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IV. Abschnitt. Die Überführung der Anstalt unter die Staatsverwaltung und das Direktorat Palmiés

Full text: Festschrift zur Feier des 200jährigen Bestehens des Königlichen Französischen Gymnasiums / Grünwald, Eugen (Public Domain)

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weitere Erhöhung der Summe auf 12 Thlr. für die unteren und 
16 Thlr. für die oberen Klassen von der Sektion des öffentlichen 
Unterrichts verfügt wurde, befanden sich unter 179 Schülern des 
College nur 104, die das volle Schulgeld bezahlten, 15 halbfreie und 
60. Freischüler. Die Neigung, die Schuldgeldbefreiung zu erbitten, 
wurde begreiflicherweise immer stärker, als 1817 und 1825 eine 
weitere Steigerung bis auf 20 Thlr. für Schüler aller Klassen erfolgte, 
und Palmie war nicht der Mann, um einer in beweglichem Tone 
vorgetragenen Bitte die Gewährung zu versagen. Dazu kam, dass 
die Schulgeldbefreiung nicht einfach ausgesprochen oder verweigert 
wurde, sondern dass e3 mehrere Zwischenstufen gab, Schüler, die 
12, 10, 8 oder / Thlr. zahlten, so dass beispielsweise im Jahre 1831 
von 257 Schülern nur 116 die volle Summe, 59 ein verschieden 
ermässigtes, 82 gar kcin Schulgeld entrichteten. Der Ruf der Billig- 
keit, der sich infolge dessen verbreitete, führte dem Gymnasium eine 
beträchtliche Anzahl von Elementen zu, die für eine höhere Schul. 
bildung überhaupt ungeeignet waren und sich der Schulzucht jeden- 
falls nur widerwillig fügten, 
Doch dies war es nicht allein; Palmie war auch überaus milde 
darin, Schüler, die von anderen Anstalten mehr oder weniger unfrei- 
willig abgegangen waren, nicht nur aufzunehmen, sondern, wenn er 
sie wohl befähigt fand, wohl sogar in eine höhere Klasse zu setzen 
als der sie vordem angehört hatten. Selbst die Rücksicht auf die 
Kenntnisse der Betreffenden im Französischen liess er bei solcher 
Aufnahme ausser Augen, so dass in den oberen Abteilungen nicht 
selten Schüler sassen, die dem Unterrichte nicht folgen konnten und 
noch weniger im stande waren, von ihren früher erworbenen Kennt- 
nissen oder den Ergebnissen ihres häuslichen Fleisses Rechenschaft 
zu geben. 
Die nächste Folge war, dass das Französische Gymnasium eine 
Zufluchtsstatt für träge und sittlich bedenkliche Schüler wurde und 
mit spöttischer Hinweisung auf seine ursprüngliche Bestimmung im 
Munde der Berliner den Namen: College des Refugies erhielt. Die 
Disziplin, die in Ermans letzten Jahren zurückgegangen, doch durch 
Arlaud kräftig gehoben worden war, sank jetzt wieder so stark herab, 
dass Fälle von unentschuldigter Schulversäumnis, von offener Wider- 
setzlichkeit, selbst Diebstahl, Degradierung ganzer Klassen, Entfernung 
einzelner so wie ganzer Gruppen von Schülern nicht zu den Selten-
	        
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