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Abriss der Geschichte der Königlichen Realschule. I. 1747-1814

Full text: Festschrift zum einhundertfünfzigjährigen Bestehen des Königlichen Realgymnasiums zu Berlin (Public Domain)

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dann die Verordnung vom 30. September 1718 entgegengetreten: „die Komödien und actus 
dramatici, dadurch nur die Gemüther vereitelt werden, sollen in Schulen gänzlich abgeschafft 
sein“; dagegen ist jährlich wenigstens einmal ein Examen solemne abzuhalten,” um die Fort- 
schritte der Studierenden nebst dem Fleifse der Lehrenden darzuthun. Auch dieser Befehl 
wurde oft umgangen, man führte actus oratorios, aneinander gereihte Schülervorträge ein; ihren 
Nutzen verkennt Hecker keineswegs, er verweist vielmehr auf die heilsame Gewöhnung der 
Jugend zu ernster, zusammenhängender und „dreister“ Vortragsweise, und nimmt solche 
Übungen in seine Examina auf. Aber als Zweck der letzteren hält er fest: zu zeigen, was und 
wieviel die Jugend innerhalb einer gewissen Zeit gefafst, und auf welche Art dies durch den 
Unterricht erreicht sei; geschehe dies, wie an seiner Anstalt, regelmäfsig am Ende jedes Haulb- 
jahres, so werden doch besondre Vorbereitungen dazu vermieden. Sonst müfste freilich der 
Gang des Unterrichts während zweier, auch dreier Wochen erheblich gestört, der Fortschritt der 
Prüflinge in anderen Lehrgegenständen aufgehalten, die Zuhörer nur hintergangen werden. 
Zwar reicht die Zeit zum Durchexaminieren einer so grofsen Schulanstalt nicht aus, aber durch 
Vermeidung von Umschweifen und weitläufigen Einleitungen seitens der Examinatoren wird die 
Sache in ansehnlichem Umfange möglich, auch ohne daß die gesteigerte Forderung prompten 
Antwortens der Schüler ruhige Überlegung und zusammenhängende Rede ausschliefst. Selbst in 
der obersten Klasse, von der es ja Entlassungsprüfungen in geregelter Form noch nicht gab, 
mufsten solche Examina abgehalten werden, um die Reife der Abgehenden zum Besuch von 
Universitäten nachzuweisen; denn ohne unparteiisches Examen „eilen manche aus Sekunda und 
Tertia zum Studium, obwohl sie noch Prima und Selekta der Schule durchlaufen sollen“, und 
hierin liegt die Ursache, dafs „das gemeine Wesen in allerhand Ständen mit höchst untüchtigen 
Leuten überschwemmt“ wird. — Sehr bald werden in den Einladungsschriften zu den Prüfungen 
diejenigen, welche zum Studium übergehen, namentlich bezeichnet, auch — wenn es mit Zu- 
stimmung der Lehrer geschah — ausführlich genug charakterisiert, durchaus nicht in nur 
lobender Weise, sondern mit hinreichend deutlicher Angabe, worauf sie nach Bezug der 
Universität behufs Ergänzung ihrer Ausbildung zu achten haben. — Um aber den Zuhörer 
während der Examina eine Abwechselung zu bieten, werden zahlreiche Schülervorträge eingelegt: 
1748 im Verlauf von zwei Tagen zwölf Vorträge, davon neun in deutscher Prosa und Poesie, 
zwei in lateinischer, einer in französischer Sprache; zwei Jahre später schon 20 Einzelvorträge 
and zehn Gespräche, 21 in der Muttersprache, fünf lateinische, zwei französische Reden, zwei 
griechische Recitationen. Bei der Nennung der einzelnen Vortragenden wird besonders angegeben, 
ob sie libri barones oder equitos (Mesomarchici, Neo-, Palaeo-, Ukeromarchici, Pomeruni, Silesii 
der Poloni) sind; neben diesen acht adligen Schülern treten 36 aus bürgerlichem Stande auf, 
Die Niederschriften der Vorträge, zum teil noch erhalten, machen für den letzteren Termin 
einen stattlichen Quartband aus: sie behandeln meist geschichtliche Stoffe, auch den Nutzen der 
Blätter, die Stärke des Elephanten, daneben finden sich Aufsätze über die Selbstüberhebung, die 
Kunst wohl zu sterben; Sonderbarkeiten laufen dazwischen, z. B. eine Erörterung, ob die 
Patriarchen des alten Testaments wohl grofse Philosophen genannt werden dürfen. Sehr 
bemerkenswert ist in diesen Vorträgen das Wachsen des Interesses für die vaterländische 
Geschichte: Kurfürst Albrecht Achilles und seine Schicksale, die grofsen Thaten des Kurfürsten 
Friedrich Wilhelm, die dreitägige Schlacht bei Warschau, das „Treffen“ bei Fehrbellin, die 
Herrlichkeit des Brandenburgischen Hauses werden in einzelnen Reden oder Gedichten oder in 
ziner Reihe von Vorträgen gefeiert. Ebenso verstärkt sich die Bewunderung der Person und
	        
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