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Das Gemeindeschulwesen von 1870 bis 1893, insbesondere von 1878 ab

Full text: Die Entwickelung des Berliner Gemeindeschulwesens vom Jahre 1878 bis zur Gegenwart / Zwick, Hermann (Public Domain)

schaften sei unstatthaft, nur für ornamentale Zwecke stilisierte Köpfe, Klauen ꝛc. 
seien zulässig. Für die perspektivische Auffassung körperlicher, besonders geometrischer 
Gebilde genüge der empirische Weg (die Dupuissche Methode sei also auf— 
zugeben), auf der Oberstufe der Knabenschulen sei auch das Linearzeichnen zu 
berücksichtggen. Empfohlen werden für den Unterricht namentlich die Zeichenwerke 
don Herdtle und Jacobsthal. Wie man sieht, hatte sich bereits ein bedeutender 
Wechsel in den Anschauungen vollzogen. 
Im Jahre 1876 wurde der Zeichenunterricht allmählich auf die vierten 
Knabenklassen ausgedehnt. 
Inzwischen hatte eine vom Unterrichtsminister eingesetzte Kommission 
ihre Vorarbeiten für Aufstellung eines Lehrplanes für den Zeichenunterricht in 
der Volksschule begonnen. Diese Kommission gewann namentlich von der Methode 
und den Erfolgen in den Hamburger Schulen einen günstigen Eindruck, es war 
daher auf Grund ihres Berichts ein Reglement in Aussicht genommen, welches 
mit Benutzung der Hamburger Methode diesen Unterricht auf alle Klassen der 
Volksschule ausdehnte. 
Die Schuldeputation faßte den Beschluß, sofort in diesem Sinne vorzugehen 
und führte den Unterricht 1878 auf der Unterstufe der Gemeindeschule nach dem 
Hamburger Verfahren, nämlich als Netzzeichnen ein. 
Bisher war den Schulkommissionen für jede Zeichenklasse jährlich die Summe 
von 12.M zur Beschaffung der notwendigen Materialien für bedürftige Kinder 
gewährt worden, von jetzt ab werden für jede Gemeindeschulklasse 6 für 
diesen Zweck zugebilligt. 
Weitere erhebliche Förderung erhielt der Zeichenunterricht durch die vom 
Unterrichtsminister 1878 erlassene, Prüfungsordnung für Zei chenlehrerinnen 
an mehrklassigen Volks- und Mittelschulen, durch welche den Schulen fortan auch 
geeignete weibliche Lehrkräfte zugeführt wurden, sowie seit 1878 durch Fort— 
bildungskurse für im Amte stehende Lehrer und Lehrerinnen an der Königl. 
Kunstschule. 
Bereits im Jahre 1875 waren auch von der Schuldeputation zur wissen— 
schaftlichen und technischen Förderung der Lehrer und Lehrerinnen Kurse ein— 
gerichtet worden, darunter auch ein solcher für Zeichnen bei dem deutschen 
Gewerbe-Museum, durch welchen sowohl die technische Fertigkeit, als auch die 
Methodik des Unterrichts gefördert wurde. Dieser Kursus wurde auch die folgenden 
Jahre fortgesetzt. Seit 1879 traten hinzu Zeichenkurse in der Handwerker— 
schule, welche namentlich die Methodik des Körperzeichnens pflegten, so daß in 
der Folge eine anusreichende Zahl für die Volks— und Fortbildungsschule geeigneter 
Lehrkräfte zur Verfügung stand. 
Als im Jahre 1887 die vom Unterrichtsminister veranlaßte „Anweisung 
für Erteilung des Zeichenunterrichts in den Volksschulen mit drei oder mehr
	        
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