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Drittes Kapitel. Aeußere Umstände und weitere Entwicklung der neugegründeten Kirche. Mitarbeiter und Nachfolger der ersten Geistlichen: Hähn, Silberschlag, Bamberger

Full text: Geschichte der Dreifaltigkeits-Kirche zu Berlin / Lommatzsch, Siegfried (Public Domain)

Drittes Kapitel. 
Erfreute sich der lutherische Teil der Dreifaltigkeits-Gemeinde hervorragender geist⸗ 
licher Führer, so durfte auch der reformierte nicht über Vernachlässigung klagen. Jablonski 
wurde, wie wir wissen, im Jahre 1760 der Gemeinde durch den Tod entrissen. Zum Er⸗ 
satz schlug der Minister von Dankelmann dem Koͤnige in einem schriftlichen Bericht den 
bisherigen Hülfs-Prediger an der Friedrichs-Werderschen und Dorotheenstaͤdtischen-Kirche 
Bamberger vor. Die Angelegenheit wurde, da der Minister abwesend war, dem Könige 
durch den Geh. Kabinetsrat Eichel vorgetragen. In sehr verständiger Weise, aber in schlech— 
tem Deutsch entschied der König mündlich“): „recht gut, den besten, welchen sie wollen, und 
sie es vor Gott, vor mich und vor die Gemeinde verantworten koͤnnen“. Am 20. Januar 
1761 wurde der Vorgeschlagene demgemäß zum Pastor an der Dreifaltigkeits-Kirche be— 
stellt Johann Peter Bamberger, geb. 1722 zu Magdeburg, wurde als Domkandidat 
zu Berlin ein Schüler und späterhin auch der Schwiegersohn des uns bekannt gewordenen 
Oberhofpredigers Sack. Er zeigte sich als ein würdiger Vertreter der theologischen Rich⸗ 
tung des letzteren und gehörte wie seine lutherischen Amtsbrüder an der Dreifaltigkeits⸗ 
Kirche zu den sowohl kirchlich-gesinnten als auch wissenschaftlich gebildeten Theologen Ber⸗ 
lins. Als Pastor an der Dreifaltigkeits-Kirche wurde er auch zum Kirchenrat und Mit— 
glied des reformierten Kirchendirektoriums ernannt. Mit Hecker und Silberschlag stand 
er stets, bis zu seiner im Jahre 1780 erfolgten Versetzung als Hof- und Garnisonprediger 
nach Potsdam, in der brüderlichsten Eintracht zusammen. Damals beschäftigte sich nicht 
bloß die ungläubige Aufklärung mit den geistesverwandten Schriften der Freidenker oder 
Materialisten Englands und Frankreichs. Auch die kirchlich gesinnten Theologen bekunde— 
ten das Bedürfnis, aus derselben Litteratur zu schöpfen, sei es um dem angefochtenen 
Glauben zu Hülfe kommen, sei es um die Kanzelberedsamkeit zu fördern. So erwarb sich 
auch Bamberger, darin seinem Schwager, dem jüngeren Sack verwandt, reiche Kenntnis eng— 
lischer Werke. Er legte auf diejenigen besonderes Gewicht, in denen die Zweifel der Frei— 
denker an der Wahrheit der christlichen Religion und der heiligen Schrift widerlegt wurden. 
Sie suchte er nun in Deutschland einzubürgern. So verfaßte er eine stattliche Reihe von 
Uebersetzungen derartiger theologischer und apologetischer Schriften aus dem Englischen zur 
Befestigung des Glaubens, wie zur Verbreitung theologischer Bildung. Besonders übte seine 
„Brittische theologische Bibliothek“, wie auch sein „Brittisches theologisches Magazin“ be— 
merkbaren Einfluß auf die Zeitgenossen aus.“) 
Wir vermögen uns aber auch ein Bild seiner Wirksamkeit auf der Kanzel nach 
einer Sammlung von Predigten, welche aus dem Jahr 1784 stammt, zu entwerfen. In 
schlichter klarer Weise hat er die ethisch-praktische Seite der evangelischen Heilswahrheit 
überall darzulegen versucht. Nicht verkündigt er eine niedrige natürliche Moral, sondern 
die Grundsätze eines christlichen Lebens, welches aus der Dankbarkeit gegen die Wohlthaten 
des Erlösers hervorgeht. Wer von diesen Wohlthaten überzeugt ist, bei dem sei, so lehrt 
er, auch eine bußfertige und demütige Gesinnung vorauszusetzen. Demnach wird zwar die Heils— 
lehre Jesu an erster Stelle gepriesen, doch so, daß sie auch mit den Heilsthatsachen in
	        
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