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Drittes Kapitel. Aeußere Umstände und weitere Entwicklung der neugegründeten Kirche. Mitarbeiter und Nachfolger der ersten Geistlichen: Hähn, Silberschlag, Bamberger

Volltext: Geschichte der Dreifaltigkeits-Kirche zu Berlin / Lommatzsch, Siegfried (Public Domain)

Johaun Esaias Silberschlag. 
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Staates kennen zu lernen, namentlich auch um bei großen Ueberschwemmungen am Rhein, 
an der Weichsel, an der Ostsee, Rat und Hülfe zu leisten. So wenig dieses Alles mit den 
pflichten eines Theologen zusammenhing, so verwendete er doch die auf diesen Reisen ge— 
sammelten Erfahrungen nach Möglichkeit für die Kräftigung seines religiösen Lebens und 
für die Arbeit in seinem geistlichen Beruf. Er nahm Gelegenheit, gläubige Christen, 
namentlich ehemalige Zöglinge des Pädagogiums Franckes aufzusuchen und mit ihnen christ— 
liche Erfahrungen auszutauschen. Dehnte er seine Reisen bis nach Holland hin aus, so 
zeschah es nicht allein, um den dortigen Wasserbau, sondern auch um die kirchlichen Ver— 
hältnisse dieses Landes kennen zu lernen. Er fand ferner in dem Kampf seiner Kunst mit 
den Elementen reiche Gelegenheit, große Naturereignisse in ihrem Einfluß auf das Geschick 
des Menschen unmittelbar als Thaten der göttlichen Vorsehung anzuschauen: eine Vor— 
stellungsweise, die übrigens auch dem damaligen kirchlichen Rationalismus geläufig war. 
Silberschlag verirrte sich indessen dabei doch nicht in dem bloßen Nützlichkeitsglauben 
der Aufklärung, sondern blieb bei der lutherischen Kirchenlehre in Verbindung mit dem 
praktisch pietistischen Zuge, der seiner Erziehung und Selbstbeobachtung entsprang. Und so 
wenig eine solche mit seiner Berufsarbeit zusammenhängende Vielseitigkeit, wie wir sie bei 
Silberschlag erblicken, einer Vertiefung der gewonnenen christlichen Erkenntnis an und für 
sich zu gute kommen konnte, so viel Gelegenheit bot sich ihm doch dadurch zur Erwerbung 
odon natürlichen Bildern und Vorstellungen, die er zur Belebung seiner Predigt, zur Er— 
äuterung der ihm am Herzen liegenden christlichen Wahrheit verwenden konnte. Silber— 
schlag gehörte zu den beliebtesten und zu seiner Zeit berühmtesten Kanzelrednern Berlins. 
Seine Predigten wurden neben denen von Karl Woltersdorf, der seit 1754 als Geistlicher an 
der Georgen-Kirche wirkte, von den damaligen gläubigen lutherischen Kreisen Berlins 
regelmäßig besucht, aber auch von freier Denkenden nicht ungern gehört, so daß man ihn 
als Kanzelredner mit dem allbeliebten Spalding verglichen hat. In jenen Kreisen hatte 
sich die Gewohnheit gebildet, daß man jeden Sonntag entweder vormittags zu Silberschlag 
und nachmittags zu Woltersdorf in die Kirche ging, oder umgekehrt. „Wenn er predigte“, 
jo wird uns glaubwürdig erzählt, war die Kirche von Zuhörern in der Regel ganz über— 
füllt, und heilsbegierig hingen die Blicke aller an den Lippen des gesalbten Verkündigers 
des Evangeliums.“ Silberschlag zeichnete sich durch klare, logisch geordnete, das Einzelne 
aber anschaulich und in vielen Bildern beleuchtende Darstellung christlicher Lehre aus. 
Die Elemente der Heilslehre entnimmt er der auf einen biblischen Grund zurückgeführten 
lutherisch-kirchlichen Anschauung. Er war kein fklavischer Verehrer des Buchstabens der 
Bekenntnisse und läßt einen Einfluß des Pietismus und Baumgartens, des Schülers des 
Philosophen Wolff auf seine Ansichten erkennen. Den Pietismus ergänzt er aber nicht nur 
durch lehrhafte und wissenschaftliche Elemente, sondern er preist auch die Herrlichkeit der 
schöͤnen Künste und ihren Beruf, dem Reiche Gottes zu dienen)). 
Von seinen Zuhörern verlangte er eine denkende, vernunftmäßige Auffafsung der 
deilslehre, fesselte dieselben aber nichts destoweniger sowohl durch sein entschiedenes, männ—
	        
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