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Beobachtungen über die französischen Fürwörter im Sprachgebrauch unserer Zeit

Full text: Festschrift zum einhundertfünfzigjährigen Bestehen des Königlichen Realgymnasiums zu Berlin (Public Domain)

Während das pron. pers. conj. der 3. Person seiner Natur nach auf etwas vorher 
Genanntes sich zurückbezieht,*) braucht es der Franzose oft, als Subjekt sowohl wie als Objekt, 
vorgreifend, so dafs das wirkliche Subjekt oder Objekt als Apposition nachfolgt. Zu den aus den 
scenes populaires von Siede entnommenen Stellen füge ich: Ils sont rares, en effet, les departements 
oiü les questions de politique pure lont emport@ sur Vinteret municipal (Ann. pol. 17. 5. 96). 
Der Gebrauch hat sich aus dem Altfranzösischen erhalten (Gessner I. pg. 15). Während Mätzner 
(Synt. I. pg. 21) diesen pleonastischen Gebrauch des pers. Fürworts als aus einem rhetorischen 
Bedürfnisse hervorgehend erklärt und zwei Beispiele aus Mirabeau und Delavigne anführt, ist 
lie beim gewöhnlichen Volk viel häufigere Anwendung eines solchen doppelt ausgedrückten 
Subjekts oder Objekts vielmehr als eine Nachlässigkeit anzusehen, welche den Sprechenden die 
Thütigkeit ausdrücken und nur unbestimmt das Subjekt oder Objekt derselben andeuten lälst, 
das nachher, da es dem Zuhörer unbekannt ist, deutlicher durch ein Substantiv bezeichnet 
werden muls. 
5. Über die Stellung des pronom regime, falls das regierende Verbum von einem modalen 
[lilfsverbum oder einem Verbum der Bewegung begleitet ist, sprechen sich die Grammatiker 
nicht mit gleicher Bestimmtheit aus, während Ulbrich hierüber ganz schweigt.“*) Seitdem 
Vaugelas (I. pg. 84) die in früheren Jahrhunderten herrschende Freiheit auch seinen Zeitgenossen 
zugestanden hat, ist diese durch den Gebrauch kaum beschränkt worden, vorausgesetzt natürlich; 
dafs die Klarheit des Ausdrucks und der Wohlklang nicht leiden. Für vier besondere Fälle hat 
Hölder pg. 185f., für einige weitere Scherffig pg. 22 die Stellung des pron. regime unmittelbar 
vor dem Infinitiv beansprucht. Es wäre voreilig, da, wo die Franzosen noch jetzt offenbar sich 
Freiheit gestatten, in unseren Grammatiken nur eine Stellung als richtig anzuerkennen. Nach 
den zahlreichen von mir notierten Beispielen scheint mir die Stellung des pron. reg. vor pouvoir 
von den Franzosen sogar bevorzugt zu werden. Dans son attitude il n’y avait rien qui la püt 
offusquer ou contraindre (Rev. 1.11.88 pg. 34). Un langage tellement vague, que leurs propos 
se peuvent adapter & une foule de circonstances (Ann. pol. 29. 3. 96). La voix de M. Gr. est 
d’um timbre trop bas, pourque toutes les paroles se puissent entendre (Journ, 17. 1. 96). Un 
Gvönement tout ä fait rare. Il ne se produit pas, comme on le pourrait croire, dans des cir- 
constances rigoureusement determinges (ib. 1. 12. 95). Il mettait la ville en Gtat de faire töte 
partout ol l’ennemi se pourrait presenter (Sarcey, siege de Paris, Schulausgabe von Krause, pg. 56). 
Il y en a tant d’autres (röles) olı son merveilleux talent se peut affırmer (Ann. pol. 12. 7. 96). 
Qui ne peut pas r6sister A la force, quelquefois se peut sauver par la fuite (ib. 5. 4. 96). Aus 
cinigen der genannten Stellen sowie aus einer von Hölder angeführten geht zugleich hervor, dafs, 
auch wenn der Infinitiv ein retlexives Verbum ist, die Stellung des pron. reflöchi vor dem Hilfs- 
verbum gestattet ist; Scherftig durfte dies nur von den wenigen verbes reflcchis essentiels leugnen. 
Dafs ein von einem Infinitiv abhängiges regime direct vor sembler stehen kann, ist meines Wissens 
von den Grammatikern noch nicht bemerkt worden. So heisst es in den Ann. pol. 12. 7. 96 
von dem Komponisten Ad. Adam: Des son enfance tout travail le semblait rebuter. 
6. Hat ein Infinitiv außer dem pron. pers. noch tout als Objekt, so kann dies das 
l’ronoumen von dem Infinitiv trennen. Beispiele dazu s. bei Lücking 8 246, wozu ich noch hin- 
zufügen kann: Des amis malheureux qui cherchent ä se tout dire (Montesquien, consider. etc. 
nennt es auch a. a. 0. pronom relatif, 
behandelt diesen Punkt ausführlich und unter Anführung zahlreicher Beispiele im Archiv 
” Vaugelas 
**) Vlattner 
Bd. 62 pa. 2090 ff
	        
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