrschaften die Wagen. 
Während Seine Majestät der Kaiser die Front der Ehrenkompagnie abschritt 
und die deutsche Kriegerdeputation aus Amerika begrüßte, verblieben Ihre Majestät 
die Kaiserin und die Frau Großherzogin von Baden bei den auf der Freitreppe 
bersammelten fürstlichen Personen. Nachdem Seine Majestät der Kaiser sich eben— 
'alls dorthin begeben und die Fahnen der Leibregimenter vor dem Hauptportal der 
Kirche Aufstellung genommen hatten, verstummten die Glocken. Der Vorsitzende 
des Evangelischen Kirchenbau-Vereins, Minister des Königlichen Hauses v. Wedel, 
»ewillkommnete die Majestäten mit folgender Ansprache: 
„Vor wenigen Wochen haben Eure Kaiserliche und Königliche Majestät 
den Grundstein zu einem Denkmal gelegt, welches Deutschland dem großen 
Kaiser errichten will, der seine Einheit begründet hat. Heute, am Gedenktage 
don Sedan, sind Eure Majestäten gekommen, um an der Weihe eines Gottes— 
Jauses theilzunehmen, das dem Gedächtniß des frommen Herrschers gewidmet 
st, der alle seine wunderbaren Siege Gottes Barmherzigkeit zuschrieb. 
Alle, die da wissen, daß Gottesfurcht die festeste Grundlage ist, auf 
welcher Throne und Völker ruhen, tragen tief im Herzen die Dankbarkeit 
ür den frommen Sinn des unvergeßlichen Kaisers. Dieser Dankbarkeit 
wollten sie Ausdruck geben. Unter Führung Ihrer Majestät der Kaiserin 
und Königin haben deshalb Reich und Arm, Vornehm und Gering sich zu⸗ 
sammengeschaart, um eine Kirche zu erbauen, welche die kommenden Ge⸗ 
chlechter daran erinnern soll, daß unser großer Kaiser ein gottesfürchtiger 
herrscher war. Heute steht dieses schöne Gotteshaus vollendet da. Möge 
Gottes Gnade allezeit über demselben walten! 
Der Vorstand des Vereins, der den Bau geleitet hat, bringt Eurer 
Majestät als ein Andenken an den heutigen Tag den kunstvoll gearbeiteten 
Schlüssel der Kirche dar. Eure Majestät wollen Allergnädigst gestatten, daß 
der Meister, der den Bau ausgeführt hat, diesen Schlüssel überreiche.“
	        
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