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II. Abschnitt. Von der Wiederaufrichtung des Collège im Jahre 1703 bis zur Ernennung Jean-Pierre Ermans zum Principal

Full text: Festschrift zur Feier des 200jährigen Bestehens des Königlichen Französischen Gymnasiums / Grünwald, Eugen (Public Domain)

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Hebräischer Unterricht wurde allem Anscheine nach schon seit 
1702 vorübergehend am Gymnasium erteilt; wenigstens erhielt in 
diesem Jahre Olivier Favin (geb. zu Orange, + 1735 zu Köpenick), ein 
Geistlicher der Kolonie, auf sein Ansuchen, und zwar mit Übergehung 
des Conseil academique unmittelbar vom Könige, die Berechtigung, den 
Titel Professeur en langue hebraique au College zu führen und die 
Schüler in dieser Sprache zu unterrichten. Über den Erfolg dieser 
Thätigkeit, die im Jahre 1714 durch Berufung Favins nach Neu- 
haldensleben ein Ende fand, wird wenig KErspriessliches berichtet. 
In ähnlicher Weise wurde am 1°. \pril 1704 Isaac Voigny 
ermächtigt zur Erteilung von Musikunterricht am Gymnasium; er 
erhielt das Recht, von den Schülern, welche sonst kein Schulgeld 
entrichteten, je 6 Groschen monatlich für seine Lehrstunden zu 
erheben. Auch dieser Unterricht wurde nur kurze Zeit fortgeführt. 
Ein Antrag, den 1713 Charles Le Comte, Directeur Administrateur 
de l’Hötel de Refuge stellte, am College in Geschichte und Geographie 
unterrichten zu dürfen, stiess auf Schwierigkeiten im Conseil 
academique, so dass nichts daraus wurde. 1720 wurde beschlossen, 
Geographie in den drei obersten Klassen jeden Mittwoch lehren zu 
lassen und dazu Karten der verschiedenen Erdteile anzuschaffen. 
Sonstige Veränderungen des Lehrplans, welche in den nächsten 
Jahren eintraten, bezogen sich meist nur auf die Auswahl der in den 
Klassen gelesenen Autoren. 
Noch im Jahre 1704 unternahmen es die Inspektoren, auch die 
Schulordnung einer Durchsicht zu unterziehen. Die neuen Gesetze, 
die sich im wesentlichen nur als eine verkürzte Wiedergabe der 
schon früher veröffentlich en darstellen, wurden gedruckt und zu 
besserer Einschärfung ihrer Vorschriften in den Klassen angeschlagen. 
Sie sind in dieser Fassung, ohne dass, wenigstens in den letzten 
Zeiten, jemand anders als allenfalls der Direktor von ihrem Dasein 
Kenntnis gehabt hätte, bis zum Jahre 1888 in Kraft geblieben. 
Trotz ernster Bemühungen, an denen es die Inspektoren nicht 
fehlen liessen, und trotz der hervorragenden Tüchtigkeit einzelner 
Lehrkräfte gelang es nicht, die Anstalt auf gleiche Stufe der Ent- 
wickelung mit den übrigen Berliner Gymnasien zu heben. Der 
Grund dafür muss vor allem darin erkannt werden, dass die 
französischen Kolonisten auch nach der Verlegung der Räumlichkeit 
von der gebotenen Gelegenheit zur Ausbildung ihrer Söhne nicht in
	        
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