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Das Gemeindeschulwesen von 1820 bis 1869

Full text: Die Entwickelung des Berliner Gemeindeschulwesens vom Jahre 1878 bis zur Gegenwart / Zwick, Hermann (Public Domain)

getroffen, dem Schulbedürfnis der schulpflichtigen Jugend zu genügen. Es kam 
im weiteren darauf an, Organe zu schaffen und Einrichtungen anzubahnen, welche 
die Einschulung und den regelmäßigen Schulbesuch der Kinder sicher stellten. 
Dieses geschah im Jahre 1845 durch die Einrichtung der Schulkommissionen, 
welche als der zweite bedeutungsvolle Schritt zur Begründung des 
hiesigen Gemeindeschulwesens betrachtet werden muß. 
Erst durch diese Einrichtung war es möglich, die Schulpflicht praktisch durch— 
zuführen, d. h. die schulpflichtig werdenden Kinder fortlaufend zu ermitteln und 
den Schulbesuch der eingeschulten ebenso fortlaufend zu kontrollieren. Denn die 
Schulgelegenheit war zwar da, aber gerade die Schichten der Bevölkerung, für 
welche sie geschaffen war, hatten damals noch wenig Verständnis für die Notwendig— 
keit eines dauernden Schulbesuchs. Die Wohlthat selbst des freien Unterrichts 
mußte — wie es in dem damaligen Verwaltungsberichte heißt — den niederen 
Ständen geradezu „aufgedrungen“ und „aufgezwungen“ werden. Die Stadt— 
verwaltung war indes in diesem Punkte unerbittlich; sie hatte die Überzeugung, 
das Gedeihen der Stadt habe eine gute Schulbildung und Erziehung des gesamten 
Bürgertums zur unerläßlichen Voraussetzung. Sie hielt sich daher verpflichtet, 
von nun an die Einschulung und den Schulbesuch mit allen ihr zu Gebote stehenden 
Mitteln, selbst unter Zuhilfenahme der polizeilichen Gewalt streng zu überwachen. 
Zwar hatte man schon bisher in dieser Beziehung nichts versäumt; die Armen— 
kommissionen, Schulvorsteher und Geistlichen hatten die Schuldeputation in der Auf— 
findung und Verfolgung der lässigen Eltern und Kinder unterstützt; das Königliche 
Polizei-Präsidium war ununterbrochen thätig gewesen, die schullosen Kinder zu er— 
mitteln, den regelmäßigen Schulbesuch überwachen zu helfen. Allein alle diese Mittel 
erwiesen sich als unzureichend, weil sie mehr aus der Ferne auf die Eltern und 
Kinder, nicht durch unmittelbare Berührung mit ihnen wirkten, weil vor allem 
der Schuldeputation die erforderliche schulpolizeiliche Strafgewalt und die zu 
ihrer Vollstreckung nötigen Organe fehlten. Noch 1833 besuchten 10415 Prozent 
der eingeschulten Kinder die Schule höchst unregelmäßig oder gar nicht, 2932 
waren nachgewiesenermaßen überhaupt nicht eingeschult. 
Erst das 1839 erlassene Gesetz über die Beschäftigung der Kinder in Fabriken 
bot ausreichende Handhaben zur Regelung dieser Verhältnisse und ermöglichte 
Anordnungen für eine sichere Kontrolle des Schulbesuches, welche dann 1845 in 
den „Regulativen zur Konstatierung des Schul- und Konfirmanden-Unterrichts 
der hiesigen Schuljugend und zur Bestrafung der Schulversäumnisse“ fixiert 
wurden. Dieselben sind dann in späterer Zeit ergänzt und erweitert und bilden 
bis zum heutigen Tage den Grundstein für die Erfüllung der Schulpflicht in der 
Reichshauptstadt. 
Zweierlei Anordnungen wurden damals getroffen: 1. die Einführung so— 
zenannter Schulbesuchskarten, 2. die Bildung von Schulkommissionen als
	        
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