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Das Vorbild des Don Quijote. Von E. Gessner

Full text: Festschrift zur Feier des 200jährigen Bestehens des Königlichen Französischen Gymnasiums / Grünwald, Eugen (Public Domain)

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eilen, Bald handelte es sich darum einem Ritter, der in ungleichem 
Kampfe zu erliegen drohte, beizustehen oder ihn aus hartem und 
unverdientem Kerker zu erretten, bald sich selber zu verteidigen, 
wenn böse Feinde ihm an Leib und Leben wollten. Dann auch musste 
er dem Könige, dem er sich in Dienst gegeben, in jeglicher Gefahr 
nahe sein, seine Feinde bekämpfen, belagerte Städte entsetzen, gefahr- 
volle Sendungen übernehmen. Und wie oft galt es nicht Damen zu 
retten, die von bösen Rittern entführt und in ihrer Ehre bedroht 
oder die in schmählicher Haft gehalten wurden; wohl auch ihnen 
wieder zu dem geraubten Throne zu verhelfen oder, wenn sie auf 
Tod und Leben angeklagi waren, als starker Kämpe für sie einzu- 
treten. Denn in den Romanen wimmelt es von hilfebedürftigen 
Frauen und gewaltthätigen Rittern, die dem Fahrenden wenig Ruhe 
und Rast gestatten. Aber nicht genug damit ist die Welt der Ritter- 
bücher noch mit anderen Wesen bevölkert, die in nicht geringem Masse 
dazu beitragen diese Drangsale zu erhöhen. Ds. sind zunächst die 
Riesen, meist wilde und unheimliche Gesellen, so recht zur Plage 
des fahrenden Ritters geschaffen. Dass sie bei ihrer Übergrösse mit 
Leichtigkeit Waffen schwingen, die ein gewöhnlicher Sterblicher nur 
mit Mühe zu heben im stande ist, versteht sich eigentlich von selbst; 
sind sie doch mitunter so kolossalen Leibes, dass sie auf Elephanten 
reiten, weil auch das stärkste Pferd sie nicht zu tragen vermöchte, 
oder dass der Ritter im Kampfe mit ihnen mit seinen Streichen 
nicht über ihr Knie hinauskommt. Dazu sind sie oft ekelhaft 
hässlich und wildesten Gemütes. Die Riesin Andandona mit weissem 
und zottigem Haar, das sie nicht kämmen kann, hässlich wie ein 
Teufel, läuft mit einer Schnelligkeit, dass nichts sie einholen kann; 
es giebt kein Thier, so wild es auch sei, das sie nicht bändigte und 
auf dem sie nicht ritte; mit Pfeil und Bogen erlegt sie Bären und 
Löwen, und die Felle wilder Thiere sind ihre gewöhnliche Kleidung 
(Am. III, 3), Ein anderer dieser Unholde ist in seiner Kindheit 
mit der Milch wilder Tiere aufgezogen worden und nährt sich später 
mit dem Fleische solcher Bestien, die er mit den Händen zerreisst. 
Der Riese Bandaguido ist von Liebe zu seiner eignen Tochter ent- 
brannt und von ihr wieder geliebt heiratet er sie, nachdem sie mit 
seinem Wissen ihre Mutter in einen Brunnen gestürzt hat. Dieser 
schauerlichen Ehe entspross der scheussliche Drachen, den Amadis 
später tötete (Am. III, 11), Und mit solchen Ungetümen hatte der 
Festschr. d. Frz. Gymn.
	        
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