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V. Abschnitt. Die Neugestaltung des Gymnasiums durch Fournier und die Fortführung seines Werks durch Kramer

Full text: Festschrift zur Feier des 200jährigen Bestehens des Königlichen Französischen Gymnasiums / Grünwald, Eugen (Public Domain)

rungen des von den Behörden vorgeschriebenen Normalplans und 
doch zugleich den eigentümlch‘n Unterrichtsbedürfnissen der Anstalt 
nach Möglichkeit Rechnun® trug. Das Englische, dem bis dahin 
nur wenige Gymnasien überhaupt eine Stalle eingeräumt hatten, 
wurde darin als neues Unterrichtsfach für di3 Arei oberen Klassen 
fakultativ eingeführt. Im übrigen stellte Fournier als obersten Grund- 
satz auf, dass die klassische Philologie den wesen+l’chsten Bestandteil 
der Gelehrtenbildung ausmache und dass durch den Betrieb des Unter- 
richts in französischer Sprache diesem Hauptzwecke des Gymnasiums 
nicht Abbruch geschehen, auch die Ausbildung in der Muttersprache 
unter der Pflege des Mranzösischen nicht leiden dürfe. Um beides 
zu verhüten, meinte er, dass »in den unteren Klassen nicht alle 
Lehrobjekte französisch zu behandeln und selbst in den oberen zwar 
die Wissenschaften, in denen die Thätigkeit des Lehrers dominiert, 
ausschliesslich französisch zu lehren, dagegen in den alten Sprachen, 
besonders bei Übersetzung der Dichter, die deutsche Sprache ab- 
wechselnd mit der lateinischen und französischen anzuwenden« sel. 
Dagegen wünschte er, dass in dem philologischen Unterrichte der 
unteren und mittleren Klassen das Französische so viel als möglich 
zum Unterrichtsmittel erhoben würde und betrachtete es als einen 
Übelstand, dass die französisch geschriebenen Lehrbücher der lateinischen 
und griechischen Sprache, deren man sich früher am Gymnasium 
bediente, als veraltet hatten abgeschaf* und durch deutsche, auf der 
Höhe der neueren Wissenschafh ct” =-" ersetzt werden müssen. 
Aus diesem Grunde veranlasste er die Lehrer Dr. Mullach und 
Dr. Weiland, Lehrbücher des Lateinischen und Griechischen in 
französischer Sprache für die Zwecke des Gymnasiums zu verfassen, 
welche längere Jahre hindurch (bis 1860 bezw. 18°”) "1 Gebrauche 
Lliehen. 
Die Mehrzahl der Massregeln, über welche im Vorstehenden 
berichtet wurde, waren zu Michaölis 1839 zu Ende geführt, und mit 
gerechter Befriedigung konnte der Schöpfer einer neuen Ordnung auf 
den zweijährigen Zeitraum seines Wirkens zurückblicken, Es war 
kein eitles Prahlen, noch weniger ein unedler Lockruf, wenn er in 
dem Programm jenes Jahres und bald nachher auch in den öffent- 
lichen Blättern von einer nunmehr vollendeten vollständigen Reorga- 
nisation des Französischen Gymnasiums sprach und das Publikum 
aufforderte, der Anstalt sein Vertrauen wieder zuzuwenden. Die von
	        
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