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Fünftes Kapitel. Die Geschichte der Dreifaltigkeits-Kirche vom Jahre 1809 bis 1840, Schleiermacher und Marheineke als Geistliche an derselben. Kirchliche Verfassungsfragen. Union und Agende. Jubiläum der Dreifaltigkeits-Kirche und der Reformation in Berlin

Full text : Geschichte der Dreifaltigkeits-Kirche zu Berlin / Lommatzsch, Siegfried (Public Domain)

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Fünftes Kapitel

spruch des Propheten anzuwenden: „Das Wort, das aus meinem Munde geht, soll nicht
leer zu mir zurückkehren. Denn wie der Regen nicht wieder gen Himmel kehrt, sondern
die Erde befeuchtet, so soll auch mein Wort nicht leer zurückkehren, sondern soll ihm gelin—
gen, wozu ich es gesandt.“ So wird der Königin hohe Mission, deren Wert den späteren
Geschlechtern unzweifelhaft geworden, im Lichte der Heiligen Schrift schon in jener Zeit der
Saat auf Hoffnung erkannt und gefeiert.'') Eine hervorragende Beachtung beanspruchen
selbstverständlich die Predigten aus dem Jahre 1813, dem Jahre der beginnenden Be—
freiung des Vaterlandes. Die Neujahrspredigt, die ja der Erhebung des Volkes noch
voranging, ist uns nur aus dem Bericht eines bewundernden Zuhörers erhalten. Sie ist
doch ein merkwürdiges Zeichen des weitausschauenden Standpunktes, den Schleiermacher
einnahm. Wird in ihr: „Christus der König“, verherrlicht, so wendet sie sich auch an
die christlichen Herrscher Europas und fordert diese zur Unterwerfung unter den König der
Könige auf. Mit einem Nachdruck, der sich allen Hörern mitgeteilt habe, so erzählt jener
Zeuge, sei Schleiermacher dabei in einen alten Liedervers ausgebrochen, in den Vers:

„Ihr hohen Potentaten
Nehmt dieses Kindlein an,
Soll euch sein wohlgeraten
Und wollt ihr gehn die Bahn,
Die Euch hier herrlich zieret
Und dort zum Himmel führet.“ 160

Als die Krone aller seiner politischen Predigten ist die am 28. März bei der feier—
lichen Verkündigung des Aufrufes des Königs „An mein Volk“ und des Aufrufes zur
Landwehr gehaltene bezeichnet worden. Zum Text nahm er damals Jerm. 17. V. 528
und 18. V. 7410. Schleiermacher fragt hier zunächst nach dem Zweck einer gottesdienst—
lichen Feier jenes Ereignisses, und er findet die Antwort, daß der Christ sich dadurch
mahnen lafssen solle, mit demütig erhebenden Gedanken an Gott diesen heiligen Krieg
zu beginnen. Das eigentliche Thema der Rede besteht aber in der Aufgabe, den großen
Schritt von der Seite „unserer Würdigkeit vor Gott zu betrachten“. Mit Ernst und Frei—
mut schildert der Redner die Sünden des Volkes und der Regierungen, die uns in die bis—
herige Knechtschaft gestürzt hätten. Mit Jubel begrüßte er die große Verwandlung, welche
plötzlich bei uns hereingebrochen. Jetzt endlich habe die Stunde der „Nückkehr zum freien
Handeln“ geschlagen; „nun haben wir wieder“, so wird der Gemeinde verkündet, „einen
eigenen Willen“, nun kämpfen wir für unseren, für den dem Volke von Gott verliehenen
Beruf. Fuͤr jeden Stand, für jedes Alter, jeden Berufszweig, für die in den Kampf
Ziehenden, wie für die daheim Bleibenden hat er eine kurze und treffende patriotische Mah—
nung, auch ein gutes Wort in bezug auf den kriegerischen Ehrgeiz, welcher die brüderliche
Gemeinschaft nicht stören oder verleugnen duürfe. Und „wenn öffentliche Auszeichnungen“, so
fügt er hinzu, „sich allerdings an einen Erfolg halten müssen, so möge jeder streben, nicht
sie zu erwerben, sondern zu verdienen; möge jeder bedenken, daß alle, die treu ihre Pflicht
khaten, diejenigen mit erwerben halfen, die anderen geworden sind; und daß das Be—
            
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