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Drittes Kapitel. Aeußere Umstände und weitere Entwicklung der neugegründeten Kirche. Mitarbeiter und Nachfolger der ersten Geistlichen: Hähn, Silberschlag, Bamberger

Full text: Geschichte der Dreifaltigkeits-Kirche zu Berlin / Lommatzsch, Siegfried (Public Domain)

s. 
Drittes Kapitel 
liches Bekenntnis zu dem in Jesu Christo begründeten Heil, wie auch durch seine nicht un— 
gewöhnliche, aber würdig auftretende lebendige Beredsamkeit; hat doch ein kompetenter 
Beurteiler die letztere als eine feurige und empfindungsvolle bezeichnet. Seine Energie 
zeigt sich auch in der Schärfe, mit der er die Notwendigkeit der sittlichen Frucht, die aus 
einem aufrichtigen Christentume und so auch aus der Teilnahme am Gottesdienste hervor— 
gehen müsse, stets eingeschärft hat. Aus seiner Amtsperiode in Magdeburg berichtet er, 
daß er in der Geißelung des herrschenden Lasters zuweilen wohl zu heftig in seinen Aus— 
drücken auf der Kanzel gewesen sein möge. Doch erkannte auch dort seine Gemeinde sehr 
wohl, daß ihn nur der Eifer um ihr Wohl getrieben hatte. Von seinem gesamten Streben 
sagt er in seiner, einige Jahre vor seinem Tode verfaßten Selbstbiographie: er habe zu seinem 
Leichentert Matth. 10, 32. 33 gewählt: „Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich wieder 
bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will 
ich wieder verleugnen vor meinem himmlischen Vater;“ das bleibe „sein Ancil, vor welchem 
alle noch so feurigen Pfeile des Bösen niederfallen.“ Der Oberkonsistorialrat Hermes hat 
ihm dann auch über diesen Tert in der Dreifaltigkeits-Kirche die Gedächtnispredigt gehal— 
ten. Darin wird ihm bezengt, er sei „kein Rohr, gewesen, welches der Wind hin und her 
bewegt, sondern „ein wahrer Bekenner Jesu“. Seiner Gemeinde vor allem war sein 
geistliches Thun gewidmet. Er fand, wie er dankbar rühmt, das volle Zutrauen und die 
Liebe derselben. An Sterbebetten oder Krankenlagern durfte er die Erfahrung machen, 
daß seine Vorträge nicht wirkungslos verhallten, sondern ernstes religiöses Leben erweckten. 
Den ihm befohlenen Dienst an der Gemeinde faßte er in der Aufgabe zusammen: „Seelen 
zu retten und sie dem zuzuführen, der sie erkauft hat mit seinem Blut.“ Auf seinem 
Sterbelager erquickte es ihn noch, als er hörte, daß sein Amtsbruder Hecker und seine 
liebe Gemeinde seiner in gemeinsamer Fürbitte gedacht hätten. 
Es war zu jener Zeit bereits das Zeitalter des Zweifels und der irreligiösen Aufklärung 
in Deutschland angebrochen. Da hatte Johann August Urlssperger in Basel im Jahre 
1780 die „deutsche Gesellschaft zur Beförderung reiner Lehre und wahrer Gottseligkeit“ 
gestiftet. Später wurde sie kurzweg „die deutsche Christentums-Gesellschaft“ genannt. Sie 
wollte durch Verbreitung geeigneter Schriften und durch vorbildlichen sittlichen und kirch— 
lichen Wandel christliche Lehre und christliches Leben hervorrufen. Indem sich diese Ge— 
sellschaft schnell über die Schweiz und Deutschland verbreitete, bildete sich auch ein Zweig⸗ 
oerein in Berlin, dessen Vorsteher Silberschlag wurde. Wie aus dieser Gesellschaft die 
heute so vielfach verzweigten Bestrebungen für die innere Mission in Deutschland hervor— 
gingen, ist im allgemeinen bekannt. Auch diese Arbeit für das Reich Gottes wurde also 
der Dreifaltigkeits-Gemeinde schon frühe nahe gelegt. 
In einer anderen Beziehung ward Silberschlag indessen ein weniger glücklicher Er— 
folg zu teil, nämlich auf dem Gebiete der eigentlichen Theologie. Es zeigt fich darin eine 
Aehnlichkeit zwischen ihm und Urlssperger. Letzterer beabsichtigte durch seine Gesellschaft, 
wie das der ursprüngliche Rame schon besagt, auch die reine Lehre wieder zur Herrschaft
	        
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