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Das Vorbild des Don Quijote. Von E. Gessner

Full text: Festschrift zur Feier des 200jährigen Bestehens des Königlichen Französischen Gymnasiums / Grünwald, Eugen (Public Domain)

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man den Stil und Charakter jener Bücher wahrte, sie aber ihres 
weltlichen Inhalts entkleidete und ihre Helden zu Kämpfern für 
Moral und R.’'icion machte‘ Endlich sah sich sogar die Gesetz- 
gebung veran!..-ıt gegen das Unwesen einzuschreiten. Im Jahre 1543 
verbot Kurl 8 7” ıfte in einem Erlass den Druck und Verkauf von 
Ritterbüchern iu den aussereuropäischen Besitzungen, und im Jahre 
1555 erbaten die Cortes dasselbe Verbot **- Srenien.”) Und der- 
selbe Monarch, der solche Bestimmung” = iesr las gelber (nach 
Clemenein) mit Vorliebe den Belianis vc:. x “cchenland, noch dazu 
einen der ausschweifendsten und abenteueı].<’ister; Romane der Gattung! 
Alle diese Bestrebungen hatten nur 5cringen Erfolg. Erst Cer- 
vantes war es vorbehalten den entscheidenden Schlag zu thun. Die 
bisher noch nicht versuchte Wa%s deren er sich bediente, war der 
Spott. Mit unerbitilicher Satire und zugleich mit nie versagendem 
Humor stellte er seinen von der phantastischen Weltanschauung der 
Ritterromane bis zur Verrücktheit erfüllten Helden mitten in die 
nackte, prosaische Wirklichkeit, in das reale Leben hinein, und in- 
dem dieser in seinen Abenteuern statt des erhofften Ruhms nur blaue 
Flecken und zerschlagene Gliedmassen, oder im besten Falle nur 
Hohn und Spott davontrug, deckte der Dichter die ganze Lächerlich- 
keit und erbärmliche Hohlheit der Ritterlitteratur auf und schlug ihr 
die Wunde, an der sie verbluten sollte. Denn mochte auch das 
') Eine der am meisten charakteristischen dieser sonderbaren Produktionen 
ist. die „himmlische Ritterschaft“ des Hieronymus Sanpedro aus der Mitte des 
sechzehnten Jahrhunderts in zwei Teilen. Der erste, von der Schöpfung der 
Welt anfangend, enthält gewissermassen eine Geschichte des alten Testaments 
bis zur Verkündigung des kommenden Messias. Der zweite Teil behandelt das 
Leben Christi bis zu seinem Tode und der Himmelfahrt. Christus erscheint 
Jarin als der Ritter vom Löwen, die zwölf Apostel als die Ritter der Tafelrunde, 
der Teufel als der Ritter von der Schlange. Nachdem Christus von seiner 
Mutter Abschied genommen, zieht er als jugendlicher Held in die Welt hinaus, 
um Kämpfe und Abenteuer zu suchen, bei denen es nach Art der weltlichen 
Romane nicht an Riesen, Zauberern und Ungeheuern fehlt. Das Ganze schliesst 
mit dem Siege des Löwenritters, der den von der Schlange zu schimpflicher 
Flucht zwingt. 
2) Das merkwürdige Gesuch hat nach Ticknor (IT, 206) folgenden Wortlaut: 
„überdies sagen wir, dass es allgemein bekannt ist, welches Unheil für Jünglinge 
and Mädchen und für andere aus dem Lesen von Büchern voll Lügen und KEitel- 
keiten, wie der Amadis und seinesgleichen, entstanden ist, da insbesondere junge 
Leute infolge ihrer natürlichen Geschäftslosigkeit zu dieser Art von Leserei
	        
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