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Abriss der Geschichte der Königlichen Realschule. I. 1747-1814

Full text: Festschrift zum einhundertfünfzigjährigen Bestehen des Königlichen Realgymnasiums zu Berlin (Public Domain)

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‚eicht erfüllen zu können, die Zuwendung wurde angenommen und der Bau Kochstralßse 13 he- 
zonnen. Aber schon bei der ersten Teilzahlung (1764) erfuhren die eingereichten Schuldscheine 
ınd aufserpreufsischen Wertpapiere infolge der Umwechselung eine sehr erhebliche Werteinbuße; 
liese steigerte sich noch bei den folgenden Zahlungen, und so blieb der von Grofs wirklich ge- 
leistete Beitrag um etwa 11000 Thaler hinter den ursprünglichen Angaben zurück, Hecker und 
lie Schule waren um die gleiche Summe in drückende Schulden geraten. Jener hat während 
seiner vier letzten Lebensjahre das Haus bewohnt, er lebte nun inmitten seiner Anstalten und 
konnte sich leichter die Übersicht über das Ganze erhalten. Nach ihm ist das solid erbaute 
zweistöckige Haus noch 120 Jahre lang die Stätte emsiger Direktorenarbeit und edlen Familien- 
lebens geblieben: hier hat Spilleke umfassende Organisationsentwürfe vollendet, und abends erklang 
ler Nachhall dessen, was sein Gemüt und die Herzen seiner Familie in den Aufführungen der 
Singakademie bewegt hatte; hier sann Ranke die Pläne für Umbauten der Anstalt aus und ver- 
fafste seine Trostschreiben an die allzu gering besoldete Lehrerschaft, und da vereinigte er um 
sich und seine Familie die Kandidatenschaft der vier Anstalten, die mitunter die Zwölfzahl er- 
reichte. Jetzt erhebt sich dort ein hohes ‚Wohngebäude in fadem Aussehen, dessen niedriges 
Thor den Eingang zum Grundstück des Gymnasiums bildet. 
Übermäfßig wuchsen die Pflichten für Hecker, als die Bebauung der Friedrichstadt 
ımmer dichter, seine kirchliche Gemeinde (gegen 1760) immer zahlreicher wurde. Aber kein 
Ruhe- und Erholungsbedürfnis, keine wohlberechtigte Rücksicht auf die Gesundheit des alternden 
Körpers hielt ihn ab die Wünsche zu erfüllen, welche die Gemeindemitglieder an seine seel- 
zorgerische Thätigkeit bei Tage und bei Nacht, die Schulangehörigen an seine stete Bereitschaft 
zu Rat und That in immer steigendem Mafse richteten. Als nun 1762 die Zahl der Parochial- 
schulen in der Gemeinde auf sieben, ihre Frequenz mitsamt der unsrer Realschule auf 1100 
zestiegen war, wurde für jene Anstalten die Berufung eines besonderen, zweiten Inspektors nötig: 
als solcher trat der seit vier Jahren an der Realschule thätige Kandidat Gotthilf Reccard ein. 
Sein Unterricht an der Anstalt war besonders für Naturlehre und Mathematik rühmlich; er 
legte das neue Observatorium 1760 an, mafs an einem Sextanten von zwei Fufs Radius mit den 
Schülern die Sternabstände bis auf Grad und Minuten und beobachtete im März 1764 mit den- 
selben die in wenigen Wochen aufeinander folgenden Mond- und Sonnenfinsternisse. Kine Ab- 
handlung und ein Bericht darüber fanden so allgemeinen Beifall, dafs sie in zweiter Auflage 
arscheinen mufßten. Seine ansehnliche Erscheinung, sein regsamer Geist, unermüdlich im 
Aufsuchen wissenschaftlicher Methoden und in freundschaftlicher Mitteilung nach angestrengtem 
l’agesdienst, sein gefälliges Benehmen, unbegrenzte Dienstfertigkeit haben ihm in allen Kreisen 
Berlins eine große Beliebtheit verschafft, so dafs seine Berufung zu einer Professur der Theologie 
an der Universität zu Königsberg schmerzliches] Bedauern erregte. In dieser Stellung, mit der 
sich das Direktorat des Collegium Fridericianum verband, ist er 1798 gestorben. Ihn ersetzte 
1765 im Inspektorat der Hülfsprediger Hennicke, der drei Jahre später auch der Nachfolger 
von Einems wurde. Der Verlust des letzteren (Ostern 1768), des treuen Gehülfen Heckers, war 
Air die Realschule aus mehreren Gründen besonders schwer: er hatte allmählich die übermäfsigen 
Ansprüche Heckers an die Schuljugend gemildert, bildete den einsichtigen und diskreten Ver- 
mittler zwischen ihm und den Lehrern und setzte zuletzt auch durch, dafs zwei Nachmittage 
der Woche vom Unterricht freigelassen wurden; bei allen Angehörigen der Anstalt war der 
Wunsch rege geworden, von Einem die Nachfolgerschaft des schon vielleidenden Direktors über- 
‘ragen zu sehen. Aber die Blicke der Oherknratoren hatten sich hereits auf eine auswärtige
	        
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